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Warum sind wir eigentlich gegen Pollen allergisch?

Foto: Envato / anatoliy_gleb

Warum sind wir eigentlich gegen Pollen allergisch?

Jedes Jahr aufs Neue: Die Nase juckt, die Augen tränen, wir müssen ständig niesen. Doch warum reagiert der Körper von Allergikern so heftig auf etwas, das eigentlich harmlos ist?

Warum reagiert das Immunsystem auf Pollen?

Das Immunsystem ist unser körpereigener Schutzmechanismus. Es erkennt und bekämpft Krankheitserreger wie Viren oder Bakterien. Bei einer Pollenallergie kommt es jedoch zu einer Überreaktion des Immunsystems: Es hält bestimmte Eiweißstoffe in Pollen für gefährlich für den Körper, obwohl sie es nicht sind.

Das Immunsystem bildet daher Antikörper (Immunglobulin E) gegen diese Stoffe und setzt bei erneutem Kontakt Botenstoffe wie das entzündungsfördernde Histamin frei. Die Folge sind typische Allergiesymptome: Niesen, juckende Augen, eine ständig laufende Nase bis hin zu schwerem Husten und Atemnot.

Warum löst unser Immunsystem Entzündungen aus?

Entzündungsreaktionen sind ein lebenswichtiger Schutzmechanismus des Körpers. Sie dienen dazu, Krankheitserreger wie Bakterien oder Viren abzuwehren, beschädigtes Gewebe zu reparieren und die Ausbreitung von Infektionen zu verhindern.

Durch das bei der Immunreaktion frei werdende Histamin werden Abwehrzellen an den Ort der Bedrohung gelockt, die Durchblutung erhöht und Heilungsprozesse eingeleitet, beispielsweise durch die Bildung neuen Gewebes oder die Isolierung betroffener Bereiche.

Wie entsteht eine Pollenallergie?

Die Entstehung einer Pollenallergie beginnt mit dem ersten Kontakt des Körpers mit dem Allergen. Dieses besteht in diesem Fall aus Pollen, die fälschlicherweise als schädliche Substanz interpretiert werden. Der Körper reagiert, indem er spezifische Abwehrmechanismen aktiviert.

Dieser erste Schritt bleibt meistens noch ohne spürbare Symptome. Jedoch bildet der Körper ein Gedächtnis für das bereits angetroffene Allergen.

Im nächsten Schritt, der Sensibilisierung, bildet das Immunsystem spezielle Antikörper gegen das Allergen. Diese Antikörper binden sich an bestimmte Immunzellen, die dann bei erneutem Kontakt mit dem Allergen sofort reagieren können. Dieser Prozess kann Wochen bis Jahre dauern. Er bleibt oft unbemerkt, bis es zum nächsten Kontakt kommt und die eigentliche  allergische Reaktion ausgelöst wird.

Der Klimawandel verlängert die Pollensaison

Aufgrund des Klimawandels beginnen viele Pflanzen früher zu blühen, wodurch sich die Pollensaison verlängert. Gleichzeitig steigt die Konzentration von Pollen in der Luft. Hitze, Trockenheit und Luftverschmutzung setzen den Pflanzen zusätzlich zu. Dadurch verändern sich die Eiweißstrukturen bestimmter Pollen, was deren allergene Wirkung verstärkt.

Zudem haben Experten festgestellt, dass sich die Anzahl der allergieauslösenden Pollen in Deutschland vergrößert. Ein Grund dafür ist, dass sich neue Pflanzenarten wie das Ackerunkraut Ambrosia oder die aus dem östlichen Mittelmeerraum stammenden Olivenbäume ausbreiten und das Risiko für Allergien erhöhen.

Umweltfaktoren verstärken die Wirkung von Pollen

Zudem können Luftschadstoffe wie Dieselabgase oder Ozon an Pollen haften bleiben und deren allergene Wirkung verstärken. Darüber hinaus verlängert künstliches Licht in der Nacht die Blütezeit von Pflanzen und erhöht die Pollenbelastung. All diese Faktoren tragen dazu bei, dass immer mehr Menschen Allergien entwickeln.

Welche Pollen sind besonders gefährlich?

Als besonders aggressiv gelten die Pollen von Birke, Beifuß und Ambrosia sowie diverse Gräser. Diese Pflanzen produzieren große Mengen an Pollen: Ein einziger Roggenhalm setzt über vier Millionen Pollenkörner frei. Weil sie so klein und leicht sind, können solche Pollen bis zu 300 Kilometer weit fliegen.

Warum reagieren manche Menschen auf mehrere Pollenarten allergisch?

