Kommunikationstechnologien

So halten Eltern den Smartphone-Konsum ihrer Kinder unter Kontrolle

Jugendliche verbringen heute mehr Zeit im Internet als in der Schule. Vermeintlich überforderte Eltern haben dennoch eine Chance, die Kontrolle nicht ganz zu verlieren. Dazu sechs wertvolle Tipps.

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Ob in der S-Bahn, auf der Rolltreppe oder auf dem Weg zum Bäcker: Die Anzahl derer, die scheinbar permanent ins Smartphone blicken, ist erschreckend. Am gefährdetsten sind nach aktuellen Studien Teenager – im Schnitt bringen sie es auf sechs Stunden tägliche Online-Aktivität mit Phone, Konsole oder PC. Viele Eltern machen angesichts dieser Entwicklung einen überforderten, ja sogar hilflosen Eindruck. 
 
Digitaltrainer Daniel Wolf weiß aus seinen Vorträgen, die an Schulen vor Kindern, Lehrern und Eltern hält, wo die Probleme liegen. „Die meisten Eltern schieben das Thema weit von sich weg, weil es meistens außerhalb ihrer Reichweite geschieht. Die Kids verbarrikadieren sich im Zimmer, wenn sie zu Hause sind und die Eltern lassen sie gewähren, um nicht täglich immer wieder den massiven Konflikt eingehen zu müssen. Sind die Kids außer Haus, gibt es so gut wie keine Hindernisse mehr, permanent online zu sein, ausgenommen Handyverbote an Schulen während der Unterrichtszeit.“ 
 
Daniel Wolf rät den Eltern dazu, das Thema mit den Kindern auf Augenhöhe zu diskutieren. Dazu gehört schon mal ein gewisses Basiswissen, um überhaupt zu verstehen, was die Kinder im Netz so fasziniert, was sie spielen und auf welchen Kanälen sie kommunizieren. Ein zweiter wichtiger Punkt ist die Einsicht, dass Verbote absolut kein praktikabler Weg sind. Denn jeder, der sich an seine Jugend erinnert, weiß genau, dass ein Verbot in erster Linie dazu motiviert, es intelligent zu umgehen. 

Kommunikation statt Verbot – nur der Dialog kann Besserung bringen 

 Diese Maßnahmen können langfristig zu einem „Digitalfrieden“ zwischen Eltern und ihren Kindern führen: 
 
  1. Lieblings-Apps der Kids kennenlernen
    Es ist schwer, etwas zu reglementieren, dass man gar nicht kennt. Sprechen Sie mit den Kids über deren Lieblings-Apps, laden sie sich herunter und lernen dadurch die Welt der Kids besser kennen.

  2. Digital-Detox-Zeiten für die ganze Familie einplanen
    Einigen Sie sich auf gemeinsame Zeiten, in denen jeder in der Familie offline ist. In dieser Zeit sollte etwas Attraktives passieren, an dem alle in der Familie Spaß haben. Gemeinsames Kochen, endlich mal wieder spielen oder gemeinsam einen Schrank ausmisten. Stimmt das Programm, ist die vorübergehende Abstinenz schnell vergessen. 

  3. Cybermobbing offen ansprechen und die Kids vorbereiten
    Zumeist haben ja auch Erwachsene schon Ansätze von Cybermobbing erlebt, also beispielsweise die Belästigung, Bedrängung und Nötigung anderer Menschen über elektronische Kommunikationsmittel. Thematisieren Sie das offen mit den Kids. Zeigen Sie Beispiele aus Ihrer Erwachsenenwelt und erarbeiten Sie mit den Kids gemeinsam eine Art Checkliste und definieren Sie No-Gos, mit denen beginnendes Cybermobbing erkannt und sofort darauf reagiert wird.  

  4. Nachts kein Empfangsgerät im Jugendzimmer 
    Auch, wenn Ihr Kind offenbar noch pünktlich ins Bett geht, heißt das noch lange nicht, dass es dann auch ohne digitale Störung schläft. Untersuchungen haben gezeigt, dass Klassenchats im Prinzip ein 24-Stunden-Dienst sind. Also genügt schon ein Teenager, der gänzlich ohne Regeln erzogen wird, und nachts um halb vier 32 Smartphones auf den Nachttischen blinken, vibrieren oder klingeln lässt. 

  5. Tut weh, hilft aber: Gutes Vorbild sein
    Etwas kritisieren, regeln oder verbieten fällt dann besonders schwer, wenn der Erwachsene selbst sich den Vorwurf gefallen lassen muss, ständig aufs Smartphone zu schauen, weil zum Beispiel gerade im Liveticker die Lieblingsfußballmannschaft kickt. Gehen Sie mit gutem Beispiel voran, verzichten Sie aufs Dauer-Whatsappen und nutzen Sie selbst Ihr Smartphone kontrolliert und nach einem festen Zeitplan – zumindest zu Hause.  

  6. Router programmieren – dazu müssen Sie kein Programmierer sein
    Handelsübliche und verbreitete Router werden bereits ab Hersteller mit Möglichkeiten zu individuellen Einstellungen ausgeliefert. Setzen Sie sich in Ruhe mit der Bedienungsleitung auseinander, besuchen Sie in Ihrer Digitalzeit ein Forum zum Thema oder lassen Sie einen Bekannten vorbeikommen, der sich damit auskennt. In der Regel dauert es 15 Minuten, den Router familientauglich einzustellen, Zeiten und Berechtigungen zu definieren und Daten zu schützen – eine Viertelstunde, die sich mehrfach bezahlt macht. 

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