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Was das Leben unserer Eltern über unsere Lebenserwartung verrät

Foto: Envato / GeorgeRudy

Was das Leben unserer Eltern über unsere Lebenserwartung verrät

Wer Eltern im hohen Alter hat, hat oft ein deutlich niedrigeres Sterberisiko. Was die Forschung dazu herausgefunden hat und wie unser eigener Lebensstil damit zusammenhängt.

Warum leben manche Menschen länger als andere?

Unsere Lebensspanne hängt von mehreren Faktoren gleichzeitig ab. Dazu zählen Erbanlagen, Wohnort, Einkommen, medizinische Versorgung und persönliches Verhalten. Forschende untersuchen seit Jahren, welcher dieser Faktoren den stärksten Einfluss hat. Eine aktuelle Studie liefert neue Zahlen bezüglich der Rolle der Eltern.

Ein Forschungsteam aus den USA hat die Daten von mehr als 4000 Teilnehmenden aus drei Langzeitstudien in den USA und im Vereinigten Königreich ausgewertet. Dabei wurden Menschen, deren Eltern mindestens hundert Jahre alt geworden waren, mit Menschen verglichen, deren Eltern deutlich früher gestorben waren. 

Wie groß ist der Vorteil, wenn ein Elternteil hundert Jahre alt wird?

Die Ergebnisse der Studie sind beachtlich. In einer zentralen Auswertung wiesen Kinder von Hundertjährigen ein um 42 Prozent geringeres Sterberisiko auf als die Vergleichsgruppe. Zusätzlich sank ihr Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen um 33 Prozent und für Bluthochdruck um 32 Prozent. Im Durchschnitt starben diese Kinder rund drei Jahre später. Zudem trat Bluthochdruck bei ihnen etwa fünf Jahre später auf.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen bleiben die größte Gefahr

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind weltweit die häufigste Todesursache. Allein in der europäischen WHO-Region waren im Jahr 2019 rund 42,5 Prozent aller Todesfälle darauf zurückzuführen. Bluthochdruck gilt als wichtigster Risikofaktor und war für 24 Prozent dieser Todesfälle verantwortlich.

Bei anderen Erkrankungen war das Bild weniger eindeutig. Während das Schlaganfallrisiko in zwei der drei Studiengruppen geringer war, konnten die Forscher beim Krebsrisiko keinen signifikanten Unterschied feststellen.

Wie zuverlässig sind solche Ergebnisse?

Die Forschenden weisen selbst auf die Grenzen ihrer Studie hin. Ein Teil der Angaben zu Gesundheit und Lebensstil stammt aus Selbstauskünften der Teilnehmenden, was Ergebnisverzerrungen begünstigt.

Zudem waren die meisten Teilnehmenden weiß, sodass sich die Ergebnisse nur eingeschränkt auf andere Bevölkerungsgruppen übertragen lassen. Solche Einschränkungen sind bei Beobachtungsstudien üblich und mindern insgesamt den Wert der Zahlen.

Die vorliegende Studie zeigt zudem einen statistischen Zusammenhang, aber keinen bewiesenen Auslöser. Familien teilen sich nicht nur Gene, sondern auch Wohnort, Ernährungsgewohnheiten und sozialen Status über Generationen hinweg. Welcher dieser Faktoren für die gemessenen Effekte verantwortlich ist, bleibt angesichts der aktuellen Datenlage offen.

Gene sind nur für einen Teil der Lebenserwartung verantwortlich

Andere Untersuchungen, die genetische Analysen durchführen, gehen davon aus, dass Erbanlagen zwischen 10 und 30 Prozent der Unterschiede in der Lebensdauer erklären. Der größere, übrige Anteil entfällt auf Umweltfaktoren, Lebensstil und Zugang zu medizinischer Versorgung. Damit bleibt Ihnen als Einzelperson erheblicher Spielraum, unabhängig vom Alter Ihrer Eltern.

Welche Rolle spielt der eigene Lebensstil?

Unsere Ernährung, wie viel wir uns bewegen und wie wir mit Stress umgehen, hat messbare Auswirkungen auf die Lebenserwartung. Auch das soziale Umfeld ist entscheidend. Wer in Regionen mit guter Gesundheitsversorgung lebt, hat bessere Chancen auf ein langes Leben.

Wie groß der Einfluss des Wohnorts sein kann, zeigt ein Vergleich zwischen zwei deutschen Regionen des Max-Planck-Instituts. Männer im Landkreis München werden im Schnitt 81,2 Jahre alt, Männer in Bremerhaven dagegen nur 75,8 Jahre.

Wie geht es in der Forschung weiter?

Die Studienautoren planen weitere Untersuchungen, um die zugrunde liegenden Mechanismen der Studienergebnisse genauer zu bestimmen. Vor allem durch die Untersuchung der Kinder der Studienteilnehmer erhoffen sich die Forschenden ein besseres Verständnis für die Faktoren eines langen Lebens.

Definitionen und Begriffserklärungen

Lebenserwartung

Wie viele Lebensjahre eine Person statistisch gesehen erwarten kann. Sie wird aus den Sterblichkeitsdaten einer Bevölkerungsgruppe berechnet und dient als Maßstab für den allgemeinen Gesundheitszustand.

Langzeitstudie

Bei einer Langzeitstudie werden dieselben Personen über viele Jahre oder Jahrzehnte begleitet. Dadurch lassen sich Zusammenhänge zwischen Lebensumständen und späteren Gesundheitsereignissen genauer erkennen als bei kurzen Untersuchungen.

Häufig gestellte Fragen zur neuen Langzeitstudie zur Lebenserwartung aus den USA und Großbritannien

Bedeutet ein hohes Alter der Eltern automatisch ein langes Leben für die Kinder?

Die Studie zeigt hier lediglich statistische Zusammenhänge. Auch Lebensstil, Umwelt und Zufall haben einen starken Einfluss auf die individuelle Lebenserwartung.

Warum sank in der Studie auch das Risiko für Bluthochdruck?

Die Forschenden vermuten, dass es innerhalb von Familien gemeinsame genetische und Umweltfaktoren gibt, die sich günstig auf das Herz-Kreislauf-System auswirken. Die genaue Ursache ist noch unbekannt.

Wie viele Menschen nahmen an der Studie teil?

Das Forschungsteam wertete Daten von über 4000 Teilnehmenden aus drei Langzeitstudien in den USA und im Vereinigten Königreich aus.

Welchen Einfluss hat der Wohnort auf die Lebenserwartung?

In Deutschland kann sich die Lebenserwartung bei Männern je nach Region um mehr als fünf Jahre unterscheiden. Sozioökonomische Faktoren spielen dabei eine wichtige Rolle.

Was können Sie selbst für eine höhere Lebenserwartung tun?

Zu den wirksamsten Faktoren zählen regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen, Bewegung und eine ausgewogene Ernährung. Diese Faktoren wirken unabhängig vom Alter der eigenen Eltern.

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