Viele Allergiker reagieren nicht nur auf eine, sondern auf mehrere Pollenarten. Der Grund sind Kreuzreaktionen: Bestimmte Eiweißstrukturen in verschiedenen Pollen ähneln sich so sehr, dass das Immunsystem sie nicht unterscheiden kann. Wer auf Birkenpollen allergisch reagiert, verträgt oft auch Äpfel oder Haselnüsse nicht.

Was kann man gegen Pollenallergie tun?

Vorbeugen und Symptome lindern

Wer unter Pollenallergie leidet, kann inzwischen einige hilfreiche Maßnahmen ergreifen. Pollenflugvorhersagen im Netz helfen, besonders belastete Tage zu meiden. Hierzu gehören Apps wie die Pollenflug-Vorhersage-App oder die Website der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst.

Um Pollen aus der Wohnung fernzuhalten, sollten Sie regelmäßig zu Zeiten mit geringer Pollenkonzentration lüften (morgens oder abends). Spezielle Pollenschutzgitter an Fenstern können die Pollenbelastung reduzieren und Antihistaminika oder Nasensprays können die Symptome lindern.

 Langfristig kann eine spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung) helfen, die Allergie zu mildern oder sogar zu heilen. Diese bieten vor allem spezialisierte Kliniken und Zentren wie das Deutsche Zentrum Immuntherapie (DZI) am Universitätsklinikum Erlangen an.

Wie die Forschung Allergikern das Leben leichter machen will

Aktuelle Studien konzentrieren sich darauf, Pollenallergien präziser vorherzusagen, um Allergikern mehr Planungssicherheit zu geben. Ein zentrales Projekt ist PollenNet, das Daten aus Bürgerwissenschaften, Wetterstationen und Pollenmessungen kombiniert. Durch die Analyse dieser Daten lassen sich regionale und saisonale Pollenflugmuster genauer abbilden.

Künstliche Intelligenz spielt dabei eine entscheidende Rolle: Algorithmen erkennen Zusammenhänge zwischen Wetterbedingungen, Pollenkonzentrationen und individuellen Symptomen. So können personalisierte Risikoprofile erstellt werden, die Allergikern helfen, kritische Tage zu meiden oder gezielt Gegenmaßnahmen zu ergreifen.

Neue Immuntherapien zur Behandlung

Neben der Vorhersage arbeiten Forscher an innovativen Behandlungsmethoden. Ein vielversprechender Ansatz ist die sublinguale Immuntherapie (SLIT), bei der Allergene in Form von Tabletten oder Tropfen verabreicht werden, um das Immunsystem schrittweise an das Allergen zu gewöhnen. Zudem werden biologische Arzneimittel entwickelt, die gezielt in die Signalwege des Immunsystems eingreifen und auf diese Weise allergische Reaktionen abschwächen.

Definitionen und Begriffserklärungen

Pollenallergie

Eine Überreaktion des Immunsystems auf bestimmte Eiweißstoffe in Pollen. Das Immunsystem bildet Antikörper gegen diese Stoffe und löst bei erneutem Kontakt allergische Symptome wie Niesen, juckende Augen oder Atemnot aus.

Sensibilisierung

Der Prozess, bei dem das Immunsystem erstmals mit einem Allergen in Kontakt kommt und spezifische Antikörper bildet. Bei erneutem Kontakt kann es zu einer allergischen Reaktion kommen.

Kreuzallergie

Eine allergische Reaktion auf Stoffe, die dem ursprünglichen Allergen ähneln. Beispiel: Wer auf Birkenpollen allergisch reagiert, kann auch auf Äpfel oder Haselnüsse reagieren, da die Eiweißstrukturen ähnlich sind.

 Häufige gestellte Fragen zu Pollenallergien

Warum reagiert das Immunsystem auf Pollen?

Das Immunsystem hält bestimmte Eiweißstoffe in Pollen fälschlicherweise für gefährlich und bildet Antikörper. Bei erneutem Kontakt werden Botenstoffe wie Histamin freigesetzt, die allergische Symptome auslösen.

Warum sind immer mehr Menschen allergisch?

Der Klimawandel verlängert die Pollensaison, und Umweltfaktoren wie Luftverschmutzung machen Pollen aggressiver. Gleichzeitig breiten sich neue, allergene Pflanzenarten aus.

Welche Pollen sind besonders gefährlich?

Besonders problematisch sind Pollen von Birke, Gräser, Beifuß und Ambrosia. Diese Pflanzen verbreiten ihre Pollen über den Wind und produzieren große Mengen.

Was hilft gegen Pollenallergie?

Pollenflugvorhersagen, das Lüften zu Zeiten mit geringer Pollenbelastung, Pollenschutzgitter und Antihistaminika können Allergikern das Leben erleichtern. Langfristig kann auch eine Hyposensibilisierung helfen.

Kann man Pollenallergien heilen?

Eine spezifische Immuntherapie kann das Immunsystem „umprogrammieren“, die Allergie mildern oder sogar heilen.

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