Tödlicher Biss am Orient Beach
Am Dienstagmorgen wurde die Polizei an den Orient Beach in KuGompo City in der südafrikanischen Provinz Ostkap gerufen. Die Beamten fanden dort eine 65-jährige Frau mit schweren Verletzungen an der rechten Körperseite, die sich vom Arm bis zum Bein erstreckten. Sie erlag später ihren Verletzungen.
Den Berichten zufolge war sie eine erfahrene Schwimmerin und befand sich mit einer Gruppe im Wasser. Andere Schwimmer hatten den Schwanz und die Rückenflosse eines Hais gesehen. Daraufhin sperrten die Behörden die umliegenden Strände und riefen die Bewohner dazu auf, vorerst nicht ins Wasser zu gehen.
Menschen sind keine Beutetiere für Haie – wie kommt es dennoch zu Haiangriffen?
Gavin Naylor leitet das Florida Program for Shark Research. Er nennt drei Ursachen für Haibisse: das natürliche Verhalten der Haie – wie ihre Jagdweise und Wanderbewegungen –, die klimatischen Bedingungen sowie die Zahl der Menschen im Wasser. In Florida führt er die meisten Bisse auf Verwechslungen zurück: Durch die Trübung des Wassers in der Brandung können Haie Menschen mit Beute verwechseln.
Ist ein unprovozierter Biss dasselbe wie ein Haiangriff?
Ein Biss gilt als unprovoziert, wenn Haie in ihrem natürlichen Lebensraum ohne vorherigen Kontakt zubeißen. Das in den Medien häufig verwendete Wort „Angriff” unterstellt dem Tier eine Absicht, doch diese Deutung wird durch die vorliegenden Daten selten gestützt. Auch die Überschriften der Berichte zum Vorfall in Südafrika sprechen von einem Angriff, obwohl die Behörden dies bislang noch nicht bestätigt haben.
Wann steigt das Risiko für einen Haiangriff?
Das Projekt „International Shark Attack File“ (ISAF) rät dazu, die Dämmerung und die Nacht zu meiden, da viele Haie zu diesen Zeiten aktiv sind und nach Nahrung suchen. Hinzu kommen die Nähe zu Anglern und häufig trübes Wasser. Der Alarm in KuGompo City erging am Dienstagmorgen gegen sieben Uhr, also in den frühen Morgenstunden. Die Licht- und Wasserverhältnisse werden in den Berichten jedoch nicht genannt.
Mit rund 32 Prozent sind Surfer die am stärksten betroffene Gruppe bei unprovozierten Hai-Angriffen. Die allgemeine Erklärung dafür ist, dass deren Silhouette auf dem Surfbrett im Wasser Robben ähnelt und sie sich häufig in Gebieten aufhalten, in denen Haie nach Nahrung suchen.
Wie häufig beißen Haie wirklich zu?
Die Datenbank International Shark Attack File (ISAF) am Florida Museum of Natural History wurde 1958 gegründet und enthält Einträge bis ins 16. Jahrhundert. Im Jahr 2025 wurden 105 gemeldete Begegnungen mit Haien untersucht, von denen 65 als unprovozierte und 29 als provozierte Bisse bestätigt wurden.
Neun der unprovozierten Bisse verliefen tödlich. Der Durchschnitt der letzten zehn Jahre liegt bei 72 Bissen und sechs Todesfällen pro Jahr. Die Zahl der Todesfälle lag 2025 somit deutlich über dem Durchschnitt.
Wo kommt es weltweit zu den meisten Haiangriffen?
Die USA meldeten 2025 mit 25 bestätigten Fällen die meisten unprovozierten Bisse, davon elf in Florida. Australien verzeichnete 21 unprovozierte Bisse, fünf davon endeten tödlich. Damit entfielen 32 Prozent aller Bisse weltweit auf Australien, aber 56 Prozent der tödlichen Fälle. Südafrika meldete für 2025 einen tödlichen unprovozierten Biss.
Sorgt der Klimawandel für mehr Haiangriffe?
Der Klimawandel könnte dazu beitragen, dass Menschen in manchen Regionen häufiger auf Haie treffen. Durch die Erwärmung der Meere verändern sich die Lebensräume und Wanderungsrouten einiger Haiarten. Manche Tiere können dadurch Gebiete erreichen, in denen sie früher seltener vorkamen.
Auch Veränderungen bei Wassertemperatur, Beutetieren und Meeresströmungen können ihre Verbreitung beeinflussen. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass es zu mehr Haiangriffen kommt: Entscheidend ist auch, wie viele Menschen sich im Wasser aufhalten und wie häufig sie mit Haien in Kontakt kommen. Statistiken belegen bislang keinen weltweiten Anstieg, der sich eindeutig auf den Klimawandel zurückführen lässt.
Drei Definitionen zu Haiangriffen
Unprovozierter Biss
Ein Vorfall, bei dem ein Mensch im natürlichen Lebensraum des Hais ohne vorherige Provokation verletzt wird. Das Projekt International Shark Attack File erfasst solche Fälle in seiner Hauptstatistik.
Verwechslungsbiss
Ein Biss, bei dem ein Hai einen Menschen fälschlicherweise für Beute hält. Eine Sichtbehinderung durch aufgewühltes Wasser begünstigt solche Vorfälle.
International Shark Attack File (ISAF)
Eine Datenbank des Florida Museum of Natural History, die Vorfälle zwischen Haien und Menschen seit 1958 prüft und jährlich auswertet.
Drei Kurzantworten zu Haiangriffen
Wann greifen Haie Menschen an?
Meist bei schlechter Sicht, in der Dämmerung und in der Nähe von Beutefischen. Oft verwechseln Haie Menschen mit Beute.
Wie viele Menschen starben 2025 durch unprovozierte Bisse?
Weltweit kam es zu neun Todesfällen bei 65 bestätigten Bissen.
Wo gibt es die meisten Haibisse?
In den USA mit 25 Fällen. Die meisten tödlichen Fälle verzeichnete Australien.
Häufig gestellte Fragen zu Haiangriffen
Wie hoch ist das Risiko eines Haibisses?
Die ISAF hat weltweit nur 65 unprovozierte Bisse bestätigt. Die Forscher bezeichnen das Risiko daher als äußerst niedrig.
Welche Haie verursachen die meisten Todesfälle?
2025 gehen die meisten tödlichen Bisse auf Weiße Haie zurück. Bei der Mehrheit aller Einträge in der Datenbank ist die Art unbekannt.
Welche Tageszeit sollten Sie meiden?
Meiden Sie zum Schwimmen die Dämmerung und die Nacht, weil viele Haie dann aktiv sind und Nahrung suchen.
Was sollten Sie bei einer Haisichtung tun?
Verlassen Sie das Wasser langsam und ruhig. Vermeiden Sie hektische Bewegungen und laute Wassergeräusche, da diese das Tier aufscheuchen könnten. Warnen Sie nach Möglichkeit auch andere Badegäste.
Hat die Anzahl der Haibisse zugenommen?
Im Jahr 2025 lag die Zahl der Bisse nahe am Durchschnitt, während die Zahl der Todesfälle darüber lag. Ob sich daraus ein Trend entwickelt, wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen.