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Erdbeben in Mannheim: was wirklich geschah

Foto: Envato / ShadowInspiration

Erdbeben in Mannheim: Was wirklich geschah

Das Erdbeben bei Mannheim am Donnerstagabend zeigt vor allem eines: Wie schwierig eine seriöse Berichterstattung über Erdbeben in den Medien bleibt.

Was ist am Donnerstagabend bei Mannheim passiert?

Um 17:27 Uhr registrierten mehrere Messstationen ein Erdbeben mit dem Epizentrum bei Worms. Während das GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung eine Momentmagnitude von 3,3 ermittelte, meldete der Landeserdbebendienst Baden-Württemberg 3,4.

Nach einer späteren manuellen Auswertung setzte der Erdbebendienst Südwest die Stärke auf 3,5 herauf und verortete das Zentrum bei Bobenheim-Roxheim. Solche Abweichungen sind bei ersten automatischen Messungen üblich.

Die Herdtiefe des Erdbebens wurde von den Instituten mit acht bis zehn Kilometern angegeben. Damit lag der Erdbebenherd vergleichsweise nah an der Oberfläche, was die Wahrnehmbarkeit an der Erdoberfläche verstärkte. Laut den Koordinaten des GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung befindet sich das Zentrum wenige Kilometer südlich von Worms nahe der Autobahn 61.

Die wichtigsten Fakten zum Erdbeben in Mannheim

Nach Berechnungen des Portals „Erdbebennews“ könnten die Erschütterungen für rund 2,2 Millionen Menschen im Umkreis spürbar gewesen sein. Zahlreiche Menschen in Worms, Mannheim, Ludwigshafen, Frankenthal, Lampertheim sowie zahlreichen Orten an der Bergstraße und in der Vorderpfalz nahmen das Beben nach ersten Auswertungen deutlich wahr.

Ein Nachbeben der Magnitude 1,7 folgte bereits um 18:14 Uhr. Alle Angaben stammen aus automatischen Rechenmodellen und wurden zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch nicht abschließend geprüft.

Augenzeugen berichteten, dass die Häuser um sie für mehrere Sekunden gewankt hätten. Mehrere Betroffene beschrieben das Gefühl, als sei ein Fahrzeug gegen ihr Gebäude gefahren. Kurz nach dem Beben schlugen die Warn-Apps Katwarn und NINA an und informierten Nutzerinnen und Nutzer in der Region.

Bei der Polizei in Worms gingen zahlreiche Anrufe besorgter Bürger ein. Ein Sprecher bestätigte, dass er die Erschütterung selbst wahrgenommen habe. Auf den Straßen der Stadt blieb die Lage nach dem Ereignis ruhig, die Polizei meldete keine größeren Vorfälle.

Warum spürten so viele Menschen ein vergleichsweise schwaches Beben?

Die Stärke eines Bebens beschreibt lediglich die am Erdbebenherd freigesetzte Energie. Wie deutlich Menschen ein Beben wahrnehmen, hängt zusätzlich von der Herdtiefe, der Entfernung zum Epizentrum und dem Untergrund ab. Ein flacher Erdbebenherd sorgt bei gleicher Stärke oft für stärkere Erschütterungen an der Oberfläche als ein tiefer.

Warum bebt die Erde am Oberrhein?

Der Oberrheingraben zieht sich von Basel bis Frankfurt und bildet eine der aktivsten Erdbebenzonen Deutschlands. Vor Millionen Jahren senkte sich hier ein Landstreifen zwischen zwei parallelen Verwerfungen ab. Diese Verwerfungen bleiben bis heute geologisch aktiv und lösen die enthaltenen Spannungen gelegentlich in Form von Erdbeben.

Nach Angaben des Erdbebendienstes Südwest konzentriert sich die Erdbebentätigkeit in Deutschland stark auf Regionen entlang des Rheins. Auch das Mittelrheingebiet und die Niederrheinische Bucht gelten als geologische Schwächezonen mit erhöhter seismischer Aktivität.

Der Oberrheingraben gilt als bekannte Schwächezone

Stärkere Beben bleiben in dieser Region selten, kommen aber vor. Im Mai 2014 erschütterte ein Beben der Magnitude 4,2 mit Epizentrum in Mühltal bei Darmstadt die hessische Seite des Grabens.

