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Fischsterben in der Ostsee

Foto: Envato / APchannel

Fischsterben in der Ostsee

In der Kieler Förde und der Lübecker Bucht sind tausende Fische durch Sauerstoffmangel erstickt. Dahinter steckt ein Phänomen namens Upwelling – und der Klimawandel.

Am Wochenende des 20. September 2026 fanden Passanten in der Kieler Förde und der Lübecker Bucht tausende tote Fische. Die Tiere waren erstickt, bevor sie den Strand erreichten. Videos aus sozialen Netzwerken zeigten Menschen, die noch lebende Fische aus dem Wasser zogen und mitnahmen. Der Kommunale Ordnungsdienst musste das Ufer an der Hörn absperren.

Inzwischen prüft die Wasserschutzpolizei, ob es sich bei der Entnahme um Fischwilderei handelte. Ohne Angelschein ist das Mitnehmen von Fischen strafbar. Für bedrohte Arten wie Dorsch und Meerforelle gilt zudem ein Entnahmeverbot. Für die gefilmten Personen gilt die Unschuldsvermutung.

Warum gibt es im Herbst Todeszonen in der Ostsee?

Verantwortlich für das Sterben ist ein Effekt namens Upwelling. Wind, der vom Land in Richtung Meer oder See weht, drückt sauerstoffreiches Oberflächenwasser aufs offene Meer hinaus. Von unten strömt dafür sauerstoffarmes Tiefenwasser nach oben nach.

Laut Christopher Zimmermann, Leiter des Thünen-Instituts für Ostseefischerei, besteht das Problem den ganzen Sommer über. Allerdings wird es erst im Herbst durch bestimmte Windlagen sichtbar.

2020 kam es vor Warnemünde zu einem ähnlichen Phänomen

Vor einem Jahr ereignete sich ein sehr ähnlicher Fall vor Warnemünde in Mecklenburg-Vorpommern. Auch 2020 löste das Upwelling-Phänomen dort ein Fischsterben aus. Der Schweriner Umweltminister Till Backhaus bestätigte damals, dass eine Fischseuche als Ursache ausgeschlossen werden konnte und der Sauerstoffmangel im Tiefenwasser menschengemacht ist.

Was ist die Ursache der sauerstoffarmen Zonen?

Ein zentraler Einflussfaktor ist die Nährstoffüberfrachtung der Ostsee. Dünger aus der Landwirtschaft gelangt über Flüsse ins Meer und lässt Algen wachsen. Wenn diese Algen absterben, verbrauchen Bakterien beim Abbau große Mengen Sauerstoff in den tieferen Wasserschichten.

Der Klimawandel verschärft dieses Phänomen zusätzlich. Wärmeres Wasser kann weniger Sauerstoff aufnehmen als kaltes Wasser, wie das Kieler Geomar-Institut in einer Studie dokumentiert. Fortschritte bei der Reduzierung von Nährstoffeinträgen werden dadurch teilweise wieder zunichtegemacht.

Betroffene Fischbestände können sich kaum regenerieren

Das zyklische Auftreten des Phänomens macht die Erholung von Fischbeständen schwer. Jungtiere sterben häufig, bevor sie sich fortpflanzen können, sagt Zimmermann. Für manche Gewässer ist es bereits zu spät: Inzwischen gilt etwa der dänische Vejle-Fjord als biologisch tot. Es besteht die Gefahr, dass weitere Förden folgen könnten.

Der gravierende Sauerstoffmangel in der westlichen Ostsee besteht seit etwa sechs bis sieben Jahren. Im östlichen Teil der Ostsee ist die Situation schon deutlich länger angespannt. Grund dafür ist auch die Wassermenge, die aus der Nordsee einströmt und den Austausch begünstigt.

Was fordern Umweltverbände?

Der BUND Schleswig-Holstein verlangt eine Ausweitung des Meeresmonitorings, das die EU-Mitgliedsstaaten bereits vor rund zwanzig Jahren beschlossen haben. Verena Platt-Till vom BUND-Landesverband nennt das Fischsterben ein deutliches Warnsignal für die Gefahr, die von den Todeszonen ausgeht.

Konkret schlägt der Verband einen zehn Meter breiten Gewässerrandstreifen vor, auf dem weder gedüngt noch mit Pflanzenschutzmitteln gearbeitet werden darf. Darüber hinaus müssen Wechselwirkungen verschiedener Belastungen wie Schifffahrt, Offshore-Nutzung und militärische Aktivitäten gemeinsam betrachtet werden.

Wie geht es jetzt weiter?

Langfristig hängt die Erholung der Ostsee von zwei Faktoren ab: einer spürbaren Reduzierung der Nährstoffeinträge aus der Landwirtschaft und der Eindämmung der globalen Erwärmung. Während die Todeszonen weiterwachsen, bleiben beide Themen politisch umkämpft.

Definitionen und Begriffserklärungen zum Fischsterben in der Ostsee

Upwelling

Ein Windeffekt, bei dem ablandiger Wind (Wind, der vom Land in Richtung Meer oder See weht) das sauerstoffreiche Oberflächenwasser vom Ufer wegdrückt. Aus der Tiefe strömt dafür sauerstoffarmes Wasser nach, das Fische ersticken lässt.

Todeszone

Ein Meeresbereich, in dem der Sauerstoffgehalt im Tiefenwasser dauerhaft so niedrig ist, dass die meisten Organismen nicht überleben können. In der Ostsee gibt es mehrere solcher Zonen in den tieferen Beckenlagen.

Eutrophierung

Die Überdüngung eines Gewässers mit Nährstoffen wie Stickstoff und Phosphor. Dies führt zu übermäßigem Algenwachstum, dessen Abbau anschließend den Sauerstoff im Wasser verbraucht.

Drei Kurzantworten zum Fischsterben in der Ostsee

Warum sterben in der Ostsee Fische?

Sauerstoffmangel im Tiefenwasser – oft durch Upwelling-Winde im Herbst ausgelöst – lässt Fische ersticken, bevor sie flachere Bereiche erreichen können.

Ist das Fischsterben an der Ostsee eine neue Entwicklung?

Ähnliche Ereignisse gab es bereits 2020 bei Warnemünde. Der zugrunde liegende Sauerstoffmangel besteht seit sechs bis sieben Jahren.

Wer ist für die Todeszonen in der Ostsee verantwortlich?

Als Hauptursachen für die sauerstoffarmen Zonen gelten Nährstoffeinträge aus der Landwirtschaft und die Erwärmung der Meere durch den Klimawandel.

Häufig gestellte Fragen zum Fischsterben in der Ostsee

Welche Fischarten waren in Kiel betroffen?

Auf den Videoaufnahmen waren vor allem große Lachse, Dorsche und Meerforellen zu sehen. Vermutlich hat ein Teil der Tiere das Ereignis überlebt.

War die Entnahme der Fische durch Passanten erlaubt?

Nein, ohne Angelschein ist das Entnehmen von Fischen grundsätzlich verboten. Für Dorsch und Meerforelle gilt darüber hinaus ein Entnahmeverbot.

Was fordert der Umweltverband BUND?

Ein ausgeweitetes Meeresmonitoring sowie zehn Meter breite Gewässerrandstreifen entlang landwirtschaftlicher Flächen, auf denen nicht gedüngt werden darf.

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