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Faszination Fußball - Wie ein Sport die Welt erobert hat

Foto: Envato / LightFieldStudios

Faszination Fußball – Wie ein Sport die Welt erobert hat

Die Weltmeisterschaft in Katar hat begonnen. Die Spieler sind mittlerweile so berühmt wie Popstars. Um auf den Fußballolymp zu gelangen, bedarf es einer perfekten Technik – und viel harten Trainings.

Bei der Fußball-WM in Katar beginnt wieder das Schaulaufen der Stars. Viele Teenager träumen von Karrieren a la Manuel Neuer, Thomas Müller & Co. Talentiert müssen die künftigen Fußballprofis natürlich sein, aber auch hart trainieren: für perfekte Schusstechnik und körperliche Fitness.

Die Ursprünge des Fußballspiels liegen in Mittel- und Südamerika. Bereits seit etwa 3.500 Jahren zelebrierten die Maya und später die Azteken kultische Ballspiele. Über die damaligen Regeln ist nur wenig bekannt. Die Mannschaften benutzten einen Kautschukball, den sie mit Schultern, Ellenbogen und Hüften vorantrieben. Nach dem Spiel wurde vermutlich eine der beiden Mannschaften den Göttern geopfert – ein Brauch, dem auch heute die Fans so manches geschlagenen Fußballteams nicht abgeneigt wären.

Jeder Schuss ein Treffer

Wer perfekt schießt, erzielt auch die meisten Tore. Beteiligt ist daran der ganze Körper, besonders aber das Spielbein. Der Oberschenkel wird zunächst beschleunigt und dann abgebremst, so dass der Unterschenkel umso schneller nach vorne kommt. Auf diese Weise können Fußballer sehr hohe Schussgeschwindigkeiten erreichen – etwa 130 bis 140 Kilometer pro Stunde.

Je nach Spielsituation und taktischer Überlegung setzen Fußballspieler beim Schuss die Innenseite, den Innen-, Außen- oder Vollspann des Fußes ein. Nur in Sonderfällen wird der Ball mit der Sohle, der Fußspitze oder Hacke gespielt.

Präzises Kurzpassspiel mit dem Innenseitstoß

Häufig wenden Fußballer den Innenseitstoß an – der Ball kann so über kurze Entfernungen sehr präzise gespielt werden. Selbst auf unebenen und holprigen Plätzen ermöglicht der Innenseitstoß noch genaue Pässe. Die Nachteile: Der Schuss ist nicht besonders hart, außerdem kann der Gegner die beabsichtigte Schussrichtung früh erkennen, da das Spielbein nach außen gedreht wird.

Wie der Name schon sagt, wird der Ball mit der Innenseite des Fußes gestoßen, das heißt, mit der Fläche, die zwischen Fersenbein, Innenknöchel und Großzehengelenk liegt. Charakteristisch für die Ausholbewegung des Spielbeins ist dessen Außendrehung. Sie ermöglicht ein Treffen des Balles mit dem quer gestellten Fuß, dessen Spitze ein wenig angehoben wird.

Mit Effet um die Ecke schießen

Im Gegensatz zum Innenseitstoß nutzen Fußballer den Innenspannstoß für Spielzüge über größere Entfernungen. Flanken von außen, Diagonalpässe und auch Eckstöße werden überwiegend mit dieser Technik ausgeführt. Mit dem Innenspannstoß können Profis dem Ball Effet verleihen, das heißt, der Ball dreht sich in eine Kurve und kann so regelrecht um die Ecke fliegen – ein sehr beliebtes Manöver bei Freistößen, um die Abwehrmauer zu überwinden.

Beim Innenspannstoß bewegt sich der Spieler nicht gerade, sondern schräg auf den Ball zu. Der Oberkörper wird leicht in die dem Spielbein entgegengesetzte Richtung geneigt. Das Standbein setzt neben dem Ball auf, die Fußspitze zeigt in Schussrichtung. Beim Ausholen beugt sich im Spielbein das Kniegelenk und das Hüftgelenk dreht sich nach außen. Der Beschleunigungsweg des Fußes wird damit sehr lang – und der Ball unter Umständen sehr schnell.

