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Was bedeutet eigentlich Barrierefreiheit?

Foto: Envato / JuiceFlair

Was bedeutet eigentlich Barrierefreiheit?

Mit einer geplanten Gesetzesänderung will die Bundesregierung die Barrierefreiheit landesweit verbessern. Auch Privatfirmen sollen dabei in die Pflicht genommen werden. Doch was genau ist eigentlich Barrierefreiheit?

Die Definition von Barrierefreiheit

Barrierefreiheit hat die Aufgabe, Hindernisse im Alltag zu beseitigen und Angebote für alle Menschen zugänglich zu machen. Beispiele für physische Barrierefreiheit sind Rampen oder Aufzüge für Rollstuhlfahrer. Digitale Barrierefreiheit umfasst Websites, deren Inhalte für sehbehinderte Menschen vorgelesen werden können. Kommunikative Barrierefreiheit beinhaltet leicht lesbare Texte oder Gebärdensprachdolmetscher.

Der Begriff ist im Behindertengleichstellungsgesetz (BGG) und in der UN-Behindertenrechtskonvention direkt definiert. Laut dem Deutschen Behindertenrat profitieren in Deutschland etwa zehn Millionen Menschen von barrierefreien Lösungen. 

Warum ist Barrierefreiheit wichtig?

Ohne Barrierefreiheit sind viele Menschen von Bildung, Arbeit und Freizeitaktivitäten ausgeschlossen. Experten haben zudem festgestellt, dass Barrierefreiheit nicht nur Menschen mit Behinderung hilft, sondern den Zugang zu öffentlichen Angeboten für alle verbessert. So profitieren etwa Eltern mit Kinderwagen von stufenlosen Eingängen in Gebäude und ältere Menschen von gut lesbaren Schildern.

Wie sieht Barrierefreiheit im Alltag aus?

Barrierefreie Gebäude sind so gestaltet, dass sie für alle Menschen zugänglich sind. Dazu gehören stufenlose Zugänge für Rollstuhlfahrer und Menschen, die Gehhilfen benötigen. Ebenfalls wichtig sind Gänge sowie breite Türen, die auch mit einem Rollstuhl oder Kinderwagen passierbar sind.

Ertastbare Bodenmarkierungen helfen Sehbehinderten, den Weg zu Aufzügen oder Ausgängen zu finden. Ein Paradebeispiel für Barrierefreiheit ist der Berliner Hauptbahnhof, der seit 2008 als barrierefrei gilt.

Digitale Barrierefreiheit: Internet für alle

Digitale Barrierefreiheit bedeutet, dass Websites, Apps und digitale Dokumente so gestaltet sind, dass sie von möglichst vielen Menschen gelesen und bedient werden können. Ihre Textinhalte müssen von Programmen erfasst werden können, die diese für Menschen mit Sehbehinderungen intelligent vorlesen.

Außerdem müssen Kontraste und Schriftgrößen so gewählt sein, dass Texte für Menschen mit Sehschwächen gut lesbar sind. Durch Untertitel und Gebärdensprachvideos werden auch Videoinhalte für Menschen mit Hörbehinderungen zugänglich. Die Web Content Accessibility Guidelines (WCAG)

Quelle: YouTube / hellodesign.academy

Barrierefreie Kommunikation

Barrierefreie Kommunikation zielt darauf ab, Informationen so zu vermitteln, dass sie für alle Menschen verständlich sind. Ein Mittel der barrierefreien Kommunikation ist die Leichte Sprache. Leichte Sprache ist eine speziell geregelte, vereinfachte Fassung der deutschen Sprache. Diese basiert auf einfachen Sätzen und klar kommunizierten Informationen.

Auch Gebärdensprache ist Teil barrierefreier Kommunikation und ermöglicht es, Inhalte in Videos für Gehörlose zugänglich zu machen. Die Bundesregierung bietet ihre Websites und Dokumente zunehmend in Leichter Sprache an.

Diese Änderungen plant die Bundesregierung

Die Bundesregierung plant mit einer Reform des Behindertengleichstellungsgesetzes mehr Barrierefreiheit im Alltag. Künftig sollen nicht nur Behörden, sondern auch private Unternehmen stärker verpflichtet werden, Menschen mit Behinderungen den Zugang zu Angeboten und Dienstleistungen zu erleichtern. Dazu gehören etwa mobile Rampen und mehr barrierefreie Informationen, wie die Möglichkeit zum Vorlesen von Speisekarten in Restaurants.

Außerdem sollen mehr Inhalte in Leichter Sprache und Gebärdensprache bereitgestellt werden. Auch Formulare und Verwaltungsangebote sollen besser zugänglich gemacht werden. Bundesgebäude sollen schrittweise bis spätestens 2045 barrierefrei umgebaut werden. Menschen mit Behinderungen sollen zudem bessere Möglichkeiten erhalten, sich gegen fehlende Barrierefreiheit zu wehren, etwa durch kostenlose Schlichtungsverfahren.

Barrierefreiheit selbst umsetzen

Jeder kann einen Beitrag leisten. Prüfen Sie die Barrierefreiheit Ihrer Website mit dem WAVE-Evaluation-Tool. Nutzen Sie Leichte Sprache für wichtige Informationen, z. B. in Flyern oder auf Websites. Achten Sie auf hohen Kontrast und gut lesbare Schriften bei digitalen Inhalten und gedruckten Informationen.

Barrierefreiheit in Zahlen

  • 7,9 Millionen Menschen in Deutschland haben eine schwere Behinderung 
  • 22 Prozent der Bevölkerung sind über 65 Jahre alt und profitieren von barrierefreien Lösungen.
  • Laut der Bundesfachstelle Barrierefreiheit sind vier von fünf Onlineshops nicht barrierefrei.

Definitionen und Begriffserklärungen

Barrierefreiheit

Barrierefreiheit bedeutet, dass alle Menschen – unabhängig von körperlichen oder kognitiven Einschränkungen – gleichberechtigt am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Barrierefreiheit umfasst physische, digitale und kommunikative Aspekte. Der Begriff ist im Behindertengleichstellungsgesetz (BGG) und der UN-Behindertenrechtskonvention verankert.

Digitale Barrierefreiheit

Digitale Barrierefreiheit sorgt dafür, dass Websites, Apps und digitale Dokumente von allen verwendet werden können. Dazu gehören Screenreader-Tauglichkeit, hoher Kontrast für leichte Lesbarkeit, Untertitel und Gebärdensprache-Videos. 

Kommunikative Barrierefreiheit

Kommunikative Barrierefreiheit bedeutet, Informationen so aufzubereiten, dass sie für alle verständlich sind. Beispiele dafür sind Leichte Sprache, Gebärdensprache-Dolmetscher und Braille-Schrift.

Häufig gestellte Fragen zu Barrierefreiheit

Warum ist Barrierefreiheit wichtig?

Barrierefreiheit verbessert die Teilhabe an der Gesellschaft für alle und stärkt die Wirtschaft durch mehr Inklusion.

Was sind Beispiele für Barrierefreiheit?

Rollstuhltaugliche Rampen und Aufzüge, Screenreader-taugliche Websites, Leichte Sprache und Dolmetscher für Gebärdensprache.

Welche Gesetze regeln Barrierefreiheit in Deutschland?

Wichtige Gesetze sind das Behindertengleichstellungsgesetz (BGG), das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) und die UN-Behindertenrechtskonvention. Aktuell wird das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz beraten.

Wie kann ich überprüfen, ob eine Website barrierefrei ist?

Nutzen Sie das WAVE Evaluation Tool oder die digitale Barrierefreiheit-Checkliste der Aktion Mensch.

Was sind die häufigsten Barrieren im Alltag?

Häufige Barrieren sind Treppen, enge Türen, fehlende Untertitel in Videos, überkomplizierte Texte und schlechte Kontraste auf Websites.

Was ist der Unterschied zwischen Barrierefreiheit und Barrierearmut?

Barrierefreiheit bedeutet, dass keine Hindernisse vorhanden sind. Barrierearmut bedeutet, dass Hindernisse reduziert, aber nicht vollständig beseitigt wurden.

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