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Hoppla, ein Meilenstein: Die berühmtesten Zufallsentdeckungen der Wissenschaft

Hoppla, ein Meilenstein: Die berühmtesten Zufallsentdeckungen der Wissenschaft

Nicht immer ist jahrelange Forschung notwendig, um eine bahnbrechende Erfindung zu machen. Im Gegenteil: Manch eine Errungenschaft entstand durch puren Zufall – sei es Penicillin, der Mikrowellenherd oder das Eis am Stiel. Welt der Wunder präsentiert die zehn kuriosesten Zufallsentdeckungen.
  • Eis am Stiel

    Imago/Chromorange

    Es gibt Erfindungen, die die Welt verändern. Die Entdeckung von Penicillin rettete Tausenden Menschen das Leben. Durch die Fotografie konnte unser Leben plötzlich eins zu eins auf Papier gebannt werden. Und die Röntgenstrahlung ermöglichte völlig neue Diagnosemethoden in der Medizin. Es gibt aber auch Erfindungen, die gar nicht so besonders erscheinen – und die trotzdem nicht mehr aus unserem Alltag wegzudenken sind. Kartoffelchips machen den Kinoabend perfekt, Eis am Stiel versüßt uns heiße Sommertage. Und dank Teflon brennt das Schnitzel in der Pfanne nicht mehr an. Eines haben alle diese Erfindungen gemeinsam: Sie entstanden durch Zufall. Ein schmutziges Büro, eine vergessene Bakterienkultur, ein vergesslicher Forscher – das sind oft die Zutaten für bahnbrechende neue Erkenntnisse.

  • Alexander Fleming

    Imago/ZUMA/Keystone

    Die Entdeckung von Penicillin ist die wohl berühmteste Zufallserfindung der Geschichte – denn sie markiert einen Wendepunkt in der modernen Medizin. 1928 forscht der schottische Bakteriologe Alexander Fleming in einem Londoner Krankenhaus über Staphylokokken. Die Sommerferien stehen an, und mit dem Gedanken an den bevorstehenden Urlaub vergisst der zerstreute Wissenschaftler seine Bakterienkultur. Als er zurückkehrt, ist von dem Experiment nicht mehr viel übrig: Ein Schimmelpilz hat sich über die Petrischale ausgebreitet.

  • Petrischale mit Bakterien

    Imago/United Archives International

    Fleming aber schmeißt die Schalen nicht in den Müll, sondern staunt: Wie ist es möglich, dass der Pilz die sonst so hartnäckigen Bakterien abtötet? Er untersucht den Pilz, den er Penicillin nennt, weiter und stellt fest, dass er nicht nur Staphylokokken sondern auch Streptokokken und Pneumokokken vernichtet – nicht aber weiße Blutkörperchen oder menschliche Zellen. Trotz seiner bahnbrechenden Erkenntnisse wird Penicillin aber erst mehr als zehn Jahre später als Medikament eingesetzt, vor allem für verwundete Soldaten. Nach dem Zweiten Weltkrieg erhalten Fleming sowie die beiden Forscher Howard W. Florey und Ernst B. Chain, die den Pilz erstmals als Medikament einsetzen, den Nobelpreis für Medizin.

  • Packung Viagra

    Imago/Sven Simon

    Fast jeder zweite Mann über vierzig, so schätzen Studien, leidet an Erektionsstörungen. Für die Betroffenen ist das meist eine große Belastung, denn es fehlen nur die Kräfte - an Lust oder dem Willen mangelt es nicht. Heute lässt sich das Problem in vielen Fällen medikamentös lösen: Viagra, das 1998 auf den Markt kommt, hilft in etwa siebzig Prozent aller Fälle gegen die erektile Dysfunktion.

  • Packung Viagra

    Imago/Sven Simon

    Dass das Mittel einen so durchschlagenden Erfolg haben würde, hätte kaum jemand geahnt. Denn ursprünglich soll der Wirkstoff Sildenafil, der in Viagra enthalten ist, bei Bluthochdruck und Angina helfen. Doch die Medikamententests zeigen: Sildenafil fördert vor allem die Durchblutung im Genitalbereich. Die unverhoffte Nebenwirkung löst wahre Begeisterungsstürme bei den Probanden aus – und die Zufallsentdeckung wird zum Verkaufsschlager.

