Kamelrennen: Aus einer Tradition wird ein Hightech-Sport

Früher wurden Kamelrennen in arabischen Ländern nur zu besonderen Anlässen veranstaltet. Doch inzwischen hat sich die Tradition zu einer beliebten Sportveranstaltung entwickelt – wie hierzulande das Pferderennen.

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Kamelrennen haben in arabischen Ländern Tradition. Neben ihrer Arbeit als treue und genügsame Lasttiere für die Durchquerung der Wüste laufen Kamele schon seit Hunderten von Jahren um die Wette. Traditionell wurden die Rennen allerdings nur zu besonderen Anlässen wie religiösen Feiern, Hochzeiten oder dem Besuch bedeutender Gäste veranstaltet. Seitdem das Kamel jedoch weitgehend als Lasttier ausgedient hat und Karawanen nur noch für Touristen durch die Wüste ziehen, hat sich das Kamelrennen immer mehr zu einer Sportveranstaltung entwickelt wie bei uns das Pferderennen.

Jungtiere, zumeist drei oder vier Jahre alt, legen bei den Kamelrennen Strecken von zehn Kilometern und mehr zurück. Mit mehr als sechzig Stundenkilometern rasen die hochgewachsenen Tiere über die Rennbahn und werden dabei selbst zu Sportstars. Längst haben die arabischen Scheiche Gefallen an den schnellen Läufern gefunden – und machen den Sport mit ihrem Geld immer mehr zu einer Hightech-Veranstaltung. Hartes Training, umfangreiche medizinische Betreuung in Kamelkliniken, ausgewogene Ernährung und natürlich der richtige Stammbaum sollen die Tiere zum Erfolg führen.

Rennkamelzucht in der Wüste

Rennkamele werden aufwändig gezüchtet. Ungefähr neunzig Prozent von ihnen sind weiblich. Da man sie zwar als Zuchtkamele nutzen möchte, sie gleichzeitig aber nicht für eine ganze Saison aus dem Rennen nehmen will, werden Leihmütter für das Austragen des Nachwuchses eingesetzt. Der Zuchtvorgang läuft genau nach Plan ab: Zunächst werden die Zuchtkamele mit speziellen Hormonpräparaten behandelt. Dadurch produzieren sie dutzende Eizellen statt wie sonst nur eine. Ist der Zeitpunkt geeignet, erfolgt die künstliche Befruchtung.

Da aber männliche Kamele nur über eine geringe Libido verfügen, bedienen sich die Züchter eines Tricks, um an genügend Sperma für alle Muttertiere zu gelangen: Ein Hengst darf seinem Trieb nur unter Aufsicht nachgehen. Während er glaubt, die Kameldame zu begatten, wird sein Sperma in einem Beutel aufgefangen. Enthält es genügend lebende Spermien, können damit gleich mehrere Weibchen auf einmal befruchtet werden.

Acht Tage nach der künstlichen Befruchtung werden den Zuchttieren die befruchteten Eizellen wieder entnommen. Dies geschieht mit Hilfe einer speziellen Flüssigkeit, mit der die Embryos aus der Gebärmutter herausgespült werden. Dieses Ausspülen ist eine heikle Angelegenheit, denn noch sind die befruchteten Eizellen winzig und mit bloßem Auge nicht zu erkennen. Sie werden unter einem Mikroskop in eine Pipette aufgezogen und der Leihmutter eingepflanzt. Für den Scheich lohnt sich der ganze Aufwand: Mit dieser Methode können viel mehr Nachkommen seiner guten Rennkamele produziert werden, als es auf natürliche Weise je möglich wäre. Und: Für die schnellsten Rennkamele werden Summen von bis zu einer Million Dollar bezahlt.

Roboter ersetzen Kinderjockeys

Bei den Rennen sitzen inzwischen nicht mehr Menschen, sondern Roboter auf den Kamelen. Denn Kinder als Jockeys – wie vorher üblich – wurden in den Arabischen Emiraten und in Katar inzwischen verboten. Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International und UNICEF hatten seit Langem die Ausbeutung von Kindern als Kamel-Jockeys kritisiert. Sie waren als Reiter sehr begehrt, weil sie sehr leicht sind. Viele der Kinderjockeys stammten aus Südostasien und wurden ihren Familien abgekauft oder sogar entführt. Manche waren gerade einmal vier Jahre alt. Sie lebten in sklavenähnlichen Verhältnissen und wurden auf Diät gesetzt, um nicht zu schwer zu werden. Viele trugen neben der psychischen Belastung auch massive Gesundheitsschäden davon – und viele kamen ums Leben. Dank der neuen Gesetze und den modernen Robotern scheint zum Glück nun ein Ende solcher Praktiken in Sicht.

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