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Die größten Fußballmythen und was wirklich dran ist

Foto: istock / Sergey Peterman

Die größten Fußballmythen und was wirklich dran ist

Gibt es Mannschaften, die besonders heimstark sind? Und ist der Platzverweis eines Spielers wirklich ein Nachteil für eine Mannschaft? Wissenschaftler haben bekannte Fußballmythen genauer unter die Lupe genommen - mit erstaunlichen Ergebnissen.

„Fußball ist ein Spiel, bei dem 22 Spieler hinter einem Ball herjagen und am Ende gewinnt immer Deutschland!“ So bitter beklagte sich englische Nationalspieler Gary Lineker nach dem verlorenen Halbfinale gegen Deutschland bei der Weltmeisterschaft 1990. Ein Mythos, der in die Geschichte einging. Andere Legenden jedoch lassen sich nicht so leicht von den Stammtischen verdrängen. Um herauszufinden, ob an den gängigsten Fußballmythen wirklich etwas dran ist, haben sich Wissenschaftler der Sache angenommen – und Tabellen und Statistiken von Bundesliga-Spielen und Weltmeisterschaften der letzten Jahrzehnte ausgewertet. Dabei erlebten sie so einige Überraschungen.

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Die größten Fußballmythen und was wirklich dran ist
Foto: istock / Kinemero

Mythos Nummer eins: Eine rote Karte schwächt die ganze Mannschaft.

Auf den ersten Blick scheint der Platzverweis eines Spielers ein Nachteil zu sein. Schließlich müssen verbliebenen Spieler nun in Unterzahl gegen ihre Kontrahenten antreten. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung jedoch hat etwas anderes herausgefunden. Die Forscher analysierten 637 Spiele von 17 Weltmeisterschaften, die zwischen 1930 und 2002 ausgetragen wurden, und stellten fest: Gerade einmal in zwanzig Prozent aller Fälle verschlechterte sich die bestrafte Mannschaft. In 16 Prozent verbesserte sie sogar ihr Ergebnis, und in den meisten Fällen – 63,9 Prozent – hatte die rote Karte keinen Einfluss auf den Spielverlauf. Dies galt insbesondere dann, wenn ein Spieler die Karte erst nach der sechzigsten Minute sah.

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Mythos Nummer zwei: Es gibt besonders heimstarke Mannschaften.

Keine Mannschaft spiele auswärts gerne gegen eine besonders heimstarke Mannschaft, so heißt es. Doch auch diese Ehrfurcht ist unbegründet, wie zwei deutsche Physiker errechnet haben. Für ihre Analyse hatten die beiden über 12.000 Bundesligaspiele untersucht und festgestellt: Zu Hause schießt zwar jede Mannschaft im Schnitt 0,7 Tore mehr als auswärts. Doch eine ausgeprägt heimstarke Mannschaft müsste sich von diesem Schnitt deutlich abheben – und das tat keine. Von besonderer Heimstärke kann also keine Rede sein.

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Mythos Nummer drei: Wenn die Mannschaft erst mal einen Lauf hat, ist sie unschlagbar.

„Die haben einen Lauf, die sind gerade unheimlich stark, seit vier Spielen ungeschlagen und kein Ende ist absehbar…“, so schwärmen Fußballkommentatoren gern und oft. Doch Siegesserien lassen sich statistisch nicht beweisen: Keine Mannschaft wird von Sieg zu Sieg immer nur stärker. Im Gegenteil, nach ein paar Siegen kann die Leistung sogar wieder rapide unter die Durchschnittsleistung sinken. Warum das so ist, ist unklar – vielleicht führt eine Erfolgssträhne vermehrt zu Leichtsinn oder gar Hochmut bei den Spielern. Zudem ist sie ein besonderer Anreiz für die Gegner, der Siegesserie einer Mannschaft ein Ende zu setzen.