Besitzern von Autos mit veralteter Mobilfunktechnik droht Ärger mit dem TÜV
Der veraltete 2G-Mobilfunkstandard wird in Deutschland ab 2028 abgeschaltet, da er laut den Netzbetreibern den modernen Anforderungen an Datenvolumen und Geschwindigkeit nicht mehr gerecht wird. O2, Vodafone und Deutsche Telekom wollen die frei werdenden Frequenzen für den Ausbau von 4G- und 5G-Netzen nutzen.
Für Autofahrer könnte die Abschaltung Probleme mit sich bringen. Viele Fahrzeuge nutzen noch 2G-basierte Systeme, etwa für den eCall-Notruf, der seit 2018 in Neuwagen Pflicht ist. Dasselbe gilt für andere Netzwerkfunktionen wie Telematikdienste (z. B. für Fahrzeugortung, Fernwartung oder Diebstahlschutz), Onboard-Diagnosesysteme (OBD) mit Mobilfunkmodulen sowie Flottenmanagement- und Logistiklösungen.
Betroffene sollten prüfen, ob ihr Auto auf 2G angewiesen ist, und sich beim Hersteller Informationen bezüglich Software-Updates einholen. Der TÜV plädiert zwar dafür, dass Fahrzeuge nicht allein wegen fehlender Updates durch die Hauptuntersuchung fallen, doch eine klare gesetzliche Regelung dazu steht noch aus.
Warum der TÜV so einflussreich ist – und wie lange es ihn schon gibt
Der erste TÜV, ursprünglich als „Technischer Überwachungsverein“ gegründet, entstand 1866 in Mannheim als Reaktion auf die Industrialisierung. Damals ging es vor allem um die Sicherheit von Dampfkesseln, die immer wieder in Fabriken explodierten.
Die Expansion des TÜV im 20. Jahrhundert
Mit der Motorisierung stieg die Nachfrage nach Fahrzeugprüfungen. 1920 führte der TÜV die erste Hauptuntersuchung für Autos ein. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sein Aufgabenbereich erweitert: von der Atomsicherheit in den 1950ern bis zur Umweltprüfung in den 1970ern. Heute ist der TÜV laut Firmenaussage in über 70 Ländern aktiv und prüft Technik von Windrädern bis zu Medizingeräten.
Der TÜV heute
Heute gibt es in Deutschland sechs große TÜV-Organisationen: TÜV Süd, TÜV Rheinland, TÜV Nord, TÜV Hessen, TÜV Thüringen und TÜV Saarland. Diese beschäftigen zusammen über 20.000 Mitarbeiter. International ist der TÜV unter Namen wie TÜV SÜD oder TÜV Rheinland aktiv und prüft alles von Windparks in China bis zu Medizinprodukten in den USA.
Wer kontrolliert den TÜV?
Der TÜV untersteht der Aufsicht des Staates, ist aber keine Behörde. Er arbeitet nach gesetzlichen Vorgaben, etwa dem Straßenverkehrsgesetz oder der Betriebssicherheitsverordnung. Die Bundesländer erteilen dem TÜV die Akkreditierung, doch die Prüfungen führt er eigenständig durch. Dies wird häufig kritisiert.
Kritik der Methoden des TÜV
Der TÜV sieht sich häufig dem Vorwurf ausgesetzt, ein Monopol zu bilden. Da er in vielen Bereichen der einzige anerkannte Prüfungsdienstleister ist, fehlt es an Wettbewerb. Das kann zu hohen Kosten und langen Wartezeiten führen. Insbesondere Autofahrer kritisieren, dass sie kaum Alternativen zum TÜV haben und die Preise für Hauptuntersuchungen oder Gutachten als überteuert empfinden.
Ein weiterer Kritikpunkt sind die starren Prüfkriterien des TÜV. Viele Werkstätten und Fahrzeughalter bemängeln, dass der TÜV bei der Bewertung von Fahrzeugen zu wenig Flexibilität zeigt. Zudem sind Kritiker der Meinung, dass die Prüfungen des TÜV nicht immer mit dem technischen Wandel Schritt halten.
