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Meilensteine der Polarforschung: Triumphe und Tragödien im ewigen Eis

Meilensteine der Polarforschung: Triumphe und Tragödien im ewigen Eis

Im Jahr 1911 erreichte Roald Amundsen als erster Mensch den Südpol. Arktis und Antarktis waren damals völlig unbekanntes Terrain und jeder, der in das ewige Eis vordrang, riskierte sein Leben. Ein schmaler Grat entschied, wer zum Held wurde und wer qualvoll sterben musste.
  • Roald Amundsen am Südpol

    imago/United Archives International

    Die Geschichte der Polarforschung ist noch jung. Es ist noch nicht lange her, da waren Arktis und Antarktis nahezu unbekanntes Terrain. Begriffe, die uns heute geläufig sind – die Nordwest- oder die Nordpassage etwa – waren damals Mythen; niemand wusste, ob sie überhaupt existieren. Temperaturen von minus siebzig Grad, frostige Stürme und gefährliches Packeis machten es Seefahren jahrhundertelang unmöglich, in die geheimnisvollen Regionen vorzudringen. Doch die tollkühnen Forscher ließen sich nicht abschrecken. Zu groß war die Verlockung, das zu erreichen, was noch niemand geschafft hatte, und als Held in die Heimat zurückzukehren. Doch Triumph und Tragödie lagen damals dicht beieinander: Während die einen in die Geschichte eingingen, ließen andere ihr Leben im ewigen Eis.

  • Wikingerschiff

    imago/Joana Kruse

    Wann die Geschichte der Polarforschung beginnt, lässt sich heute schwer sagen. Vermutlich sind es Wikinger, die vor etwa tausend Jahren erste Fahrten in den eisen Norden unternehmen. Die tollkühnen Seefahrer segeln aus purer Abenteuerlust in die unbekannten Gefilde, ohne Kompass oder andere Navigationsgeräte. Es ist pures Glück, dass Erik der Rote bei einer dieser Touren Grönland, sein Sohn Leif der Glückliche sogar Amerika entdeckt. Eine ehemalige Wikingersiedlung im Norden Labradors zeigt heute, wie weit die Nordmänner gekommen sind.

  • Venezianer Giovanni Caboto

    imago/Leemage

    Rund fünfhundert Jahre später grassiert noch immer das Entdeckerfieber – nun allerdings geht's ums Geld. Die europäischen Seefahrer suchen nach einem kürzeren Seeweg nach Asien, um den Handel vorantreiben zu können. Zahlreiche tollkühne Männer ziehen los, um ihr Glück zu versuchen. Der Venezianer Giovanni Caboto (Bild) wagt sich dabei auch in arktische Regionen vor: 1496, Kolumbus hatte gerade Amerika entdeckt, hofft er, eine nördlichere Route ins vermeintliche Asien zu finden. Dabei stößt er auf Neufundland und steuert sogar in Richtung Nordwestpassage. Weit kommt er jedoch nicht - von seiner Reise kehrt keines seiner Schiffe zurück.

  • Willem Barents Segelschiff

    imago/United Archives International

    Nicht nur eine mögliche Westroute nach Asien beschäftigt die Seefahrer damals. Auch eine östliche Route an der russischen Küste entlang wird diskutiert. Schließlich ist es der Niederländer Willem Barents, der die ersten Schritte durch die Nordostpassage unternimmt. 1594, also fast genau hundert Jahre nach Caboto, segelt er in den Arktischen Ozean (Bild) und entdeckt dabei Spitzbergen und das zu Russland gehörende Nowaja Semlja. Doch riesige Eismassen hindern ihn und seine Crew an einer Weiterfahrt. Notgedrungen müssen sie den Winter 1596 im arktischen Eis verbringen - mit als die ersten Europäer. Seinen Aufzeichnungen zufolge vertreibt sich Willem Barents die Zeit mit Golfspiel zwischen den Eisbergen. Doch das Frühjahr bringt das Eis nicht wie erhofft zum Schmelzen – Barents' Schiffe sitzen auch im Frühling des Jahres 1597 fest. Schließlich gibt die Mannschaft auf und macht sich mit kleinen Beibooten aus Holz auf den Weg zurück nach Lappland. Ausgezehrt nach dem anstrengenden Winter, überleben Barents und vier weitere Crewmitglieder diese Höllentour nicht.

