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Muss ein Ungläubiger vor Gericht auf die Bibel schwören?

Foto: iStock / Wavebreakmedia

Muss ein Ungläubiger vor Gericht auf die Bibel schwören?

In Filmen sieht man oft, dass ein Zeuge vor Gericht auf die Bibel schwören muss – doch wie viel davon ist nur Hollywood-Storytelling?

Dass ein Zeuge in Deutschland bei einem Verfahren einen Schwur beziehungsweise Eid ablegen muss, ist die Ausnahme. Es liegt im Ermessen des Richters, ob dies nötig ist. In der Regel fordert er es nur bei besonders wichtigen Angaben, um Falschaussagen zu vermeiden. Allerdings sind auch Zeugen ohne Eid der Wahrheit verpflichtet.

Hierzulande legt der Zeuge seinen Schwur nicht auf die Bibel ab. Er kann den Eid aber mit religiöser Beteuerung ablegen und auf die Eidformel des Richters mit dem Zusatz „so wahr mir Gott helfe“ antworten. Den Schwur können Ungläubige ohne diesen Zusatz leisten. Wer hingegen einer anderen Glaubensgemeinschaft angehört, kann einen entsprechenden Zusatz an seinen Eid anhängen.

Welche Folgen hat ein Meineid?

Wer vor Gericht lügt, macht sich strafbar. Er muss sich wegen Meineides verantworten. Entscheidend für die Strafe ist das Motiv: Wenn durch die falsche Aussage eine Bestrafung einer Person verhindert werden sollte, handelt es sich um Strafvereitelung. Wenn dadurch sogar eine andere Person beschuldigt wird, um falsche Verdächtigung. Die Folge können eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren sein. Bei schwerer falschen Verdächtigung droht sogar eine Freiheitsstrafe von bis zu fünfzehn Jahren.

Schwört man in den USA wirklich noch auf die Bibel?

Was wir aus zahllosen Hollywood-Klassikern kennen, hat mit der heutigen Realität nur noch wenig zu tun. Amerikanische Filme greifen auf dieses Ritual vor allem deshalb zurück, weil es sofort wiedererkennbar ist und dramaturgisch zuverlässig funktioniert: Der Satz „Do you swear to tell the truth …?“ und die auf die Bibel gelegte Hand signalisieren dem Publikum auf Anhieb, dass hier eine Aussage unter Eid gemacht wird.

Hinzu kommt, dass das Schwören auf die Bibel in vielen US-Bundesstaaten tatsächlich lange gängige Praxis war – ein Bild, das sich dadurch tief in der Popkultur festgesetzt hat. In der gerichtlichen Praxis von heute sieht es jedoch anders aus: Viele Gerichte verzichten mittlerweile ganz auf die Bibel oder bieten von vornherein eine religionsneutrale Bekräftigung (Affirmation) an, die rechtlich genauso bindend ist wie der klassische Eid.

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