Erfindungen

Der Siegeszug der Seife

Hygiene und Körperpflege war nicht immer selbstverständlich. Im Mittelalter hütete man sich vor Wasser und Seife. Der Grund: Es kursierte der Irrglaube, dass Krankheiten überhaupt erst durch die Saubermacher in den Körper hineingelangen.

Seife

© iStock-AlexRaths

Ob Pest, Cholera oder Typhus: Viele Krankheiten entstehen durch mangelnde Hygiene. Im Mittelalter starben deshalb tausende Menschen – man glaubte, dass Seife krank machen würde. Erst im bürgerlichen 19. Jahrhundert wurde sie Bestandteil unserer Körperpflege. Doch wie kam es dazu?

Die Geschichte der Seife begann bereits vor viertausend Jahren. Erste Hinweise auf eine Seifenrezeptur finden sich bei den Sumerern. Dieses hochentwickelte Volk besaß bereits fundierte Kenntnisse in Chemie. Sie erkannten, dass Pflanzenasche die Wirkung einer Lauge besitzt. Indem sie diese Lauge mit Ölen vermischten, erfanden sie die Basis jeder Seife. Allerdings übersahen sie dabei den reinigenden Effekt. Sie verwendeten Seife lediglich als Heilmittel für Verletzungen. Andere Kulturen wie die Ägypter und Griechen übernahmen die chemische Formel. Doch erst die Römer bemerkten ihre säubernde Wirkung.

Die erste Seife in ihrer heutigen Form stammt aus dem siebten Jahrhundert. Araber verkochten Öl und Lauge miteinander – das Seifensieden war geboren. Schnell breitete sich dieses Wissen über Europa aus. Spanien und Frankreich avancierten zu den führenden Herstellern. Im Mittelalter geriet Seife allerdings in Verruf – es kursierte der Irrglaube, dass Krankheiten überhaupt erst durch die Saubermacher in den Körper hineingelangten. Adelskreise setzten deshalb auf scheinbaren Glanz und eine trügerische Fassade: Statt Seife verwendeten sie Puder und Parfüm. Krankheitserregende Keime, Läuse und Flöhe konnten sich so allerdings erst recht ausbreiten. Bis weit ins 18. Jahrhundert vertraten selbst Ärzte die Meinung, dass Wasser und Luft dem Körper schaden würden. Erst im bürgerlichen 19. Jahrhundert änderte sich die Einstellung.

Warum Seife sauber macht

Seife hat einen besonderen chemischen Aufbau. Ihre Moleküle bestehen aus einem wasserliebenden „Kopf“ und einem fettliebenden „Fuß“. Ihr fettliebender Anteil lagert sich gerne an Schmutzpartikel an. Da sich die Moleküle aufgrund ihrer gleichartigen elektrischen Ladung gegenseitig abstoßen, lösen sie die Schmutzpartikel von ihrer Haftung. Fließendes Wasser kann sie mühelos wegspülen.

Seife vermag die Oberflächenspannung des Wassers stark zu mindern, was sich an der hohen Schaumbildung zeigt. So ist es möglich, dass die Seifenlösung auch in kleinste Zwischenräume eindringen und den Schmutz dort beseitigen kann.
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