  • Mikrowelle

    Imago/ZUMA Press

    Tüfteln, immer neue Dinge erfinden – das ist die große Leidenschaft des US-Amerikaners Percy Spencer. Im Laufe seines Lebens meldet der Ingenieur 300 Patente an. Fast alles, was er weiß, hat er sich selbst beigebracht. Die größte Erfindung seines Lebens jedoch macht auch er in den Vierzigerjahren durch Zufall. Zu dieser Zeit arbeitet Spencer bei einer Firma für Hochfrequenztechnik und bastelt an Generatoren für Radaranlagen. Eines Tages spürt er dabei eine merkwürdige Veränderung in seiner Hosentasche. Spencer sieht nach und stellt fest, dass sein Schokoriegel in der Tasche geschmolzen ist. Nach kurzer Verwunderung wird ihm klar, dass die Mikrowellen der Radaranlagen, mit denen er arbeitet, Wärme absondern und dass sich damit Lebensmittel erhitzen lassen.

  • Mikrowelle

    Imago/Paul von Stroheim

    Bald darauf entwirft er den Prototyp eines Mikrowellenherds – der noch groß ist wie ein Schrank und 340 Kilo wiegt. Die Geschichte des Percy Spencer zeigt, wie wichtig es in der Forschung sein kann, das Augenmerk auf scheinbar unwichtige Details zu richten. Denn schon vor ihm hatten andere Wissenschaftler eine ähnliche Wirkung von Mikrowellen beschrieben – keiner von ihnen allerdings hatte das wirtschaftliche Potenzial erkannt.

  • Mit Teflon beschichtete Pfannen

    Imago/Jochen Tack

    Teflon ist ein besonders hitzebeständiges Material, das zum Beispiel für die Beschichtung von Bratpfannen benutzt wird. Hartnäckig hält sich das Gerücht, es sei bei der Entwicklung neuer Materialien für die Raumfahrt entdeckt worden. Tatsächlich aber wird Teflon bereits 1938, zu einer Zeit, als die Raumfahrt noch in den Kinderschuhen steckt, von dem US-amerikanischen Chemiker Roy Plunkett erfunden – und zwar durch einen kuriosen Zufall …

  • Reagenzglas

    Imago/Westend61

    Plunkett versucht damals, ein geeignetes Kältemittel für Kühlschränke zu entwickeln. Zu dieser Zeit zirkulieren noch zum Teil giftige oder hochexplosive Stoffe wie Ethylen, Ammoniak und Schwefeldioxid durch die Geräte, die, wenn der Kühlschrank ein Leck hat, lebensgefährlich sind. Forscher versuchen deshalb herauszufinden, ob sich nicht eine andere, ungefährlichere Substanz als Kältemittel eignen könnte. Plunkett experimentiert dazu mit Tetrafluorethylen. Eines Morgens jedoch kommt kein Gas mehr aus einer seiner Flaschen. Doch sie ist nicht leer, beim Aufschrauben zeigt sich, dass sich an den Innenwänden und am Boden kleine Krümel befinden. Offenbar wurde das Gas durch die kalte Lagerung polymerisiert. Plunkett ist frustriert – das teure Gas ist dahin, und mit dem merkwürdigen Material ist nichts anfangen, es reagiert auf nichts, was er mit ihm anstellt. Erst viele Jahre später entdeckt man, dass genau diese Eigenschaft das eigentliche Potenzial des Materials beinhaltet – und Teflon ist geboren.

  • Seidenraupen-Kokons

    Imago/blickwinkel

    Die chinesische Kaiserin Si-Ling-Chi sitzt um 2640 v. Chr. in ihrem Garten und nimmt unter einem Maulbeerbaum eine Tasse Tee zu sich. Plötzlich fällt etwas vom Baum auf sie herab: der Kokon einer Seidenspinnerraupe. Beim Versuch, den fremden Gegenstand zu entfernen, hält Si-Ling-Chi plötzlich einen Knäuel schimmernder Fasern in ihren Händen – und ihr kommt die Idee, das feine Gespinst zu Stoff zu verarbeiten. Es ist der Beginn der Seidenindustrie.

