Was ist eine Leihmutterschaft?
Bei einer Leihmutterschaft trägt eine Frau ein Kind für andere aus. Sie bringt das Kind zur Welt, gibt es aber nach der Geburt an die „Wunscheltern“ ab.
Fachleute unterscheiden zwei Formen: die traditionelle Leihmutterschaft, bei der die austragende Frau auch genetisch mit dem Kind verwandt ist, und die gestationelle Leihmutterschaft. Bei Letzterer stammt die Eizelle von einer anderen Frau oder einer Spenderin, sodass die Leihmutter selbst keine genetische Verbindung zum Kind hat. Genau diese Variante wählen die meisten Paare heute, weil sie rechtlich einfacher zu regeln ist.
Wie läuft eine Leihmutterschaft ab?
Meistens beginnt der Prozess mit einer spezialisierten Agentur. Diese vermittelt eine passende Leihmutter, prüft deren gesundheitliche und persönliche Situation und begleitet den Ablauf organisatorisch.
Im nächsten Schritt wird durch eine künstliche Befruchtung ein Embryo erzeugt, wobei häufig die Samenzelle des „Wunschvaters“ und die Eizelle einer separaten Spenderin verwendet werden. Dieser Embryo wird der Leihmutter eingesetzt. Von der ersten Beratung bis zur Geburt und der rechtlichen Anerkennung im Heimatland vergehen in der Regel 18 bis 24 Monate.
Der Leihmutterschaftsvertrag
Vor der Schwangerschaft schließen Wunscheltern und Leihmutter einen Vertrag, der ihre Rechte und Pflichten sowie die Herausgabe des Kindes regelt. In vielen US-Bundesstaaten, wie beispielsweise Kalifornien, folgt darauf eine gerichtliche „Pre-Birth-Order“.
Dieser Beschluss legt die rechtliche Elternschaft bereits vor der Geburt fest, sodass keine zusätzliche Adoption mehr nötig ist. In anderen Bundesstaaten existieren solche klaren Regeln nicht, weshalb Fachleute davon abraten, dort eine Leihmutterschaft durchzuführen.
Ist Leihmutterschaft in Deutschland erlaubt?
Sowohl das Embryonenschutzgesetz als auch das Adoptionsvermittlungsgesetz verbieten die Vermittlung und Durchführung von Leihmutterschaften in Deutschland. Damit wollte der Gesetzgeber die Behandlung von Kindern als Ware sowie die mögliche Ausbeutung von Frauen verhindern. Auch die CDU lehnt die Leihmutterschaft aus ethischen Gründen ab. Spahn selbst hat sich als Bundesminister für Gesundheit bereits entschieden gegen eine Legalisierung ausgesprochen.
Was ist, wenn das Kind im Ausland geboren wurde?
Strafbar ist nach deutschem Recht nur die im Inland durchgeführte Leihmutterschaft. Wird das Kind im Ausland geboren, prüfen deutsche Behörden anschließend, ob die dort festgestellte Elternschaft anerkannt werden kann. Für den genetischen Vater gelingt die Anerkennung in der Praxis meistens. Für einen Elternteil, der keine genetische Verbindung zum Kind hat, bleibt oft nur die Adoption.
Welche Kritik gibt es an dem Vorgehen von Jens Spahn?
Spahn wird von seinen Kritikern Doppelmoral vorgeworfen. Der bereits häufig kritisierte Politiker macht von einer Praxis Gebrauch, die seine eigene Partei ablehnt und gegen die er sich bereits persönlich ausgesprochen hat.
Vor allem in den sozialen Netzwerken wird diskutiert, ob dieses Vorgehen mit den Werten vereinbar ist, für die Spahns Partei öffentlich eintritt. In den Medien ist von einem sechsstelligen Betrag die Rede, den Spahn und sein Mann Hendrik Streeck für die Abwicklung der Leihmutterschaft gezahlt haben sollen.
Leihmutterschaft in Deutschland – eine Zwei-Klassen-Gesellschaft?
Auch die Handhabung von Leihmutterschaft in Deutschland wird massiv kritisiert. Während das Verbot im Inland bestehen bleibt, nutzen zahlungskräftige Paare legal die liberaleren Regeln anderer Länder. Im Ausland durch Leihmutterschaft gezeugte Kinder in Deutschland großzuziehen, ist weiterhin legal.
