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Wie gefährlich ist eine Sturmflut an der Nordsee?

Foto: Envato / wirestock

Wie gefährlich ist eine Sturmflut an der Nordsee?

Das Tief „Manja“ bringt weiterhin stürmisches Wetter in den Norden Deutschlands. Für die Nordseeküste wird heute Mittag eine weitere Sturmflut erwartet. Welche Folgen drohen?

Was ist eine Sturmflut?

Eine Sturmflut entsteht, wenn der Wasserstand an einer Küste durch starke Winde deutlich ansteigt. Die Nordseeküste gilt als besonders gefährdet. An der deutschen Nordseeküste spricht man von einer Sturmflut, wenn das Hochwasser mindestens 1,5 Meter höher ausfällt als der mittlere Hochwasserstand. Bei besonders schweren Ereignissen kann das Wasser jedoch noch deutlich höher steigen und tief liegende Küstengebiete, Straßen und Gebäude überfluten.

Die Ursache ist meist ein kräftiger Wind, der das Wasser aus Richtung des Meeres gegen die Küste drückt. Gleichzeitig kann ein niedriger Luftdruck den Wasserstand zusätzlich anheben. Wenn starke Winde auf eine ungünstige Gezeitenlage treffen, etwa bei einer ohnehin bevorstehenden Flut, steigt das Risiko einer Sturmflut. Wie hoch das Wasser tatsächlich steigt, hängt unter anderem von der Windrichtung, der Stärke und Dauer des Sturms sowie von der Form der Küste ab.

Drei Stufen ordnen den Wasserstand ein

Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) unterscheidet an der Nordsee drei Klassen. Die Sturmflut reicht von 1,5 bis 2,5 Meter über dem mittleren Hochwasser, die schwere von 2,5 bis 3,5 Meter und die sehr schwere liegt darüber.

Bei Sturmtief „Nadia“ Ende Januar 2022 rechnete das BSH ursprünglich für Hamburg mit bis zu drei Metern über dem mittleren Hochwasser. Auf der Nordsee erreichten die Wellen bei Windstärke 10 sechs bis sieben Meter, ein Mensch starb.

Die Gefahren durch Windstau

Eine der Hauptursachen für Sturmfluten ist Windstau. Dabei drückt starker, anhaltender Wind große Wassermengen in Richtung Küste, wodurch der Meeresspiegel ansteigt. Je nach Windrichtung, -stärke und -dauer kann sich das Wasser um mehrere Meter auftürmen. Fällt dieser zusätzliche Wasseranstieg mit dem regulären Hochwasser zusammen, kann der Wasserstand so stark ansteigen, dass eine Sturmflut entsteht.

Zusätzliche Gefahren durch Tidehochwasser und Springflut

Wenn eine Sturmflut mit einem regulären Tidehochwasser zusammenfällt, kann der Wasserstand besonders stark ansteigen. Als Tidehochwasser wird der höchste Wasserstand bezeichnet, den das Meer im regelmäßigen Wechsel von Ebbe und Flut erreicht.

Noch höher fällt der Wasserstand aus, wenn gleichzeitig eine Springflut auftritt. Eine Springflut ist ein besonders hoher Wasserstand bei Flut, der entsteht, wenn Sonne, Mond und Erde in einer Linie stehen und ihre Anziehungskräfte sich verstärken.

Dabei sind die Unterschiede zwischen Ebbe und Flut besonders groß. Entscheidend ist also, zu welchem Zeitpunkt der Sturm auf die Küste trifft und wie stark Wind und Gezeiten zusammenwirken. Allerdings können auch ungewöhnlich starke oder lang anhaltende Winde bei Niedrigwasser einen erheblichen Windstau verursachen.

Ein Sturm bei Ebbe bedeutet deshalb nicht automatisch Entwarnung: Hält der Wind lange genug an oder dreht er in eine ungünstige Richtung, kann der Wasserstand weiterhin gefährlich steigen.

Welche Folgen hat eine Sturmflut an der Nordsee?

Die Folgen einer Sturmflut an der Nordsee können von überfluteten Straßen und Häfen bis hin zur Überschwemmung ganzer Landstriche reichen. Besonders gefährdet sind tief liegende Küstengebiete, in denen das Wasser bei einem starken Sturm über Ufer und Deiche treten kann. Auch der Verkehr und die Versorgung der Menschen können erheblich beeinträchtigt werden.

Bei Sturmtief „Nadia“ im Januar 2022 wurde etwa der Hamburger Fischmarkt überflutet. Auf den Halligen in Nordfriesland fielen zeitweise die Fährverbindungen aus, sodass die kleinen Inseln nur eingeschränkt erreichbar waren. Bei schweren Sturmfluten können außerdem Häuser, Straßen und landwirtschaftliche Flächen beschädigt werden. Salzhaltiges Meerwasser kann Böden und Trinkwasserressourcen beeinträchtigen, während starke Strömungen und Treibgut Menschen in Gefahr bringen.

Wie schwer die Schäden ausfallen, hängt unter anderem von der Höhe des Wasserstands, der Dauer der Überflutung und dem Zustand der Küstenschutzanlagen ab.

