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Wie heftige Wintereinbrüche entstehen

Foto: Envato / Chalabala

Wie heftige Wintereinbrüche entstehen

Ganz Europa hat noch mit den Auswirkungen des Wintersturms „Elli“ zu kämpfen, da steht bereits das nächste Tief mit dem Namen „Gunda“ vor der Tür. Doch wie kommt es dazu?

Was ist ein Wintertief?

In der Wetterfachsprache werden heftige Wintereinbrüche generell als Wintertief bezeichnet. Ein Wintertief ist ein außertropisches Tiefdruckgebiet im Winterhalbjahr. Es entsteht in den mittleren Breiten und bezieht seine Energie aus starken Temperaturunterschieden. Je nach Temperaturverteilung bringt es Schnee, Regen oder eine Mischung aus beidem.

Warum treten Wintertiefs in Europa besonders häufig auf?

Europa liegt in der Westwindzone. In dieser Zone ziehen Tiefdruckgebiete meist von Westen nach Osten. Der Nordatlantik wirkt dabei als wichtiger Entstehungsraum.

Im Winter sind die Temperaturgegensätze zwischen Polargebieten und subtropischen Regionen dann stark ausgeprägt. Diese Gegensätze fördern die Entwicklung kräftiger Tiefdrucksysteme.

Welche Rolle Luftmassen bei Wintertiefs spielen

Im Winter treffen kalte Luftmassen aus dem Norden und Osten auf feuchte Luft vom Atlantik oder Mittelmeer. Diese Luftmassen unterscheiden sich deutlich in Temperatur und Dichte. An ihren Grenzflächen entstehen starke Temperaturunterschiede, die für die Tiefentwicklung entscheidend sind.

Kalte Luft ist dichter und bleibt bodennah. Warme Luft steigt leichter auf. Im Winter verläuft dieser Prozess über größere Höhenunterschiede. Dadurch steht mehr Energie für die Entwicklung eines Tiefdruckgebiets zur Verfügung.

Wie ein Tiefdruckgebiet entsteht

Was in Bodennähe geschieht

In Bodennähe strömt Luft in ein Gebiet mit niedrigerem Druck. Diese Luft steigt auf. Der Luftdruck im Zentrum sinkt weiter. Der Aufstieg erfolgt entlang von Luftmassengrenzen und wird durch großräumige Strömungen unterstützt.

Was in der Luft geschieht

In größerer Höhe wird die aufsteigende Luft seitlich abtransportiert. Dieser Abfluss stabilisiert den Aufstieg am Boden.

Erst das Zusammenspiel von Boden- und Höhenprozessen ermöglichen das Tief und seine starken Niederschläge.

Die Bedeutung von Warm- und Kaltfronten

Im Verlauf seiner Entwicklung gliedern sich Tiefs in Warm- und Kaltfronten.

  • Eine Warmfront entsteht, wenn sich mildere Luft über kalte Bodenluft schiebt. Dies erfolgt meist langsam und über große Flächen. Im Winter führt dieser Vorgang häufig zu ausgedehnten Niederschlagsgebieten.
  • Eine Kaltfront entsteht, wenn sich kalte Luft unter wärmere Luft schiebt. Dies geschieht meist kräftiger und räumlich begrenzt. Hierdurch treten oft Schauer, Böen und rasche Wetteränderungen auf.

Welche Rolle der Jetstream im Winter spielt

Der Jetstream ist ein Starkwindband in etwa zehn Kilometern Höhe, das die gesamte Erde zwischen dem 40. und 60. Breitengrad umströmt. Er entsteht durch starke Temperaturunterschiede zwischen hohen und mittleren geografischen Breiten.

Im Winter erreicht der Jetstream hohe Windgeschwindigkeiten. Er lenkt Wintertiefs und beeinflusst ihre Verstärkung.

Wie verstärkt sich ein Wintertief?

Liegt ein Tief unter dem Jetstream, wird Luft in der Höhe transportiert. Der Luftdruck am Boden sinkt rasch. Dieser Prozess kann zu einer deutlichen Intensivierung des Tiefs führen.

Mit sinkendem Luftdruck steigt der Druckunterschied zur Umgebung. Die Luft strömt schneller nach. Diese beschleunigte Strömung äußert sich als kräftiger Wind und großräumiger, flächiger Niederschlag. Dieses Jahr begünstigt ein besonders starker und die Entstehung und den Transport von Tiefdruckgebieten über den Nordatlantik nach Europa.

Wie verläuft der Lebenszyklus eines Wintertiefs?

Am Anfang steht meist eine kleine Störung an einer Polarfront, der Grenzzone zwischen kalter Polarluft und wärmerer Luft der mittleren Breiten. Entlang dieser Zone entstehen viele Wintertiefs. Der Luftdruck fällt langsam, es entstehen mehr Wolken. In dieser Phase sind die Wettererscheinungen oft noch schwach ausgeprägt.

In der Reifephase sind Warm- und Kaltfront des Tiefs klar ausgeprägt. Wind und Niederschläge erfassen dann große Gebiete.

