Wintersport

Frau Holles irdische Gehilfen: Wie entsteht technischer Schnee?

Sie stehen in fast jedem Skigebiet wie Wächter am Pistenrand und sorgen vom ersten bis zum letzten Tag der Saison für schneeweißes Skivergnügen: Anlagen zur technischen Beschneiung. Doch wie entsteht technischer Schnee – umgangssprachlich als Kunstschnee bezeichnet – eigentlich? Welche Rahmenbedingungen müssen gegeben sein und wie viel Arbeit steckt dahinter?

© Skilifte_Warth

Technischer Schnee ist vor allem unter dem Begriff Kunstschnee bekannt. Doch künstlich ist daran eigentlich nichts, denn für die Produktion von technischem Schnee dürfen in Europa keinerlei chemische oder künstliche Zusätze verwendet werden. Alles was man für die Herstellung braucht ist Wasser und Luft. Das Wasser wird dabei unter Druck zerstäubt und in die Luft geschleudert. Während des Fallens in Richtung Boden gefrieren die Wassertröpfchen und es bilden sich Schneekristalle. Dies kann auf zwei Arten geschehen: Bei der Schneeerzeugung mit Niedrigdruck wird das Wasser durch feine Düsen gepresst und verstäubt. Der erzeugte Wasserdampf wird anschließend durch einen Propeller beschleunigt und gefriert in der kalten Luft zu Kristallen. Dies ist die bekannteste  – und mit Hilfe von Schneekanonen am häufigsten eingesetzte ­– Methode zur technischen Schneeproduktion. Bei der Hochdruck-Technik wird Wasser mit Druckluft in Mischkammern zerstäubt, die Druckluft mit dem enthaltenen Wasserdampf über Rohrleitungen zur Piste geleitet und dort über sogenannte Schneilanzen ausgeworfen. 
Grundvoraussetzung für die technische Beschneiung sind hier wie dort Temperaturen unter dem Gefrierpunkt. Leichte Minusgrade um -2 Grad Celsius – und das über mehrere Tage hinweg – sind nötig, damit die feinen Wassertröpfchen gefrieren können. Dazu kommt die Luftfeuchtigkeit – desto trockener die Luft, desto höher kann die Umgebungstemperatur sein. Beide Faktoren zusammen ergeben die so genannte Feuchtkugeltemperatur. Schneimeister errechnen am Computer daraus das spezifische Beschneiungspotential sowie die nötige Wassermenge. Eine Skipiste die 30 Meter breit und 400 Meter lang ist und mit einer Schneehöhe von 30 cm beschneit werden soll, benötigt circa eine Million Liter Wasser. Klingt sehr viel! Von Wasserverschwendung zu sprechen wäre aber nicht richtig, dann mit der Schneeschmelze im Frühjahr wird das Wasser wieder dem natürlichen Kreislauf zugeführt.

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Naturschnee vs. technischer Schnee
So einfach die Bestandteile – Wasser und Luft – so komplex ist die Produktion von technischem Schnee. Frau Holles irdische Gehliften sind von Beruf gelernte Schneimeister. „Schneemachen ist eine Kunst, für die man viel Erfahrung und Teamarbeit braucht, damit die Qualität überall auf der Piste stimmt. Die Steuerung der gesamten Schneeanlage ist vom Computer aus möglich, allerdings gehen wir auch in der Nacht auf Kontrollfahrt mit dem Skidoo und müssen die Beschaffenheit des Bergs genau kennen, um die beste Qualität zu garantieren,“ sagt Markus Lorenz, Betriebsleiter der Skilifte Warth. „Das sind wir dem Ruf des Skigebiets als Schneegarant einfach schuldig“, ergänzt sein Kollege Florian Huber. Während der Produktion sind die Schneimeister von Warth 24 Stunden im Einsatz. Ihre Divise: Je besser man die Maschinen, die meteorologischen und topografischen Gegebenheiten kennt, desto besser das Ergebnis.
Die perfekte Skipiste zu erzeugen ist gar nicht so einfach, denn technischer Schnee unterscheidet sich in der Beschaffenheit wesentlich vom Naturschnee und neigt zur Vereisung. Naturschnee fällt aus luftiger Höhe zu Boden und hat genügend Zeit, zu vereisen. Die Schneekristalle bilden eine sechseckige Struktur aus und werden größer und fluffig. Technischem Schnee fehlt diese Zeit. Die Form des Kristalls ist deshalb eher kugelig und hat einen höheren Wassergehalt. Die perfekte Skipiste – darin sind sich die Schneimeister einig – besteht aus einer Mischung von Natur- und technischem Schnee.

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Die Bedeutung der technischen Beschneiung
Markus Lorenz und seine Kollegen arbeiten im erwiesenermaßen naturschneereichsten Skigebiet Europas – Warth-Schröcken. Durchschnittlich zehn Meter Naturschnee rieseln Jahr für Jahr vom Himmel. Stellt sich die Frage, warum dieses Skigebiet überhaupt eine moderne Beschneiungsanlage braucht? „Den meisten Schnee haben wir im März und April,“ sagt Markus Lorenz. Besonders in der Vorweihnachtszeit lässt der Schnee aber immer mehr auf sich warten. Ein probates Mittel, den Boden dann nicht unnötig durch schweres Pistengerät zu belasten, ist technischer Schnee.

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