Mit Lügen kennt Denise Huddle sich bestens aus. Im Laufe ihrer Karriere konnte die Privatdetektivin unzählige Betrüger überführen – das Problem: Meist war dafür ein enormer Zeit- und Kostenaufwand erforderlich. Ist es auch ohne tagelange Observierung möglich, einen Lügner zu enttarnen? Kann man ihm eventuell gar anhand seiner Sprache auf die Schliche kommen, indem man eine Art linguistischen Lügendetektor baut?
Huddle erinnert sich, dass der US-Psychologe James Pennebaker vor einigen Jahren ein Computerprogramm entwickelt hat, das nach Spuren in unserer Sprache sucht, die Rückschlüsse auf unsere Persönlichkeit zulassen. Sie setzt sich mit dem Wissenschaftler in Verbindung und bittet ihn, Gerichtsprotokolle von Angeklagten, die des Meineids überführt wurden, von der Software untersuchen zu lassen und diese dann mit denen von Verurteilten, die später entlastet wurden, zu vergleichen. Und tatsächlich: Der Sprachcomputer stößt auf faszinierende Unterschiede zwischen den Aussagen, die der Wahrheit entsprachen, und jenen, die gelogen waren.
Lügner haben dasselbe Sprachmuster
Ein spektakulärer Betrugsfall bestätigt diese Erkenntnis: 2011 wurde bekannt, dass der Sozialpsychologe Diederik Stapel Dutzende Veröffentlichungen manipuliert und in vielen die Daten sogar frei erfunden hatte. Der Kommunikationsforscher David Markowitz verglich daraufhin die nicht manipulierten Aufsätze Stapels mit den gefälschten und fand in letzteren deutlich mehr verstärkende Ausdrücke (extrem, außergewöhnlich), dafür weniger abschwächende (teilweise, leicht). Neben Personalpronomen und Adjektiven gibt es zudem noch eine weitere verdächtige Wortgruppe: So fiel Marketing Professor Stephan Ludwig von der University of Surrey auf, dass erlogene Texte häufig mit Konjunktionen wie „weil“, „deswegen“ oder „obwohl“ eingeleitet werden. Ein möglicher Erklärungsansatz: Der Lügner hat das, was er wiedergibt, weder erlebt noch gefühlt. „Damit der Leser das nicht merkt, versucht er, seinen Text durch Konjunktionen möglichst glattzuschleifen“, erklärt Ludwig.