Kritiker und Kritikerinnen sehen darin ein Zwei-Klassen-System: Wer sich die oft hohen Kosten einer Leihmutterschaft im Ausland leisten kann, kann das deutsche Verbot umgehen. Wer das nötige Geld nicht aufbringen kann, hat das Nachsehen. Diese Ungleichheit könnte in den nächsten Wochen die politische Debatte weiter befeuern.
In welchen Ländern neben den USA ist die Leihmutterschaft noch erlaubt?
Laut der Leihmutterschaftsagentur Gestlife ist Leihmutterschaft außer in den USA in sieben weiteren Ländern unter jeweils unterschiedlichen rechtlichen Voraussetzungen zulässig. In Kanada steht sie – ähnlich wie in den USA – verheirateten und unverheirateten Paaren, Alleinstehenden, gleichgeschlechtlichen Paaren sowie Transpersonen offen. Allerdings ist dort ausschließlich die altruistische Leihmutterschaft erlaubt, bei der die Leihmutter keine Vergütung, sondern lediglich eine Erstattung ihrer nachgewiesenen Auslagen erhalten darf.
Deutlich strengere Vorgaben bezüglich der Wunscheltern gelten in anderen Staaten. In der Ukraine beispielsweise dürfen nur verheiratete heterosexuelle Paare eine Leihmutterschaft in Anspruch nehmen. In Kasachstan und Armenien ist die Leihmutterschaft nur verheirateten Paaren gestattet, während Georgien zusätzlich unverheiratete Paare zulässt, die seit mindestens einem Jahr zusammenleben. Albanien erlaubt darüber hinaus auch alleinstehenden Männern den Zugang, Griechenland hingegen alleinstehenden Frauen.
Im Gegensatz zu Kanada gestatten diese sechs Länder eine kommerzielle Leihmutterschaft, bei der die Leihmutter für ihre Schwangerschaft vergütet werden darf.
Definitionen und Begriffserklärungen
Leihmitterschaft
Eine Frau trägt für andere ein Kind aus und übergibt es nach der Geburt an die Wunscheltern. Man unterscheidet die traditionelle Form mit genetischer Verbindung zur Leihmutter und die gestationelle Form ohne diese Verbindung.
Pre-Birth-Order
Eine gerichtliche Entscheidung in bestimmten US-Bundesstaaten, die die rechtliche Elternschaft der Wunscheltern bereits vor der Geburt des Kindes festlegt.
Gestationelle Leihmutterschaft
Eine Form der Leihmutterschaft, bei der die austragende Frau nicht die genetische Mutter des Kindes ist, weil eine fremde Eizelle verwendet wurde.
Häufig gestellte Fragen zur Leihmutterschaft
Ist Leihmutterschaft in Deutschland legal?
Leihmutterschaft ist gemäß dem Embryonenschutzgesetz und dem Adoptionsvermittlungsgesetz verboten und wird bestraft, wenn sie im Inland durchgeführt wird.
Wie lange dauert eine Leihmutterschaft in den USA?
Von der ersten Beratung bis zur Geburt und rechtlichen Anerkennung vergehen häufig 18 bis 24 Monate.
Wird eine Leihmutterschaft im Ausland in Deutschland anerkannt?
Die genetische Elternschaft wird meist anerkannt, ein Elternteil ohne genetische Verwandtschaft benötigt in der Regel eine zusätzliche Adoption.
Was unterscheidet eine traditionelle von einer gestationellen Leihmutterschaft?
Bei der traditionellen Form ist die Leihmutter genetisch mit dem Kind verwandt, bei der gestationellen stammt die Eizelle von einer anderen Person.
Warum wählen viele Paare die USA für eine Leihmutterschaft?
Mehrere US-Bundesstaaten bieten klare gesetzliche Regelungen und die Möglichkeit einer Pre-Birth-Order.
Macht sich ein Paar strafbar, wenn es im Ausland eine Leihmutter beauftragt?
Das deutsche Verbot gilt nur für im Inland durchgeführte Leihmutterschaften, nicht für Verfahren im Ausland.
Warum ist Leihmutterschaft in Deutschland verboten?
Laut Gesetzgeber sollen die Würde und Selbstbestimmung der Frau sowie das Wohl des Kindes geschützt werden. Zudem soll verhindert werden, dass Schwangerschaft und Geburt zu einer kommerziellen Dienstleistung werden.