Diese Phase bestimmt das typische Winterwetter vieler Tage. Mit der Zeit gleichen sich die Temperaturunterschiede aus. Der Auftrieb lässt nach. Das Tief verliert an Struktur und löst sich allmählich auf.

Welche Rolle spielt die Topografie Europas?

Gebirge beeinflussen die Zugbahn und Intensität von Wintertiefs. Luft wird hier zum Aufsteigen gezwungen, was Niederschläge verstärkt.

Tieflagen und Becken speichern dabei kalte Luft. Dadurch bleibt winterliches Wetter dort länger erhalten.

Die Rolle des Polarwirbels

Der Polarwirbel ist ein großes Tiefdruckgebiet über den Polarregionen, das kalte, dichte Luft durch starke Westwinde in der Arktis hält. Er entsteht im Winter durch die starke Abkühlung der Polregionen und verhindert normalerweise, dass arktische Kaltluft nach Süden strömt.

Ist der Polarwirbel geschwächt oder gestört, kann er instabil werden, sich teilen und kalte Luft nach Europa, Nordamerika oder Asien lenken. Diesen Winter gilt der Polarwirbel als besonders anfällig für Störungen, was blockierende Hochdrucklagen und Temperaturschwankungen in Europa begünstigt.

Die Rolle von La Niña

La Niña ist ein Klimaphänomen, bei dem sich die Meeresoberfläche im zentralen und östlichen tropischen Pazifik ungewöhnlich stark abkühlt und die globale Wetterzirkulation beeinflusst. La Niña verstärkt unter anerem die Passatwinde. Das sind beständige, stetige Winde, die in den Tropen wehen und warme, feuchte Luft Richtung Äquator transportieren.

Zudem hat La Niña Einfluss auf Jetstream und Polarwirbel und kann dadurch Stürme, Regen, und Kälteeinbrüche in Europa begünstigen. In diesem Winter verstärkt La Niña die Intensität der großräumigen Wettersysteme über Europa. Dies ist vor allem auf ihre Wechselwirkung mit dem Jetstream und dem Polarwirbel zurückzuführen.

Welchen Einfluss hat der Klimawandel auf Wintertiefs?

Der Klimawandel verändert die Temperaturverteilung in Europa. Wintertiefs treten weiterhin auf, doch ihre Auswirkungen verschieben sich. In tieferen Lagen geht Niederschlag dann häufiger in Regen über. In höheren Lagen bleibt Schnee ein prägendes Element.

Zudem kann eine stärkere Erwärmung der Atmosphäre dazu führen, dass Wintertiefs mehr Feuchtigkeit aufnehmen, da warme Luft mehr Wasserdampf speichern kann. Dadurch nehmen Starkniederschläge und Sturmereignisse teilweise an Intensität zu.

Das erhöht insbesondere in tieferen Lagen das Risiko von Hochwasser und Überschwemmungen. Zugbahnen und Häufigkeit einzelner Wintertiefs verändern sich gleichzeitig, was längere Phasen mit ungewöhnlich mildem oder auch wechselhaftem Winterwetter ermöglicht.

Die wichtigsten Fakten

  • Ein Wintertief ist ein Tiefdruckgebiet, das sich im Winterhalbjahr entwickelt. Es entsteht aufgrund starker Temperaturunterschiede und bringt typisches Winterwetter.
  • Im Winter sind die Temperaturgegensätze zwischen Polar- und Subtropen besonders stark, was die Bildung kräftiger Tiefdruckgebiete begünstigt.
  • Der Jetstream ist ein Starkwindband in großer Höhe, das Zugbahn und Intensität von Tiefdruckgebieten steuert. Dieses Jahr ist der Jetstream besonders stark.
  • Auch der Polarwirbel (ein Tiefdruckgebiet in der Stratosphäre und Troposphäre über den Polargebieten) und La Niña (ein Klimaphänomen im zentralen und östlichen tropischen Pazifik) haben oft einen Einfluss auf die Entstehung von Wintertiefs.
  • Der Klimawandel verschiebt die Auswirkungen von Wintertiefs: In tiefen Lagen sind mehr Regen, mehr intensive Niederschläge und Stürme möglich.

Häufig gestellte Fragen zum Thema Wintertief

Wie lange dauert ein Wintertief?
Ein Wintertief beeinflusst das Wetter meist ein bis drei Tage.

Wo entstehen die meisten Wintertiefs?
Viele Wintertiefs entwickeln sich über dem Nordatlantik.

Bringt jedes Wintertief Schnee?
Nicht zwingend. Die Niederschlagsart hängt von der Temperatur in Bodennähe und in der Höhe ab.

Sind Wintertiefs gut vorhersagbar?
Moderne Wettermodelle liefern mehrere Tage im Voraus verlässliche Prognosen.

Können Wintertiefs sehr stark werden?
Bei bestimmten Bedingungen können Wintertiefs Sturmstärke erreichen – so wie im Fall von „Elli“ in Hamburg.

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