  • Hudson-Bucht in Kanada

    imago/All Canada Photos

    Ein neuer Versuch: Der Engländer Henry Hudson macht sich zu Beginn des 17. Jahrhunderts auf denselben Weg wie Barents. Zunächst kommt er nicht weiter als sein Vorgänger - seine Besatzung weigert sich, östlich von Nowaja Semlja weiterzusegeln. Also macht sich der dickköpfige Hudson auf die Suche nach der Nordwestpassage. Er stößt etwas weiter südlich als Giovanni Caboto auf Land, entdeckt die nach ihm benannte Hudson-Bucht (Bild) in Kanada, um dann die Ostküste Amerikas bis zum heutigen New York und den ebenfalls nach ihm benannten Hudson-River zu erkunden. Auf dem Rückweg jedoch kommt es zu einer Tragödie: Die Nahrungsmittel in dem winzigen Schiff werden knapp, die Mannschaft meutert. Hudson, sein Sohn und weitere Mitglieder der Crew werden auf einem Holzboot inmitten der eisigen See ausgesetzt. Bis heute gelten sie als verschollen. Immerhin: Henry Hudson hinterlässt eine hervorragend gezeichnete Karte der amerikanischen Ostküste.

  • John Franklin

    imago/Leemage

    Zahlreiche weitere Seefahrer versuchen in den folgenden Jahrzehnten, die Nordwest- und die Nordostpassage zu entdecken. Sie haben keinen Erfolg – oder kehren gar nicht erst zurück. Auch den Engländer John Franklin (Bild) treibt der Mythos hinaus. Sarkastisch nennt er seine Schiffe "Terror" und "Erebus", nach dem griechischen Gott der Finsternis, und segelt 1845 nach Westen. Doch trotz hervorragender Ausrüstung können er und seine 129 Crewmitglieder den unwirtlichen Bedingungen im hohen Norden nicht standhalten. Die Umstände ihres Todes sind bis heute unklar: Skorbut, glauben manche, oder eine Bleivergiftung - andere wiederum schließen nicht aus, dass sich die Seeleute gegenseitig umbrachten und aufaßen. Letztlich ist es aber diese Tragödie, die neue Erkenntnisse über die Nordwestpassage bringt. Denn die zahlreichen Suchtrupps, die anschließend losgeschickt werden, bringen nicht nur umfangreiches Kartenmaterial zurück – sondern vor allem die Gewissheit, dass es die geheimnisumwitterte Nordwestpassage tatsächlich gibt. Zahlreiche Überbleibsel aus Franklins Expedition, beispielweise Aufzeichnungen, und einige Gräber werden gefunden.

  • Brite Robert McClure auf seiner Expedition

    imago/United Archives International

    Unter den Suchtrupps ist auch der Brite Robert McClure. Ausgerechnet bei der Suche nach dem verschollenen Franklin gelingt ihm das, was diesen das Leben gekostet hatte: die Durchquerung der Nordwestpassage. McClure versucht sein Glück von der anderen Seite: Von der Beringstraße aus gelingt es ihm, durch die Beaufortsee bis in den Melvillesund vorzudringen. Damit findet er das entscheidende fehlende Puzzleteil. Zwar hindert ihn das dichte Eis an einer Weiterfahrt, und McClure muss den Rest des Weges per Schlitten zurücklegen. Doch endlich, Ende des 19. Jahrhunderts, ist der Weg durch das höllische Wirrwarr aus Packeis, Inseln und halbzugefrorenen Seestraßen entdeckt. Das Bild zeigt eine Szene seiner Expedition, unerwartet trifft McClure auf einen Leutnant eines anderen Expeditionsschiffes.

  • Adolf Erik Nordenskiöld

    imago/United Archives

    Der erste, der die Nordostpassage knackt, ist der Finne Adolf Erik Nordenskiöld (Bild). 1878 sticht er im schwedischen Göteborg in See und umrundet den kompletten eurasischen Kontinent - eine Strecke von über 35.000 Kilometern. Nordenskiöld hat Glück: Die Wetterbedingungen sind gut und er kommt zügig vorwärts. Doch kurz vor dem Ziel wird sein Schiff "Vega" vom Packeis eingeschlossen. Einen Winter muss er in der Beringstraße verbringen, bevor er endlich Japan erreicht. Danach kehrt er als gefeierter Held nach Stockholm zurück.

