weltderwunder.tv

INHALTE

FOLGEN SIE WELT DER WUNDER

Krankheiten

Sterbehilfe: Der Tod als Erlösung

Sterbehilfe: Der Tod als Erlösung

Die Würde des Menschen ist unantastbar – der Artikel 1 des Deutschen Grundgesetzes sieht darin auch die vollkommene Selbstbestimmung des Menschen vor. Doch was, wenn sich ein unheilbar kranker Mensch den Tod wünscht? Sterbehilfe als kontrovers diskutiertes Thema.
  • imago/Roland Mühlanger

    Selten wird ein Thema im Bundestag so öffentlich diskutiert wie derzeit das der Sterbehilfe. Die Debatte handelt von einer Neuregelung der Gesetzeslage und reicht vom vollkommenen Verbot der Sterbehilfe bis hin zu einer weitgehenden Freigabe. Bereits seit dem Kaiserreich ist die assistierte Beihilfe zum Tod in der Bundesrepublik erlaubt. Doch wann überschreitet die Hilfe bestimmte Grenzen und was ist mit Patienten, die nicht mehr die Macht über ihre eigenen Sinne haben? Die Selbsttötung aus krankheitsbedingten Gründen ist ein vielschichtiges Thema, welches näherer Beleuchtung bedarf.

  • iStock/wgmbh

    Bei der Sterbehilfe geht es um eine Beihilfe zur Selbsttötung. Der Übergang vom Leben zum Tod kann durch verschiedene Handlungsweisen herbeigeführt werden. Manch Vokabular spricht auch von einer Unterstützung beim Sterben – sei es von unheilbar kranken Menschen, aber auch Wachkoma-Patienten oder Menschen mit schweren Behinderungen, Alzheimer oder anderen stark lebenseinschränkenden Erkrankungen. Dabei gibt es unterschiedliche Varianten, die je nach Land und Gesetzeslage erlaubt sind oder strafrechtlich verfolgt werden können. In vielen Ländern der Welt wird die Sterbehilfe auch als Euthanasie bezeichnet, ist jedoch in Deutschland aufgrund der negativen Konnotation mit der NS-Vergangenheit ungebräuchlich.

  • imago/Thilo Schmülgen

    Die Sterbehilfe wird auf dreierlei Weise von einander unterschieden. Dabei gibt es die aktive, die passive und die indirekte Sterbehilfe. Im Gegensatz zu all diesen Arten steht die Sterbebegleitung in ihrer klassischsten Form als Prozess des Ablebens in einem Hospiz. Häufig zählt hierzu auch die Palliativmedizin – Ärzte kümmern sich bei dieser Art der Medizin um die Schmerzbekämpfung des Patienten durch verschiedene Pharmazeutika. Dabei geht es zum einen um die Schmerzlinderung bei Todkranken, als auch um die psychologische Betreuung der Menschen bis zu ihrem Tod. Dabei soll ein natürlicher Todesverlauf garantiert werden, der nicht durch eine Beihilfe herbeigerufen wird. Von Sterbehilfe wird auch dann gesprochen, wenn der Sterbeprozess an sich bereits begonnen hat und dieser durch gewählte Maßnahmen beschleunigt wird.

  • iStock/minheasim

    Als erstes Land der Welt ließen die Niederlande am 1. April 2002 die Form der aktiven Sterbehilfe zu. Dabei wird der Tod eines Menschen bewusst herbeigeführt. Der Wunsch nach dem Tod muss jedoch von der erkrankten Person selbst mitgeteilt werden. Eine Tötung ohne Einwilligung des Betroffenen wird als Totschlag oder Mord aufgefasst. Durch eine Überdosis eines Schmerz- oder Beruhigungsmittels, der übermäßigen Gabe eines Narkosemittels oder der Injektion von Kalium und ähnlichen Stoffen wird der Tod erzeugt. Es geht hierbei um eine Form der Tötung, die den Patienten langsam und ruhig einschlafen lässt. Falls der Wille der kranken Person nicht zu ermitteln ist, kann eine Patientenverfügung Aufschluss über seine Wünsche geben. Dabei ist in den Niederlanden nur ein Mediziner dazu befähigt, die aktive Sterbehilfe einzuleiten.