  • Dorfbewohner sammeln Seidenraupen-Kokons

    Imago/Xinhua

    So geht die bekannteste der vielen Legenden über die Erfindung der Seide. Und über viele Jahrhunderte hinweg hüten die Chinesen das Geheimnis der Herstellung streng: Nur fertige Stoffe dürfen über die Seidenstraße ins Abendland gelangen. Wer es wagt, die Eier oder Raupen des Seidenspinners außer Landes zu bringen, dem droht die Todesstrafe. Erst im sechsten Jahrhundert nach Christus lüften die Bewohner der westlichen Welt das Geheimnis der Seidenproduktion. Zwei Mönche, gesendet vom byzantinischen Kaiser Justitian, schmuggeln die notwendigen Utensilien außer Landes. In ihren Bambusstöcken – Kennzeichen ihres Pilgerstatus' – verbergen sie die Raupeneier und Maulbeersamen. Mit Erfolg: Noch heute stammen sämtliche europäischen Seidenspinnerraupen von der verbotenen Fracht ab, die die beiden Mönche ins oströmische Reich bringen.

  • Eis am Stiel

    Imago/Westend61

    Es ist eine besonders kalte Nacht in San Francisco, im Winter 1905. Das Thermometer zeigt Minusgrade – ungewöhnlich für Kalifornien. Der elfjährige Frank Epperson verzieht sich ins Haus und vergisst seine Brause mitsamt Löffel draußen auf der Veranda. Am nächsten Morgen ist sein Getränk gefroren. Doch der kleine Junge hat eine findige Idee: Am Löffel zieht er den eiskalten Brauseklumpen aus dem Becher heraus: Das Stieleis ist erfunden. Aus dem Kinderspaß wird 18 Jahre später Ernst: Epperson, der inzwischen Limonade produziert, lässt sich seine Idee patentieren. Gerade noch rechtzeitig, denn im selben Jahr meldet sein Landsmann Harry Bust ebenfalls ein Patent an – für gefrorenes Vanilleeis mit Schokoladenüberzug, auch an einem Stiel. In Erinnerung an Eppersons Erfindung wird Wasserstieleis in den USA aber immer noch "Popsicle" genannt, kurz von "Eppsicle Ice Pop".

  • Kartoffelchips

    Imago/Westend61

    Neuengland im Jahr 1853: Der Koch George Crum ist genervt. Immer und immer wieder lässt ein Gast seine Bratkartoffeln in die Küche des Hotels Moon Lake Lodge im US-amerikanischen Saratoga Springs zurückgehen: Sie seien nicht dünn genug. Crum platzt der Kragen. Er nimmt ein paar Kartoffeln, schneidet sie sie hauchdünn und brät sie so lange im Fett, bis sie mit der Gabel nicht mehr aufzuspießen sind. Das, so glaubt er, würde dem ewigen Nörgler seine Beschwerdewut austreiben. Zu seiner Überraschung ist der Gast begeistert – und er bleibt nicht der einzige. Crums "Saragota Chips" werden bald zum Verkaufshit in ganz Neuengland. So oder so ähnlich erzählt man sich heute die Entstehung der Kartoffelchips. Ihren Siegeszug treten sie allerdings erst einige Jahre später an – als die Kartoffelschälmaschine erfunden ist und Geschmacksverstärker hinzugefügt werden.

  • Alter Fotoapparat

    Imago/McPHOTO

    Die Geschichte der Fotografie – von der ersten Camera Obscura bis zur modernen Digitalfotografie – erstreckt sich über mehr als tausend Jahre. Zahlreiche Forscher liefern ihren Beitrag dazu, selbst Leonardo da Vinci tüftelt an einer Lochkamera herum. Ein Thema jedoch beschäftigt die Erfinder im 19. Jahrhundert besonders: Gibt es eine Möglichkeit, die erzeugten Bilder haltbar zu machen? Alles, was sie bislang auf Papier bannen, verblasst nach kurzer Zeit wieder. Dem Franzosen Nicéphore Nièpce gelingt zwar ein erstes dauerhaftes Bild, aber nur nach achtstündiger Belichtungszeit. Kein Mensch und kein Tier würden so lange stillhalten.

