Die Macht des Glaubens: Wie ein Meteor das Christentum zur Weltreligion macht

Ein Zeichen am Himmel überzeugt Kaiser Konstantin davon, göttliche Unterstützung zu haben. Diese Überzeugung bestimmt seine Politik gegenüber dem jungen Christentum – und erschafft eine Religion, die Jahrtausende überdauern wird.

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Okay, es ist vielleicht nicht ganz richtig, einen Meteoriteneinschlag mit dem Flügelschlag eines Schmetterlings zu vergleichen. Schließlich reden wir hier von einem Gesteinsbrocken mit einem Durchmesser von zehn Metern, der mit rund 7.200 Kilometern pro Stunde Geschwindigkeit im Jahr 312 n. Chr. in den italienischen Abruzzen einschlägt. Aber tatsächlich verletzt dieser Einschlag weder einen Menschen noch verändert er das Wetter. Er wäre von der Geschichte völlig vergessen worden, wenn nicht ein Mann genau zum Zeitpunkt des Einschlags in den Himmel geschaut hätte. 

Sein Name ist Konstantin I., der später den Beinamen „der Große“ bekommen wird. Im Oktober 312 steht Konstantin mit seiner Armee wenige Kilometer vor den Toren Roms – und bereitet sich auf die letzte Schlacht vor. Seit Februar liefert er sich in Norditalien Schlachten mit seinem Widersacher Marcus Aurelius Maxentius. Sie sind die beiden letzten von ursprünglich vier Kaisern, die um die Herrschaft in Rom kämpfen. Und obwohl Konstantin nur 40.000 Soldaten befehligt, gelingt es ihm, wichtige Siege gegen die 100.000 Mann starke Armee von Maxentius zu erringen. Doch jetzt, vor der letzten Schlacht, scheint Konstantins Hoffnung zu schwinden. Zu mächtig scheint das Heer von Maxentius, zu stark die Befestigungen Roms. Und dann sieht er den Meteor, ein gleißendes Licht am Himmel, das laut Aufzeichnungen die Form eines Kreuzes hat. 

Starthilfe für das Christentum

Erst vor wenigen Jahren hat der schwedische Geologe Jens Ormö den Krater des Meteoriten entdeckt. Seine Theorie: Der Feuerball ist in einem sehr flachen Winkel auf die Erde gestürzt – was einen langen Schweif nach sich zieht. Konstantin jedenfalls deutet die Erscheinung im Jahr 312 als Zeichen und lässt auf den Schilden der Soldaten das Christusmonogramm anbringen. Am nächsten Tag, dem 28. Oktober, stürmen Maxentius Truppen aus der Sicherheit der Stadtmauern Roms, um Konstantins Männer auf offenem Felde zu treffen. 

Historiker gehen davon aus, dass Maxentius seinen Feind einkesseln wollte – allerdings geht sein Plan nicht auf. Die sogenannte Schlacht an der Milvischen Brücke entscheidet Konstantin für sich, weil er seinen Gegner zwischen Armee und Fluss aufreiben kann. Maxentius ertrinkt im Tiber – und Konstantin wird zum Alleinherrscher in Rom. Doch was diesen Sieg so besonders macht, ist nicht der Kampf gegen eine scheinbar überlegene Armee, sondern dass Konstantin den Sieg dem Gott der Christen widmet. In den nächsten 25 Jahren seiner Herrschaft wird er das Christentums fördern – und schließlich selbst übertreten. Das gibt dem Christentum die nötige Starthilfe, um zur Weltreligion zu werden.

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