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Geheimnisvolle Antarktis: Die Weltwunder der Kälte

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Geheimnisvolle Antarktis: Die Weltwunder der Kälte

Kein Kontinent der Welt birgt noch so viele Geheimnisse wie die Antarktis. Noch immer sind weite Teile der bizarren Welt aus Schnee und Eis unerforscht. Doch auf dem unwirtlichen Kontinent gibt es spektakuläre Naturphänomene und wimmelndes Leben – selbst unter dem Eis.
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Aus der Luft betrachtet wirkt er nicht gerade auffällig - doch der Wostok-See ist eines der spektakulärsten Naturwunder der Antarktis. Nicht nur seine Ausmaße sind enorm – er ist 270 Kilometer lang und 50 Kilometer breit und damit der siebtgrößte See der Erde. Er liegt auch noch vier Kilometer tief unter der Erdoberfläche. Nur aufgrund des hohen Drucks in der Tiefe ist der Wostok-See nicht zugefroren. Bei seiner Entdeckung im Jahr 1974 konnten die Forscher kaum glauben, dass unter dem dicken Eispanzer der Antarktis tatsächlich ein See begraben liegt.

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Das unbekannte Gewässer war Jahrmillionen von allen äußeren Umweltfaktoren abgeschnitten. Man rätselte: Gab es darin noch Leben? Inzwischen ist es Wissenschaftlern gelungen, mit einem Bohrkern zum Wostok-See vorzudringen - sehr vorsichtig, denn keinesfalls darf das unterirdische Ökosystem aus dem Gleichgewicht gebracht oder gar kontaminiert werden. Und sie fanden: das Erbgut von mehr als tausend verschiedenen Organismen. Der abgeschiedene Wostok-See ist tatsächlich ein kleines Biotop - in einer eisigen Parallelwelt.

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Ganz Antarktika ist von Eis und Schnee bedeckt. Ganz Antarktika? Nein! Tatsächlich gibt es auf dem Kontinent einige kleine, komplett eisfreie Gebiete – so genannte Antarktische Oasen. Dazu zählen etwa die Antarktischen Trockentäler. Bergmassive halten Gletscher von ihnen fern, und der Boden wird warum genug, um den Schnee schmelzen zu lassen. Das berühmteste Trockental ist das Wright Valley: Hier wurden sogar schon einmal 15 Grad Celsius gemessen. Es gilt als trockenste Region der Erde. Die letzten Niederschläge, so vermutet man, fielen hier vor vielen Millionen Jahren.

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Mit dem Bikini in die Antarktis? Auch das geht: Auf Deception Island, einer Vulkaninsel vor dem antarktischen Festland, lässt es sich trotz unwirtlicher Temperaturen gemütlich baden. Denn: Hier gibt es, als einzig bisher bekanntem Ort auf dem Kontinent, Thermalquellen, aus denen angenehm warmes Wasser emporsprudelt.

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Mit einem Salzgehalt von über 40 Prozent stellt der Don-Juan-See das Tote Meer locker in den Schatten. Auch wenn man im Nahen Osten bereits mit einer Zeitung auf dem Wasser herumtreiben kann, so gilt sein Bruder in der Antarktis als der salzigste See der Erde. Unglaublich: Durch den hohen Salzgehalt bleibt das Wasser trotz Temperaturen von minus dreißig Grad Celsius immer noch flüssig.

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Fast die Hälfte der antarktischen Küste besteht aus so genanntem Schelfeis. Dieses Eis liegt nicht auf festem Grund, sondern schwimmt auf dem Meer, wobei es aber mit dem Land fest verbunden ist. Immer wieder brechen große Stücke ab und bilden gigantische, erstaunlich flache und ebene Eisberge. Diesen Vorgang nennen Wissenschaftler „kalben“. Die dabei entstehenden Tafeleisberge sind typisch für die Antarktis.

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Die Vielfalt der Eisberge in der Antarktis kennt keine Grenzen. Wie schwimmende Kunstwerke erscheinen die immer neuen Eisskulpturen, die die Natur hier erschafft. Die meisten sind weiß, viele erscheinen aber auch blau oder grünlich. Warum das so ist, wissen Forscher bis heute nicht.

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Kontinent aus Feuer und Eis: In der Antarktis gibt es zahlreiche Vulkane. Als südlichster aktiver Vulkan der Erde gilt Mount Erebus, der 3.794 Meter in die Höhe ragt. Ein Blick vom Weltall aus zeigt deutlich den aktiven Lavasee in seinem Inneren - ein Schauspiel, das nur bei fünf anderen Vulkanen der Welt zu beobachten ist. Jeden Tag kommt es hier zu kleineren Ausbrüchen.