Wie einst der Kaiser

Franz Beckenbauer, der als Kapitän die Deutsche Nationalmannschaft 1974 zum Weltmeistertitel führte, perfektionierte die Technik des Außenspannstoßes. Mit dieser Schusstechnik können Fußballspieler ihre Gegner wunderbar überraschen: Denn der Ball wird „ansatzlos“ gespielt, das heißt, die Ausholbewegung ist nicht frühzeitig zu erkennen. Wie bei Innenseit- und Innenspannstoß setzt das Standbein neben dem Ball auf. Soll der Ball „Effet“, also Drall bekommen, muss er außerhalb der Ballmitte getroffen werden.

Vollspann ins Tor

Die meisten Tore werden mit dem Vollspannstoß erzielt. Dazu ist der Ball zentral im Bereich der Mittelfußknochen zu treffen – diese Knochen können die Kraft gut übertragen. Doch der Vollspann ist für viele Fußballer eine Herausforderung. Denn erstens müssen sie den Ball ganz exakt in der Mitte treffen und zweitens muss die Fußspitze extrem bodenwärts gestreckt werden. Geübte Spieler sind jedoch in der Lage, den Vollspannstoß auch mit „Effet“ auszuführen. Dabei dreht sich der Ball, zum Beispiel bei einem Volleyschuss oder Dropkick, um seine Querachse und senkt sich im abfallenden Teil der Flugkurve überraschend schnell.

Die faulen Helden von Bern

Wer auf dem Platz erfolgreich sein will, sollte nicht nur die verschiedenen Schusstechniken perfekt beherrschen, sondern auch die richtigen körperlichen Voraussetzungen mitbringen. Gerade Stürmer müssen blitzschnell antreten können, um die gegnerische Abwehr zu überlaufen. Profis erreichen auf kurzen Strecken bis zu 30 Kilometer pro Stunde – was dem Tempo eines flotten Radfahrers entspricht.

Um ihre Schnellkraft zu trainieren, führen Fußballspieler beim Training immer wieder Sprints durch. Forschungen von Sportwissenschaftlern an der Sporthochschule Köln haben aber auch gezeigt, dass gezieltes Sprungkrafttraining die Schnelligkeit der Fußballer erheblich verbessert.

Die Fußballer werden zu Langstreckenläufern

Auch Ausdauer ist immer stärker gefragt: Die Anforderungen an die Kondition der Spieler haben über die Jahrzehnte hinweg stark zugenommen. Bei der Weltmeisterschaft 1954, gekrönt vom legendären „Wunder von Bern“, legten die Fußballer etwa drei Kilometer pro Spiel zurück. In den 70er Jahren waren es bereits mehr als sechs Kilometer. 1985 liefen die Spieler durchschnittlich schon zehn Kilometer pro Spiel – Tendenz weiterhin steigend.

Schnell und ausdauernd zugleich

Profifußballer sollten also beides sein: schnell und ausdauernd. Voraussetzung dafür ist eine entsprechende Muskulatur. Der menschliche Körper verfügt über „schnelle“ und „langsame“ Muskelfasern. Die „schnellen“ werden als „weiße Muskeln“ bezeichnet – sie ziehen sich sehr rasch zusammen und sind bei schnellen Bewegungen, etwa bei Sprints, entscheidend.

Die „langsamen“ Fasern gelten als „rote Muskeln“, weil stark mit Sauerstoff angereichert. Sie sind für die Ausdauerbelastung zuständig. Wie die beiden Muskelarten im Körper verteilt sind, ist genetisch bedingt. Aber durch gezieltes Training, vor allem der Schnellkraft, kann das Verhältnis zwischen schneller und langsamer Muskulatur optimiert werden.

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