  • Fridtjof Nansen

    imago/imagebroker

    Nachdem die Nordost- und Nordwestpassage durchquert sind, müssen neue Ziele her. Immer mehr Polarforscher träumen jetzt, im späten 19. Jahrhundert, davon, den Nordpol selbst zu erreichen. Einer von ihnen ist der Norweger Fridtjof Nansen. Der mutige Wissenschaftler hatte bereits 1888 auf Skiern Grönland durchquert – nun will er mehr. Doch wie sollte man die gigantischen Eismassen bezwingen? Nansen entwickelt einen abenteuerlichen Plan: Sein Schiff soll in Sibirien starten, vom Eis eingeschlossen und dann von Strömungen in Richtung Nordpol getrieben werden. Seine Kritiker lachen ihn aus, doch Nansen belehrt sie eines Besseren. 1896, nach drei Jahren im Eis, kehren er und seine Mannschaft wohlbehalten nach Norwegen zurück. Damit beweist er, dass es tatsächlich eine arktische Meeresströmung gibt. Nur den Nordpol verfehlt die Crew auf ihrer Reise.

  • Robert Peary

    imago/Leemage

    Ist er ein Held? Oder einfach nur ein guter Lügner? 1909 behauptet der Amerikaner Robert Peary (Bild), erstmals den Nordpol erreicht zu haben. Der Arktisfanatiker träumte Zeit seines Lebens davon, der erste Mann am nördlichsten Punkt der Erde zu sein. Immer wieder treibt es ihn in die eisigen Gefilde; er übersteht mehrere Winter in lebensfeindlicher Umgebung und studiert unter anderem das Leben der Inuit. Peary ist kein einfacher Mann, aber zäh: Acht Zehen verliert er im ewigen Eis. Er beweist, dass Grönland eine Insel ist. Dass er den Nordpol nicht erreicht, nagt an ihm. Von seiner letzten Expedition kehrt er strahlend zurück. Endlich, verkündet er, habe er es geschafft. Doch an seiner Geschichte kommen Zweifel auf. Seine Angaben stimmen nicht, in seinem sonst so akribischen Tagebuch findet sich nur ein nachträglich eingelegtes Blatt. Die USA feiern ihren Helden Peary – ob er tatsächlich der erste Mann auf dem Nordpol war, ist bis heute unklar. Erst aus dem Jahr 1969 ist eine Expedition unter Sir Wally Herbert zweifelsfrei dokumentiert.

  • Schiff Vostok

    imago/United Archives International

    Im 19. Jahrhundert werden die weißen Flecken auf der Weltkarte immer kleiner. Eine einzige große Unbekannte wartet noch am anderen Ende der Welt: der Südpol. 1773 hatte James Cook bereits den südlichen Polarkreis überschritten. 1819 folgt ihm der Deutschbalte Fabian Bellingshausen. Das Bild zeigt sein Schiff Vostok. In einer über zwei Jahre andauernden Expedition setzt er zum ersten Mal einen Fuß auf antarktischen Boden, umsegelt den kompletten Kontinent und entdeckt 29 neue Inseln. Bellingshausen folgen zahlreiche weitere Expeditionen, die den unbekannten Kontinent genauer unter die Lupe nehmen.

  • Foto von Shackletons Expedition

    imago/Mint Images

    Es ist eine Schmach – und doch wird er dafür zum Ritter geschlagen: Der Ire Ernest Shackleton nähert sich dem Südpol auf 180 Kilometer, muss dann jedoch erschöpft umkehren. Enttäuscht und hungrig nach neuen Eroberungen macht er sich wieder und wieder auf den Weg ins ewige Eis. Seine letzte Expedition allerdings geht als eine der unglaublichsten Abenteuer in die Geschichte ein. Alles beginnt damit, dass Shackletons Forschungsschiff "Endurance" im antarktischen Weddellmeer einfriert. Nach neuen Monaten ohne Steuerungsmöglichkeit wird es von den Eismassen zerquetscht. Shackleton und seine Besatzung retten sich auf das Eis und driften weitere fünf Monate bis an den Rand des Packeises. Shackleton lässt seine schwächeren Crewmitglieder auf einer unbewohnten Insel warten und schippert mit einem selbstgezimmerten Boot nach Südgeorgien – über eines der stürmischsten Meere der Welt. Doch die rettende Walfangstation, die er sucht, liegt an der Nordküste der Insel. So bleibt dem völlig erschöpften Shackleton nichts anderes übrig, als auch noch über die Gebirgskette zu marschieren. Noch nie hatte jemand versucht, das vergletscherte und raue Hochland der Insel zu überqueren. Shackleton gelingt auch diese Verzweiflungstat. Nach vier Monaten kann er schließlich seine Kameraden retten.