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An vielen Stellen tritt heißer Dampf aus dem Inneren des Mount Erebus, so genannte Fumarolen. Bei Temperaturen von minus fünfzig Grad Celsius kühlen diese jedoch rasend schnell ab und gefrieren. So entstehen bizarre meterhohe Türme und Eistunnel rund um die Gasaustrittsstellen auf dem Berg - ein unheimliches Labyrinth im ewigen Eis.

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Doch auf an der Erdoberfläche der Antarktis gibt es Seen. Der Fryxellsee beispielsweise, ganzjährig zugefroren, fasziniert durch seine leuchtend blaue, fast glasklare Oberfläche. Er ist rund viereinhalb Kilometer lang und wurde Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts entdeckt.

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Die Antarktis hält gleich mehrere Weltrekorde. Auch der größte Gletscher der Erde befindet sich hier: Der Lambert-Gletscher ist sagenhafte 420 Kilometer lang und bis zu 130 Meter breit. Acht Prozent des antarktischen Eises schiebt er Richtung Meer. Zum Vergleich: Der Große Aletschgletscher, der größte Gletscher der Alpen, ist gerade einmal 23 Kilometer lang.

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Was wir als „Nordlicht“ kennen, heißt in der Antarktis „Aurora Australis“ – Südlicht. Diese spektakulären Lichtspiele, die das Firmament in bunten Farben strahlen lassen, sind nirgendwo besser zu beobachten als in den polaren Regionen. Die Ursache dafür sind Sonnenwinde, die auf die Atmosphäre prallen: Die elektrisch aufgeladenen Teilchen werden vom Magnetfeld der Erde zu den Polen abgeleitet, wo sie senkrecht niedergehen. Dabei bringen sie die Luftmoleküle zum Leuchten.

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Das etwa 1.610.000 Quadratkilometer große Marie-Byrd-Land in der Antarktis gilt als das größte staatenlose Gebiet der Erde. Verborgen unter Schnee und Eis liegen hier mehr Vulkane als irgendwo sonst auf der Welt. Der größte von ihnen ist der Mount Sidley - er ragt 4.181 Meter in die Höhe.

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Auf diesem Berg geht die Sonne nicht mehr unter: Mit 4.892 Metern ist der Mount Vinson der höchste Berg der Antarktis, und zwischen November und Januar scheint hier 24 Stunden am Tag die Sonne. Als einer von den "Seven Summits", den höchsten Bergen der Erdkontinente, zieht er Bergsteiger magisch in seinen Bann. Doch eine Besteigung ist äußerst knifflig: Mount Vinson liegt nur 1.200 Meter vom Südpol entfernt, Stürme und Kälte machen einen Aufstieg zu einem lebensgefährlichen Unterfangen.

Mit einer Fläche von 14 Millionen Quadratkilometern ist die Antarktis größer als Australien – und ein Kontinent der Superlative. Hier gibt es Temperaturen von minus neunzig Grad, die kältesten Werte der Erde, und auch die Stürme sind nirgendwo sonst auf der Welt heftiger. Manche Orkane erreichen Spitzengeschwindigkeiten von mehr als 330 Stundenkilometer. Neunzig Prozent des irdischen Eises befinden sich auf diesem unwirtlichen Kontinent, und niemand kann mit Sicherheit sagen, was es darunter noch alles zu entdecken gibt.

Als die Antarktis noch grün war …

Doch die Antarktis war nicht immer so ein lebensfeindlicher Ort. Erst vor ungefähr 34 Millionen Jahren begann die Vereisung. Davor war sie ein grüner Kontinent mit Pflanzen und Tieren, wie etliche Fossilienfunde zeigen. Es gab ausgedehnte Wälder, auch Dinosaurier lebten hier. Bis heute liegen noch etwa siebzig Seen unter der Eisdecke verborgen. Lange fehlte die Technik, um herauszufinden, welches Leben noch in ihnen herrscht. Doch inzwischen wissen Forscher: Der Artenreichtum in diesen unterirdischen Seen ist weit größer als bislang gedacht. Neben Bakterien gibt es sogar Hinweise auf Krebse oder sogar Fische.

Vertrag sichert die friedliche Nutzung

Bis heute ist die Antarktis der geheimnisvollste alle Kontinente. Noch im neunzehnten Jahrhundert wusste niemand, ob das Land im Süden der Erde überhaupt existiert. Erst 1820 setzte der Robbenjäger John Davies als erster Mensch einen Fuß auf das Festland.

Seitdem kommen vor allem Forscher und Abenteurer in das ewige Eis. Und obwohl die Antarktis reich an Bodenschätzen wie Eisenerz, Chrom oder Platin ist, wird nichts davon abgebaut, denn seit 1959 ist der Antarktisvertrag in Kraft. Er schreibt eine friedliche und internationale Nutzung des Kontinents vor. Außerdem bleibt die antarktische Landschaft so von der Industrie und dem Massentourismus verschont.

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