Was geschah am 13. Oktober am Flughafen Nürnberg?
Zwischen 2 und 4 Uhr in der Nacht zum 13. Oktober meldeten drei Piloten unabhängig voneinander ein Objekt, bei dem es sich höchstwahrscheinlich um eine Drohne handelte. Alle Piloten befanden sich im Start- oder Landeanflug.
Diese beiden Phasen gehören zu den sensibelsten eines Fluges, da das Flugzeug niedrig und langsam fliegt und die Besatzung somit kaum Zeit zum Ausweichen hat. Hinzu kommt, dass die Arbeitsbelastung durch Funkverkehr und Konfigurationswechsel am höchsten ist. Im Höhenbereich von Flugzeugen beim Start- und Landeanflug bewegen sich auch Drohnen.
Zwei ankommende Maschinen wichen vorsorglich nach Köln und Prag aus und landeten später in Nürnberg. Sechs Flüge verspäteten sich, darunter zwei Ankünfte und vier Abflüge. Die Grenzpolizeiinspektion Nürnberg-Flughafen suchte gemeinsam mit dem Flughafen und der Deutschen Flugsicherung nach dem Flugobjekt, auch mithilfe eines Polizeihubschraubers. Eine Sichtung ließ sich bislang nicht bestätigen. Die Ermittlungen laufen.
Ähnliche Vorfälle sind bereits bekannt: Am 14. September 2020 unterflog etwa eine mit 149 Personen besetzte Boeing 737 im Landeanflug eine beleuchtete Drohne in einem Abstand von etwa 50 Metern. Die Kriminalpolizei leitete ein Ermittlungsverfahren wegen gefährlichen Eingriffs in den Flugverkehr ein, da die Drohne ohne Erlaubnis im kontrollierten Luftraum flog. Die Fahndung nach dem Betreiber blieb jedoch ohne Ergebnis.
Wie gefährlich ist ein Zusammenstoß zwischen einer Drohne und einem Flugzeug?
In einer Taskforce untersuchte die europäische Flugsicherheitsbehörde EASA Drohnen mit einem Gewicht von 0,25 bis 3,5 Kilogramm. Sie stufte Batterien und Motoren als kritische Bauteile ein und prüfte, wie verwundbar Cockpitscheiben, Triebwerke und der Rumpf sind. Die US-Behörde FAA verglich Drohneneinschläge mit Vogelschlägen gleichen Gewichts und gleicher Geschwindigkeit. Das Ergebnis: Drohnen richten aufgrund ihrer Zusammensetzung aus stabilen Materialien größeren Schaden an.
Besteht beim Zusammenstoß mit einer Drohne Absturzgefahr?
Ein Zusammenstoß mit einer Drohne kann somit im schlimmsten Fall zum Absturz eines Flugzeugs führen. Wie groß die Gefahr ist, hängt unter anderem von der Größe und dem Gewicht der Drohne, der Aufprallgeschwindigkeit und der getroffenen Stelle ab. Besonders kritisch sind Kollisionen mit Triebwerken, dem Cockpit oder wichtigen Steuerungskomponenten.
Gelangt eine Drohne in ein Triebwerk, können ihre Teile Schäden verursachen und die Leistung beeinträchtigen. Große Passagierflugzeuge sind zwar besonders robust konstruiert, doch lässt sich auch hier ein Absturzrisiko nicht grundsätzlich ausschließen.
Steckt Russland hinter dem Vorfall am Flughafen Nürnberg?
Bislang gibt es keine öffentlich bekannten Belege dafür, dass Russland für den Vorfall verantwortlich ist. Allerdings stehen mögliche Drohnensichtungen an deutschen Flughäfen vor dem Hintergrund einer angespannten Sicherheitslage. Im August 2026 hatten deutsche Behörden Russland für einen vereitelten Drohnenangriff auf einen deutschen Flughafen verantwortlich gemacht. Moskau wies die Vorwürfe zurück.
Ob der Vorfall in Nürnberg mit solchen Aktivitäten zusammenhängt, ist nicht bekannt. Auch eine gezielte Störaktion oder eine andere Ursache lässt sich derzeit nicht belegen. Die Ermittlungen müssen zunächst klären, ob tatsächlich eine Drohne im Einsatz war und wer sie gesteuert hat.
Wie häufig stören Drohnen den Flugverkehr?
Das Luftfahrt-Bundesamt hat 2025 bundesweit 226 Drohnenereignisse erfasst. Die Flugsicherung zählte für das Jahr 2025 rund 225 Behinderungen, nach 161 im Vorjahr. In den ersten sechs Monaten des Jahres 2026 registrierte die Deutsche Flugsicherung (DFS) bereits 145 Behinderungen, 90 Prozent davon im Umfeld von Flughäfen. Von Januar bis April waren es 108, mehr als doppelt so viele wie im Vorjahreszeitraum.
Ein Teil des Anstiegs geht auf eine bessere Erkennung zurück: Am Flughafen BER nennt die DFS ein neues Detektionssystem als möglichen Grund für die hohen Zahlen.