Einen Trend zu häufigeren oder stärkeren Beben erkennen Experten nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur derzeit nicht. Die Häufung von Meldungen in den vergangenen Jahren erklärt sich vor allem durch dichtere Messnetze, die auch kleinste Beben zuverlässig erfassen.

Müssen Sie in der Region mit weiteren Beben rechnen?

Bislang existiert keine seriöse Prognosemethode für einzelne Erdbeben. Seismologen können lediglich statistische Wahrscheinlichkeiten für eine Region über lange Zeiträume hinweg angeben. Für den Oberrheingraben gilt: Kleinere Beben treten regelmäßig auf, größere Ereignisse sind die Ausnahme.

Wer in der Region zwischen Mannheim und Worms lebt, kann sich an den Empfehlungen des Erdbebendienstes Südwest orientieren. Dazu gehört, schwere Gegenstände in Wohnungen zu sichern und sich im Ernstfall von Fenstern und Regalen fernzuhalten.

Das Problem mit der Berichterstattung zu Erdbeben

Die ersten Meldungen zu einem Erdbeben beruhen fast immer auf automatischen Messungen. Wie die Spanne von 3,3 bis 3,5 in diesem Fall zeigt, weichen diese Werte zwischen einzelnen Instituten häufig voneinander ab. Wer eine einzelne Quelle zitiert, riskiert somit eine Angabe, die kurz darauf korrigiert werden wird.

Regionale Medien griffen das Ereignis teils mit zugespitzten Formulierungen auf. Die tatsächlich verfügbaren Daten belegen jedoch vor allem eines: eine deutlich spürbare, aber folgenlose Erschütterung ohne bestätigte Schäden. Es lohnt sich deshalb für Leserinnen und Leser, zuerst einen Blick auf die Primärquellen der Erdbebendienste zu werfen.

Unterschiedliche Messwerte zeigen, wie frühe Meldungen an ihre Grenzen stoßen

Erst Stunden nach einem Beben liegen manuell geprüfte Daten zu Stärke, Tiefe und Epizentrum vor. Bis dahin sollten Sie erste Zahlen daher nur als vorläufige Einschätzung betrachten.

Definitionen und Begriffserklärungen zum Erdbeben bei Mannheim

Magnitude

Die Magnitude beschreibt die Energie, die am Erdbebenherd eines Bebens freigesetzt wird. Sie wird in der Fachwelt meist auf der Momentmagnituden-Skala angegeben und hat die früher gebräuchliche Richterskala ersetzt.

Oberrheingraben

Der Oberrheingraben ist eine geologische Senke zwischen Basel und Frankfurt, die vor Millionen von Jahren durch tektonische Bewegungen entstand. Entlang seiner Verwerfungen kommt es regelmäßig zu kleineren Erdbeben.

Intensität (EMS-98)

Die Intensität beschreibt die tatsächlich spürbare Wirkung eines Bebens an einem bestimmten Ort. Bei der zwölfstufigen EMS-98-Skala werden Faktoren wie Untergrund, Entfernung zum Epizentrum und Bauweise der Gebäude berücksichtigt.

Häufig gestellte Fragen zum Erdbeben bei Mannheim

Wie stark war das Erdbeben bei Mannheim tatsächlich?

Erste automatische Auswertungen ergaben Werte zwischen 3,3 und 3,4. Eine spätere manuelle Auswertung des Erdbebendienstes Südwest stufte die Stärke jedoch auf 3,5 herauf.

Wo lag das Epizentrum des Bebens?

Das GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung verortete das Epizentrum zunächst südlich von Worms nahe der Autobahn 61. Nach der manuellen Nachauswertung lag es jedoch eher bei Bobenheim-Roxheim.

Gab es Verletzte oder Schäden?

Bisher liegen keine Meldungen von Polizei oder Feuerwehr über Verletzte oder größere Gebäudeschäden vor.

Warum bebt die Erde am Oberrhein häufiger als anderswo in Deutschland?

Der Oberrheingraben ist eine tektonisch aktive Senke, in der sich mehrere Verwerfungen befinden. Entlang dieser Verwerfungen bauen sich über lange Zeiträume hinweg Spannungen auf, die sich schließlich in Form von Erdbeben entladen.

Müssen Anwohner mit weiteren, stärkeren Beben rechnen?

Bislang existiert keine verlässliche Möglichkeit zur Vorhersage einzelner Beben. Aktuell sehen Experten keinen Trend zu häufigeren oder stärkeren Ereignissen in der Region.

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