Zusätzlich gibt es Vorbehalte wegen der Doppelfunktion des TÜV als Prüfinstitution und Dienstleister für die Industrie. Da der TÜV sowohl für gesetzliche Prüfungen als auch für freiwillige Zertifizierungen für Hersteller tätig ist, besteht die Sorge um mögliche Interessenkonflikte. Kritiker fordern daher mehr Transparenz und eine klarere Trennung zwischen hoheitlichen Aufgaben und kommerziellen Dienstleistungen.
Der Skandal um PIP-Brustimplantate
Der Skandal um die PIP-Brustimplantate zu Beginn der 2010er Jahre wirft Fragen zur Wirksamkeit der TÜV-Prüfungen auf. Der französische Hersteller PIP hatte über Jahre hinweg billiges Industriesilikon für Implantate verwendet. Dies führte zu schweren gesundheitlichen Folgen. Obwohl der TÜV als benannte Stelle für die Zertifizierung von Medizinprodukten in der EU fungierte, wurden die Manipulationen nicht erkannt.
Kritiker monieren, dass die Kontrollen zu oberflächlich waren und der TÜV sich zu sehr auf die Angaben der Hersteller verließ, statt eigene, unabhängige Materialprüfungen durchzuführen.
Der Skandal deckte strukturelle Schwächen im Zertifizierungssystem auf: Der TÜV und andere Prüfinstitute standen unter Druck, in erster Linie schnell und kostengünstig zu arbeiten. Zudem gab es Vorwürfe, die Abhängigkeit von Industrieaufträgen gefährde die Neutralität der Prüfungen. Erst nach dem Skandal wurden die EU-Vorschriften zu Medizinprodukten verschärft. Offenbar ein Eingeständnis, dass die bisherigen Kontrollen, auch die des TÜV, nicht ausreichten, um Patienten vor solchen Risiken zu schützen.
In welchen Branchen kontrolliert der TÜV?
Der TÜV ist in zahlreichen Branchen aktiv und prüft dort Sicherheit, Qualität und Normenkonformität: Im Verkehrssektor führt er Hauptuntersuchungen für Autos, Motorräder und Lkw durch, im Maschinen- und Anlagenbau zertifiziert er Industrieanlagen, Aufzüge und Druckbehälter, in der Energiewirtschaft prüft er Windräder, Solaranlagen und Gasnetze.
In der Medizintechnik testet der TÜV Geräte auf Sicherheit und Funktionalität, in der Elektrotechnik kontrolliert er Haushaltsgeräte, Elektroinstallationen und Ladesäulen, in der Chemie- und Umweltbranche überwacht er Emissionen und Abfallentsorgung, und in der Digitalwirtschaft bewertet er Datenschutz und IT-Sicherheit.
Häufig gestellte Fragen zum TÜV
Seit wann gibt es den TÜV?
Seit 1866, als erster Dampfkessel-Überwachungsverein in Mannheim.
Was prüft der TÜV?
Fahrzeuge, Maschinen, Aufzüge, Elektrogeräte, Industrieanlagen und digitale Systeme.
Warum warnt der TÜV vor 2G?
Weil viele Fahrzeuge noch auf diese veraltete Technologie für Notrufsysteme angewiesen sind.
Wie oft muss ich mein Auto zum TÜV bringen?
Neuwagen müssen nach 3 Jahren erstmals zur Hauptuntersuchung, danach alle 2 Jahre. Bei älteren Fahrzeugen (ab 30 Jahren) gilt unter bestimmten Bedingungen eine Ausnahme.
Was kostet die TÜV-Plakette?
Die Kosten hängen vom Fahrzeugtyp ab. Für einen Pkw liegen sie zwischen 80 und 120 EUR. Bei Motorrädern sind es etwa 50 bis 80 EUR.
Kann ich ohne TÜV fahren?
Nein. Ohne gültige Hauptuntersuchung darf ein Fahrzeug nicht im öffentlichen Straßenverkehr bewegt werden. Bei einer Kontrolle drohen Bußgelder und Punkte in Flensburg.
Gibt es den TÜV auch in anderen Ländern?
Ja, der TÜV ist international aktiv. Organisationen wie TÜV SÜD oder TÜV Rheinland prüfen weltweit Produkte und Anlagen nach lokalen und internationalen Standards.