  • Schlittenhund

    imago/ZUMA Press

    1911 beginnt dann ein dramatischer Wettlauf. Der Norweger Roald Amundsen und der Brite Robert Falcon Scott starten fast gleichzeitig eine Expedition zum Südpol. Scott ahnt damals nichts von seinem Konkurrenten, denn Amundsen hält seine Pläne geheim. Mit demselben Schiff, der "Fram", mit dem schon Fridtjof Nansen das arktische Eis durchquert hatte, nimmt er drei Wochen vor Scott Kurs auf die Antarktis. Erst jetzt teilt er seiner Mannschaft und seinem Konkurrenten Scott sein Vorhaben mit. Nach neun Monaten im Basislager – Amundsen hält es vor Ungeduld kaum aus, muss aber auf geeignetes Wetter warten – geht es am 22. Oktober 1911 endlich Richtung Pol. Mit Hundeschlitten schlagen sich die Männer durch das schwierige Gelände, bis sie endlich, am 13. Dezember, das ersehnte Ziel erreichen. Mit einer norwegische Fahne, einem Zelt und einigen Utensilien markieren sie glücklich den Südpol. Als die Mannschaft 1912 nach Norwegen zurückkehrt, wird sie nicht nur gefeiert. Das eigenmächtige Vorgehen Amundsens stößt auch in seinem Heimatland auf viel Kritik.

  • Robert Falcon Scott

    imago/United Archives

    Den Wettlauf um den Südpol verliert er: Robert Falcon Scott erreicht den Südpol vier Wochen nach Amundsen. Schon von weitem zeigen ihm die Fahne und das Zelt, dass er zu spät kommt. Letztendlich überlebt keiner von Scotts Crew den Rückweg zum Basislager. Amundsen hatte mehr Erfahrung und die bessere Ausrüstung gehabt. Scott verwendete Motorschlitten, die der Kälte nicht standhielten, und hatte zu wenig Erfahrung im Umgang mit Hundeschlitten. Größtenteils zogen er und seine Crew die Schlitten selbst. So kamen sie viel langsamer vorwärts als ihre Konkurrenten. Auf dem Rückweg machten ihnen nicht nur die Erschöpfung und Enttäuschung, sondern ungewöhnlich kaltes Wetter zu schaffen. Für ihren Tod wurde auch Amundsen verantwortlich gemacht. Von Schuldgefühlen geplagt, brachte sich einer seiner Männer später um.

  • Arktisches Meer

    imago/ZUMA Press

    Nachdem sowohl der Nord- also auch der Südpol bezwungen sind, konzentrieren sich die Polarpioniere auf die Erkundung aus der Vogelperspektive. Bereits im Sommer 1897 hatte der schwedische Ingenieur Salomon Andrée einen waghalsigen Versuch gestartet, die Arktis aus der Luft zu betrachten: Von Spitzbergen aus wollte er den Nordpol in einem Gasballon überfliegen. Seine Mission misslang allerdings; der Ballon stürzte ab. Dreißig Jahre später fand man seine Tagebücher inklusive spektakulärer Fotos. Andrée und seine zwei Begleiter hatten, das offenbarten die Aufzeichnungen, nach Landung des Ballons noch mehrere Monate auf einer Eisscholle gelebt, bis sie dort schließlich den Tod fanden.

  • Richard Byrds Fokker-Maschine

    imago/Leemage

    Mit einer dreimotorigen Fokker-Maschine überfliegt schließlich der Amerikaner Richard Byrd den Nord- sowie den Südpol. 1926 und 1929 sind damit die letzten Ziele erreicht. Wieder einmal ist es allerdings Roald Amundsen, der Byrd das erstmalige Überfliegen des Nordpols streitig macht. Er unternimmt die gleiche Tour – nur wenige Tage nach Byrd fliegt er mit dem Italiener Umberto Nobile und dem Amerikaner Lincoln Ellsworth los. Und: Da Byrd das genaue Erreichen des Nordpols nicht belegen kann, geht die Auszeichnung letztlich an Amundsen.

  • Alfred Wegener-Institut

    imago/imagebroker

    Einige bedeutende Polarforscher stammen auch aus Deutschland – so zum Beispiel der Geowissenschaftler Alfred Wegener. Berühmt wird er durch seine Theorie der Kontinentalverschiebung, doch auch das ewige Eis fasziniert ihn. In den zwanziger Jahren erforscht er die unbekannte grönländische Nordostküste und installiert die erste Wettermessstation auf der Insel. Das nach ihm benannte, 1980 gegründete Alfred Wegener-Institut (Bild) in Bremerhaven beschäftigt sich bis heute mit Polar- und Meeresforschung.

Heute vor hundert Jahren erreichte Roald Amundsen als erster Mensch den Südpol. Arktis und Antarktis waren damals völlig unbekanntes Terrain – und jeder, der in das ewige Eis vordrang, riskierte sein Leben. Ein schmaler Grat entschied, wer zum Held wurde und wer qualvoll sterben musste.

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