  • Nicéphore Nièpce und Louis Daguerre

    Imago/Leemage

    Nicéphore Nièpce tut sich mit seinem Landsmann Louis Daguerre zusammen – und dem gelingt 1837 durch Zufall der Durchbruch. Daguerre belichtet gerade eine Jodsilberplatte, als das Wetter umschlägt und er seinen Versuch abbrechen muss. Er packt alle Utensilien in seinen Chemikalienschrank. Doch als er sie später wieder hervorholen will, staunt er: Auf der Jodsilberplatte ist ein Bild zu sehen! Daguerre versucht herauszufinden, welche Chemikalien in seinem Schrank miteinander reagiert haben könnten – und entdeckt schließlich, dass die Dämpfe von verschüttetem Quecksilber das Bild fixiert haben. Mit diesem Verfahren, der nach ihm benannten Daguerreotypie, kann er Fotos mit wenigen Minuten Belichtungszeit machen. Auch wenn sie damals als Riesenerfolg und als Grundstein der Fotografie gefeiert wird – auf Dauer kann sich die Daguerreotypie nicht durchsetzen. Der englische Wissenschaftler Henry Fox Talbot entwickelt damals nur wenige Jahre später das Negativ-Positiv-Verfahren, das wir heute noch kennen.

  • Chocolate Chip Cookies

    Imago/Westend61

    Chocolate Chip Cookies sind in den USA schon seit Jahrzehnten populär. Dabei entstanden die Cookies durch Zufall – das Rezept war ursprünglich ganz anders geplant. In den Dreißigerjahren betreibt Ruth Graves Wakefield ein Restaurant im US-Bundesstaat Massachusetts. Sie ist berühmt für ihre hausgemachten Köstlichkeiten. Eines Tages geht ihr die Kochschokolade für ihre beliebten Schokokekse aus. Sie nimmt stattdessen halbsüße Schokolade, im Glauben, diese würde beim Backen genauso schmelzen. Doch die Schokostückchen bleiben fest – und der Chocolate Chip Cookie ist geboren. Wakefield veröffentlicht ein Kochbuch, das unter anderem eine Anleitung für die ungewöhnlichen Kekse enthält, und verkauft das Rezept später an Nestlé. Der Preis: Eine Versorgung mit Chocolate Chip Cookies auf Lebenszeit.

  • Conrad Röntgen

    Imago/Leemage

    Heute herrscht in vielen Labors eine klinisch reine Atmosphäre. Doch oft bringen gerade der Schmutz, die kleinen Fehler oder die Zerstreuung des Wissenschaftlers die erstaunlichsten Erkenntnisse. So auch bei der Entdeckung der Röntgenstrahlung, die ihrem Entwickler später den Nobelpreis einbringt. Im Jahr 1895 arbeitet der Physiker Wilhelm Conrad Röntgen mit Entladungsröhren - speziellen Glaskolben, in denen er Spannung erzeugt. Dabei entsteht ein blaues Licht. Zu dieser Zeit ist noch unklar, wie dieses Licht zustande kommt. Röntgen bemerkt aber, dass das Licht einige Kristallkrümel, die zufällig in seiner Werkstatt herumliegen, zum Leuchten bringt. Daraufhin verhüllt er die Entladungsröhre komplett mit schwarzer Pappe, kein Schimmer kann nun mehr nach außen dringen. Doch als jetzt Spannung durch den Kolben jagt, beginnen die Krümel erneut zu leuchten. Offenbar, so folgert er, gibt es eine bisher unbekannte Strahlung, die durch die Röhre dringt. Bald findet er heraus, dass man mit seiner Entdeckung verborgene Dinge sichtbar machen kann - selbst die Knochen im Körper. Er wird dafür mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet und ihm zu Ehren werden die neuen Strahlen, die er noch "X-Strahlen" nannte, in "Röntgenstrahlen" umgetauft.

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