Die Schäden gehen in die Millionen
Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) bezifferte den betriebswirtschaftlichen Schaden für das Jahr 2025 auf mindestens 60 Millionen Euro. Durch Verspätungen und Streichungen kam es laut Experten zu Folgekosten von bis zu 160 Millionen Euro.
Als der Münchner Flughafen im Oktober 2025 an zwei Abenden in Folge den Betrieb einstellte, waren in der zweiten Nacht rund 6500 Reisende betroffen. Der Flughafen Nürnberg diente dabei als Ausweichziel für umgeleitete Flüge.
Wo dürfen Drohnen rund um den Flughafen Nürnberg fliegen?
Drohnenflüge sind in einem Umkreis von 1,5 Kilometern um Flughäfen verboten. Weiterhin liegen große Teile des Nürnberger Stadtgebiets in der Kontrollzone des Flughafens. Für Drohnenflüge in diesem Gebiet ist eine Freigabe der Deutschen Flugsicherung (DFS) erforderlich. Die Rechtsgrundlagen sind die EU-Durchführungsverordnung 2019/947 und die Luftverkehrs-Ordnung (LuftVO).
Wer schützt den Luftraum über Flughäfen?
Die DFS ist für das Aufspüren von Drohnen zuständig. Die Abwehr gilt hingegen als Aufgabe der Bundes- und Landespolizei. Einige Experten beschreiben ein Nebeneinander der Zuständigkeiten und die rechtliche Lage zur Drohnenabwehr als unzureichend geklärt.
Dies erschwert eine schnelle Reaktion auf Bedrohungen. Laut DFS geben Piloten im Flug den Großteil der Meldungen ab, weitere Fälle werden von den Lotsen im Tower festgestellt. Somit erfahren die Behörden von vielen Drohnen erst, wenn eine Besatzung sie im Anflug sieht. Das aktuelle Meldesystem ist somit ausbaufähig und überlässt noch viel dem Zufall.
Definitionen und Begriffserklärungen zu Drohnen
Kontrollzone
Die Kontrollzone ist der Luftraum rund um einen Flughafen, in dem die Flugsicherung den Verkehr steuert. In Nürnberg liegen große Teile des Stadtgebiets darin. Drohnenpiloten benötigen dort eine Freigabe der DFS.
Drohnendetektion
Drohnendetektion bezeichnet Verfahren, mit denen Radar, Sensoren oder Kameras unbemannte Fluggeräte aufspüren. In Deutschland ist die DFS für das Aufspüren zuständig, die Abwehr liegt bei der Polizei.
Drohnenschlag
Ein Drohnenschlag ist der Zusammenstoß einer Drohne mit einem bemannten Luftfahrzeug. Nach Berichten von EASA und FAA verursachen Drohnen bei gleicher Masse und Geschwindigkeit größere Schäden als Vögel.
Drei Kurzantworten zu Drohnen am Flughafen Nürnberg
Wie gefährlich sind Drohnen für Flugzeuge?
Drohnen können Cockpitscheiben, Triebwerke und Rumpf beschädigen. Wegen starrer Bauteile, Motoren und Akkus richten sie laut FAA-Studie mehr Schaden an als ein Vogelschlag.
Wie nah dürfen Drohnen an einen Flughafen?
In einem Radius von 1,5 Kilometern um Flughäfen sind Drohnenflüge verboten. In der Kontrollzone, etwa in großen Teilen Nürnbergs, benötigen Sie eine Freigabe der DFS.
Was geschieht bei einer Drohnensichtung am Flughafen?
Die Flugsicherung schränkt den Betrieb ein oder setzt ihn aus, Flüge weichen aus, und die Polizei sucht das Objekt. Am Flughafen Nürnberg wichen am 13. Oktober 2026 zwei Maschinen nach Köln und Prag aus.
Häufig gestellte Fragen zu Drohnen am Flughafen Nürnberg
Was geschah am 13. Oktober 2026 am Flughafen Nürnberg?
Zwischen 2 und 4 Uhr meldeten drei Piloten unabhängig voneinander ein mögliches Drohnenobjekt. Zwei Flüge wichen aus, sechs verspäteten sich. Eine Sichtung ließ sich bislang nicht bestätigen.
Wer ermittelt nach der Drohnensichtung?
Die Grenzpolizeiinspektion Nürnberg-Flughafen ermittelt in Abstimmung mit dem Flughafen sowie der Deutschen Flugsicherung.
Wie viele Störungen durch Drohnen gibt es in Deutschland?
Das Luftfahrt-Bundesamt (LBA) hat im Jahr 2025 insgesamt 226 Drohnenereignisse erfasst. Die DFS zählte im ersten Halbjahr 2026 bereits 145 Behinderungen des Luftverkehrs.
Welchen Schaden verursachen Störungen durch Drohnen?
Laut DLR beläuft sich der Schaden für das Jahr 2025 auf mindestens 60 Millionen Euro, mit Folgekosten von bis zu 160 Millionen Euro.