  • iStock/JanPietruszka

    In Deutschland ist die aktive Sterbehilfe gesetzlich verboten. Auch in den Niederlanden kann eine solche Handlung strafbar werden – nur, wenn die aktive Sterbehilfe durch einen Arzt unter Einhaltung gesetzlicher Sorgfaltskriterien geschieht, ist sie rechtmäßig. Weltweit ist diese Art der Beihilfe zum Tod neben den Niederlanden nur in Belgien, Luxemburg und im US-Bundesstaat Oregon erlaubt. In 90 Prozent der Fälle von aktiver Sterbehilfe passieren die lebensbeendenden Maßnahmen zu Hause im Kreise der Familie. Seit 2013 ist es in den Niederlanden auch erlaubt die Sterbehilfe bei todkranken Babys anzuwenden.

  • iStock/Bibiz1

    Gerade in Deutschland wird der Begriff der passiven Sterbehilfe oftmals kritisiert, da dieser in die Irre führen kann. Daher plädieren einige für die Verwendung des Wortes „Sterbenlassen“ um deutlich zu machen, worum es sich bei der passiven Beihilfe zum Tod handelt. Darunter verstanden wird das Unterlassen oder Abbrechen lebensverlängernder Maßnahmen. Werden beispielsweise Beatmungsgeräte abgestellt, ohne welche der Patient nicht leben kann, handelt es sich um eine passive Form der Sterbehilfe. Von der passiven Sterbehilfe abzugrenzen ist jedoch der assistierte Suizid durch einen Arzt, bei dem der Arzt dem Patienten ein Mittel zur Selbsttötung bereitstellt, welches der Suizident jedoch noch selbstständig zu sich nimmt.

  • imago/imagebroker

    Das Bereitstellen von tödlichen Medikamenten ist in Deutschland nicht strafbar. Jedoch kann es – je nach Fall – vorkommen, dass es zu einem Verstoß gegen das Arzneimittelgesetz kommt. Es gibt jedoch keine Gesetze, welche in Gänze den Sachbestand in Falle der passiven Sterbehilfe regeln. Oftmals herrscht bei einer solchen Tat noch ein weiteres Problem: Wer jemandem in einem solchen Beispiel bei Sterben „zusieht“ kann aufgrund unterlassener Hilfeleistung belangt werden. Da eine eindeutige Regelung fehlt, ist der Ausgang bei der passiven Sterbehilfe schwer einzuschätzen. Von der vordergründigen Straflosigkeit der Handlung, gibt es folglich umstrittene Ausnahmen.

  • imago/insadco

    Bei dieser Art der Beihilfe zum Tod wird die Lebensverkürzung todkranker Menschen in Kauf genommen. Das bedeutet, dass durch die gezielte Gabe von schmerzlindernden Medikamenten die damit verbundenen Nebenwirkungen, die zur Beschleunigung des Todes führen können, in Kauf genommen werden. Dabei geht es um die Leidenslinderung bei Schwerkranken. Die verabreichten Medikamente an sich haben – im Gegensatz zu denen, die in der aktiven Sterbehilfe eingesetzt werden – keine tötende Wirkung. In Krankenhäusern ist Morphin dabei ein gängiges Mittel, welches häufig im Endstadium bei Krebserkrankungen verabreicht wird. In der praktischen Medizin sollen solche Fälle jedoch in Deutschland sehr selten vorkommen, da oftmals die Patientenverfügung Aufschluss über das Verfahren mit dem Patienten gibt.

  • iStock/PeJo29

    Im Einzelnen können die Fälle der Sterbehilfe nur schlecht voneinander abgegrenzt werden. Somit stehen diese Handlungsweisen besonders in Deutschland oftmals im Spannungsfeld zwischen dem Gesetz und der Selbstbestimmung oder auch zwischen dem staatlichen Strafanspruch und den eigenen oder darin einbezogenen Rechtfertigungsgründen der beteiligten Personen. Um den Sachverhalt etwas deutlicher zu gestalten, wurde am 18. Juni 2009 im Deutschen Bundestag die Patientenverfügung beschlossen. 2010 wurde das Selbstbestimmungsrecht der Patienten nochmals gestärkt.

