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Wie gefährlich ist das Sindbis-Virus?

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Wie gefährlich ist das Sindbis-Virus?

Ein Virus, das in Nordeuropa seit Jahrzehnten bekannt ist, wurde nun erstmals bei einem Patienten in Deutschland nachgewiesen.

Was ist das Sindbis-Virus?

Das Sindbis-Virus (SINV) gehört zur Gattung der Alphaviren. Dies ist eine Gruppe von Viren, die meist durch Stechmücken übertragen werden und beim Menschen unter anderem Fieber, Hautausschlag und Gelenkschmerzen verursachen können. Der natürliche Kreislauf des  Sindbis-Virus verläuft zwischen Wildvögeln und Stechmücken. Es kommt unter anderem in Teilen Nordeuropas, Afrikas, Asiens und Australiens vor. Sticht eine infizierte Mücke einen Menschen, kann dieser am Sindbis-Fieber erkranken. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist laut Robert Koch-Institut (RKI) nicht bekannt.

In diesem Kreislauf ist der Mensch nur ein zufälliger Gast: Das Virus benötigt Vögel und Mücken, um weiterzuexistieren.

Skandinavien kennt die Krankheit seit Jahrzehnten

In Finnland ist diese Erkrankung als „Pogosta-Krankheit” bekannt. Finnische Forscher beschrieben sie als Ausschlag mit begleitenden Gelenkentzündungen, der im Spätsommer gehäuft auftritt und durch Mücken übertragen wird.

Typisch sind plötzlich einsetzendes Fieber, ein juckender Hautausschlag und ausgeprägte Gelenkschmerzen – eine Kombination, die einer Chikungunya-Erkrankung ähnelt. Fieber und Ausschlag klingen meist innerhalb von ein bis zwei Wochen ab. Die Gelenkschmerzen dagegen können Wochen oder Monate anhalten und den Alltag spürbar einschränken.

Kann das Sindbis-Virus tödlich sein?

Experten weltweit stufen das Sindbis-Fieber als nicht lebensgefährlich ein – tödliche Verläufe sind nicht bekannt. Eine Behandlung, die das Virus selbst bekämpft, gibt es nicht. Bisher kommen schmerzstillende und entzündungshemmende Medikamente zum Einsatz. Einen wirksamen Schutz bietet daher nur die Vermeidung von Mückenstichen.

Die Diagnose dauerte fast zwei Monate

Der bisher einzige Patient in Deutschland, ein 60-jähriger Mann, erkrankte laut RKI bereits am 12. Juli. Er lebt in einem Stadtbezirk mit etablierten Beständen der Asiatischen Tigermücke – weshalb die Ärzte zunächst auf Chikungunya testeten und die Untersuchung erst später um das Sindbis-Virus erweiterten. Den Nachweis erbrachten im September schließlich spezifische Antikörper.

Wie kam das Virus nach Deutschland?

Sindbis-Viren konnten bereits im Jahr 2009 in Deutschland nachgewiesen werden. Dies gelang bei Stechmücken aus der Oberrheinebene. Das Robert Koch-Institut kam zu dem Schluss, dass Zugvögel bei der Verbreitung der Viren eine ähnliche Rolle spielen wie bei den West-Nil-Viren. Diese können den Erreger über weite Strecken tragen, während Stechmücken ihn anschließend zwischen den Vögeln und gegebenenfalls auf den Menschen übertragen.

Zugleich hält das RKI es für möglich, dass das Virus bereits seit mehreren Jahrzehnten in Deutschland vorkommt und erst durch den Nachweis im Jahr 2009 entdeckt wurde. Ein konkreter Einschleppungszeitpunkt oder -weg ließ sich damit jedoch nicht benennen.

Wie schützen Sie sich?

Tragen Sie in der Mückensaison lange Kleidung, verwenden Sie Mückenspray und bringen Sie Mückennetze an Fenstern an. Suchen Sie ärztliche Hilfe, sobald Fieber, juckender Ausschlag und starke Gelenkschmerzen zusammen auftreten. Erwähnen Sie dabei Mückenstiche und Aufenthalte im Freien – diese Angaben helfen bei der richtigen Diagnostik.

Definitionen und Begriffserklärungen zum Sindbis-Virus

Sindbis-Virus

Ein Alphavirus, das zwischen Wildvögeln und Stechmücken zirkuliert. Menschen infizieren sich durch den Stich einer infizierten Mücke.

Sindbis-Fieber

Die Erkrankung beim Menschen mit plötzlichem Fieber, juckendem Ausschlag und starken Gelenkschmerzen. Die Gelenkbeschwerden können Monate anhalten.

Autochthone Infektion

Eine Ansteckung am Wohnort, ohne Auslandsreise. Der Fall in Baden-Württemberg ist die erste bestätigte Sindbis-Infektion dieser Art in Deutschland.

Drei Kurzantworten zum Sindbis-Virus

Wie gefährlich ist das Sindbis-Virus?

Das Virus gilt als lebensungefährlich. Gelenkschmerzen können jedoch Wochen bis Monate anhalten und den Alltag stark einschränken.

Wie wird das Sindbis-Virus übertragen?

Durch Stiche infizierter Stechmücken. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist laut RKI nicht bekannt.

Gibt es eine Behandlung gegen das Sindbis-Virus?

Ein Medikament gegen das Virus selbst fehlt. Schmerzstillende und entzündungshemmende Mittel lindern die Beschwerden.

Häufig gestellte Fragen zum Sindbis-Virus

Wo trat der erste Sindbis-Fall in Deutschland auf?

In Baden-Württemberg. Betroffen ist ein 60-jähriger Mann, der am 12. Juli erkrankte. Der Nachweis des Sindbis-Virus gelang im September.

Welche Symptome deuten auf Sindbis-Fieber hin?

Plötzliches Fieber, juckender Hautausschlag und starke Gelenkschmerzen – vor allem in der Mückensaison.

Wie lange dauert die Erkrankung?

Das Fieber und der Ausschlag klingen meist nach ein bis zwei Wochen ab. Gelenkschmerzen halten oft viele Wochen oder Monate an.

Warum dauerte die Diagnose so lange?

Die Ärzte testeten zunächst auf Chikungunya, weil die Symptome ähneln und der Patient in einem Gebiet mit Tigermücken lebt. Erst die erweiterte Untersuchung ergab eine Infektion mit dem Sindbis-Virus.

Wie schützen Sie sich vor dem Virus?

Mit langer Kleidung, Mückenspray und Mückennetzen. Bei passenden Beschwerden empfiehlt sich ein Arztbesuch – mit Hinweis auf Mückenstiche.

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