Was erwarten Experten für die aktuelle Sturmflut an der Nordsee?

Nach Angaben des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) wird das Mittags- beziehungsweise Nachmittagshochwasser an der ostfriesischen Küste voraussichtlich ein bis 1,5 Meter höher als das mittlere Hochwasser ausfallen. Im Weser- und Elbegebiet werden rund 1,5 Meter zusätzlich erwartet, an der nordfriesischen Küste sogar 1,5 bis zwei Meter. Gefährdet sind vor allem tiefliegende Hafenflächen, Strände und küstennahe Grünflächen. Die Behörden empfehlen, Warnmeldungen zu beachten und überschwemmungsgefährdete Bereiche zu meiden.

Ohne Deiche stünde ein Viertel eines Bundeslandes unter Wasser

Experten zufolge würde Schleswig-Holstein bei einer extremen Sturmflut mit einem Wiederkehrintervall von 200 Jahren ohne Deiche auf einer Fläche von knapp 4000 Quadratkilometern, was etwa einem Viertel der Landesfläche entspricht, überflutet werden. Schwere Sturmfluten hatten über die Jahrhunderte hinweg verheerende Folgen für die Menschen.

Deiche senken das Risiko, können es jedoch nicht vollständig beseitigen. Ob sie künftig ausreichen, untersucht unter anderem die KLIWAS-Studie zu den Auswirkungen des Klimawandels auf das Sturmflutrisiko an der deutschen Nordseeküste.

Wer warnt vor der nächsten Sturmflut?

Bei der Einschätzung der Sturmflutgefahr sind amtliche Warnungen und regionale Informationen von großer Bedeutung. Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) beobachtet die Wasserstände an der deutschen Nordseeküste und gibt Sturmflutwarnungen heraus. Ergänzend dazu stellen Landesbehörden wie der Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein (LKN.SH) regionale Wasserstandsinformationen und Hinweise zur Lage vor Ort bereit.

Bei angekündigten Stürmen sollten Sie diese Meldungen regelmäßig prüfen, denn die Vorhersagen können sich kurzfristig ändern. Wenn der Wind dreht, seine Stärke zunimmt oder er länger anhält als erwartet, kann sich auch der Wasserstand anders entwickeln als zunächst prognostiziert. Dies betrifft insbesondere Menschen, die in Küstennähe wohnen, dort arbeiten oder einen Ausflug an die Nordsee planen. Informieren Sie sich deshalb vor der Anreise über die aktuelle Lage und beachten Sie Absperrungen sowie Anweisungen der örtlichen Behörden.

Definitionen und Begriffserklärungen zur Sturmflut an der Nordsee

Sturmflut

Ein Hochwasser, das an der Nordsee mindestens 1,5 Meter über dem mittleren Hochwasser liegt. Es wird gemeinsam durch Wind und Gezeiten verursacht.

Windstau

Anhaltender Wind schiebt Wasser gegen die Küste und treibt den Pegel über den Wert, den die Gezeiten allein ergäben.

Springtide

Eine Tide mit besonders hohem Tidehub. Sie tritt um Neumond und Vollmond auf und verstärkt die Wasserstände bei Sturmfluten zusätzlich. Der Tidehub ist der Höhenunterschied zwischen dem niedrigsten Wasserstand bei Ebbe und dem höchsten Wasserstand bei Flut.

Drei Kurzantworten zur Sturmflut an der Nordsee

Wie entsteht eine Sturmflut an der Nordsee?

Meist durch Windstau bei anhaltendem Westwind, der sich meist durch Tidehochwasser oder Springflut verstärkt.

Ab wann gilt eine Sturmflut an der Nordsee als schwer?

Ab 2,5 Metern über dem mittleren Hochwasser.

Wer warnt vor Sturmfluten an der Nordsee?

Warnungen werden vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) veröffentlicht.

Häufig gestellte Fragen zur Sturmflut an der Nordsee

Wann tritt an der Nordsee eine Sturmflut auf?

Dies ist der Fall, wenn das Hochwasser mindestens 1,5 Meter über dem mittleren Hochwasser liegt. Meist geht ihm ein Sturmtief mit anhaltendem Westwind voraus.

Warum spielen Neumond und Vollmond eine Rolle für Sturmfluten?

Bei Neumond und Vollmond sind die Tidebewegungen stärker. Trifft ein Sturm darauf, werden noch höhere Pegel erreicht.

Kann eine Sturmflut bei Ebbe auftreten?

Sehr starke oder lang anhaltende Winde können das Wasser auch bei Ebbe aufstauen.

Welche Gebiete sind gefährdet?

Gefährdet sind beispielsweise Küsten und Flussmündungen an der Nordsee wie die Elbmündung bei Hamburg. In Schleswig-Holstein betrifft es ohne Deiche rund ein Viertel der Landesfläche.

Wo finde ich aktuelle Warnungen?

Aktuelle Sturmflutwarnungen veröffentlicht das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) auf seiner Website unter www.bsh.de. Für regionale Informationen zu den Wasserständen und zur Lage an der Küste Schleswig-Holsteins können Sie zusätzlich die Website des Landesbetriebs für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein (LKN.SH) nutzen.

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