  • iStock/oguzdkn

    In einer solchen Patientenverfügung setzt der Patient selbst fest, wie die Ärzte im Falle einer starken Erkrankung oder eines Unfalls mit lebensverlängernden Maßnahmen umgehen sollen, falls er seinen eigenen Willen in der akuten Situation nicht mehr selbstständig äußern kann. Das Unterlassen medizinischer Eingriffe auf Grundlage einer Patientenverfügung stellt eine passive Form der Sterbehilfe dar. Das Missachten einer solchen Verfügung durch den behandelnden Arzt, erfüllt in Deutschland den Strafbestand der Körperverletzung. Da die Rechtslage in Deutschland jedoch immer noch Ungenauigkeiten birgt, scheuen sich viele Mediziner vor rechtlichen Folgen und helfen oftmals weiterhin, auch wenn der Tod unumkehrbar ist. Das Thema der Sterbehilfe steht oftmals in Konflikt mit der Religion, sodass besonders katholisch geprägte Länder gar keine Form der Sterbehilfe zulassen.

  • imago/CTK Photo

    In der Debatte um die Sterbehilfe gibt es verschiedene Meinungen. Im Lager der Befürworter geht es besonders um Selbstbestimmungsrechte, sowie die Würde des Menschen. Doch welcher Abgang entspricht der Würde des Menschen tatsächlich? Auf der anderen Seite kämpfen die Gegner der Beihilfe zum Tod und befürworten eher eine Verbesserung der Hospize und der Palliativmedizin in Deutschland. Damit verbunden sehen sie den menschenwürdigen Tod, der für die Gegner der Sterbehilfe darin besteht, einen todkranken Menschen bis zum Ende zu begleiten und ihm dabei Ängste und auch Schmerzen durch Medikamente und psychische Betreuung zu nehmen. Beide Seiten weisen logisch nachvollziehbare Argumente auf. 2014 unternahm Bundesgesundheitsminister Herman Gröhe (CDU) einen neuen Anlauf zur gesetzlichen Regelung der Beihilfe zur Selbsttötung. In Herbst dieses Jahres soll darüber entschieden werden.

  • imago/IPON

    Zwar existiert in Deutschland ein verfassungsmäßiger Schutz von Leben und Gesundheit, doch gibt es bereits seit 150 Jahren verschiedene Formen der Sterbehilfe. Die aktuelle Debatte im Bundestag möchte eine Neuregelung zum Thema schaffen. Doch die bisherigen Entwürfe, die von vier verschiedenen Gruppen vorgelegt wurden, unterscheiden sich drastisch und gehen auch über Parteigrenzen hinweg, da hierbei keine Fraktionsdisziplin herrscht. Einig sind sich die Gruppierungen jedoch in dem Punkt, dass es keine organisierte, gewerbsmäßige Sterbehilfe geben darf. Für den Vizepräsidenten des Bundestages, Peter Hintze (CDU), geht es in erster Linie um die zivilrechtliche Regelung des assistierten Suizids. Bisher war dieser nur im Strafrecht verankert. Problematisch hierbei ist jedoch das Standesrecht der verschiedenen Ärztekammern in den Bundesländern. Somit ist ein solcher Suizid in Bayern erlaubt und in Berlin verboten. Nach Hintze darf der Staat kein Vormund sein, sondern muss den Menschen ihr Selbstbestimmungsrecht einräumen. Der Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), Frank Ulrich Montgomery, spricht sich gegen eine solche Regelung aus. Im November 2015 soll die kontrovers geführte Debatte zu einem Ergebnis kommen.

Kaum ein Thema wird in der Politik so kontrovers diskutiert wie das der Sterbehilfe. Auch in gesellschaftlichen Debatten wirft es viele Fragen auf.

Abonniere unseren Newsletter

Schön, dass du uns gefunden hast. Du möchtest weitere Nachrichten aus der Welt der Wunder? Dann trag‘ dich hier ein:

Abonniere unseren Newsletter

Schön, dass du uns gefunden hast. Du möchtest weitere Nachrichten aus der Welt der Wunder? Dann trag‘ dich hier ein: