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Natürliche Denkmäler: Die erstaunlichsten Bäume der Erde

Foto: iStock / Meinzahn

Natürliche Denkmäler: Die erstaunlichsten Bäume der Erde

Sie sind höher als ein Wolkenkratzer, schwerer als ein Jumbo-Jet, und es gab sie schon, da hatte der Mensch noch nicht einmal das Rad erfunden: Die Bäume unseres Planeten haben manch unglaubliche Leistung vollbracht.

Wo der höchste Baum der Welt steht, ist ein großes Geheimnis. Nur einige wenige Forscher kennen seinen genauen Standort, tief im Redwood-Nationalpark in Kalifornien – zu groß ist die Angst, Touristen könnten den Giganten in Scharen umlagern und seine empfindlichen flachen Wurzeln zertrampeln. „Hyperion“, so wurde der Riesenbaum getauft, wie der Titan aus der griechischen Mythologie, ist sagenhafte 115,55 Meter hoch. Erst vor wenigen Jahren wurde er entdeckt.

Küstenmammutbäume wie „Hyperion“ werden viele hundert Jahre alt und größer als alle anderen Bäume der Erde. Forscher wissen von 41 Exemplaren, die über 110 Meter hoch sind. Doch obwohl „Hyperion“ heute als höchster Baum der Welt gilt, gab es in früheren Zeiten noch weitaus größere Bäume. So brachte es ein im 19. Jahrhundert gemessener australischer Rieseneukalyptus auf eine Höhe von 132,58 Metern – ein historischer Rekord.

Langes Leben, schneller Tod

Menschen werden schnell zur Gefahr für Bäume – auch für die zähesten unter ihnen. Traurige Berühmtheit erlangte zum Beispiel der Baum von Ténéré in der südlichen Sahara. Die Scheinakazie wuchs in lebensfeindlichster Umgebung, um sie herum gab es meilenweit nichts als Sand, Staub, Wüste, Hitze. Es hieß, sie sei der isolierteste Baum der Erde. Um überhaupt noch an Wasser zu gelangen, hatte sie ihre Wurzeln 35 Meter tief in die Erde gegraben. Auf diese Weise hatte das widerspenstige Gehölz 300 Jahre lang der Wüste getrotzt. Doch dann kam das Ende: Ein betrunkener Lastwagenfahrer schaffte es, den einzigen Baum im Umkreis von 400 Kilometern umzufahren. Heute ist der Baum im nigrischen Nationalmuseum aufgebahrt; an seinem ehemaligen Standort erinnert ein Gedenkbaum aus Metallrohren an ihn.
Ein längeres Leben war einem Baum im hohen Norden beschert: Eine kleine Fichte auf dem schwedischen Berg Fulu gilt heute als ältester Baum der Welt. Forscher der Universität Umea haben ihr Alter auf sagenhafte 9.550 Jahre datiert. Demnach ist die Fichte etwa doppelt so alt wie einige nordamerikanische Kiefern, die mit 4.000 bis 5.000 Jahren bislang als älteste lebende Bäume galten.

Raumübergreifendes Großgrün

„Raumübergreifendes Großgrün“ heißen Bäume im Beamtendeutsch – und manch ein Exemplar braucht tatsächlich enorm viel Platz. So findet sich, ebenfalls in Kalifornien, der größte Baum der Welt: Der 2.700 Jahre alte Riesenmammutbaum „General Sherman”, 1879 benannt nach einem Soldaten aus dem Amerikanischen Bürgerkrieg, hat ein Volumen von 1.490 Kubikmetern. Selbst wenn diesem General einmal ein Arm abfällt – so geschehen im Januar 2006, als die Pflanze einen dreißig Meter langen und zwei Meter dicken Ast verlor –, bleibt er noch das größte Gehölz der Erde.

Viel Platz braucht auch ein Cashewbaum am Strand von Parnamirim im Nordosten Brasiliens: Aufgrund eines genetischen Fehlers wachsen seine Äste nicht nach oben, sondern zur Seite. Unter ihrem eigenen Gewicht sinken sie zu Boden, wo sie neue Wurzeln schlagen – ein vermeintlich neuer Baum entsteht. Der Cashewbaum von Parnamirim hat mittlerweile die Größe eines Waldes erreicht: Er erstreckt sich über eine Fläche von 8.500 Quadratmetern.

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