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Was ist der Goldene Windbeutel?

Foto: Envato / Vladdeep

Was ist der Goldene Windbeutel?

Gestern ging der Negativpreis „Goldener Windbeutel“ an ein Nahrungsergänzungsmittel von LaVita. Das als „Mikronährstoffkonzentrat“ beworbene Produkt kostet umgerechnet 100 Euro pro Liter – und besteht zu rund 70 Prozent aus Fruchtsaftkonzentrat. Was hat es mit dem „Goldenen Windbeutel“ und der Organisation Foodwatch auf sich?

Was verbirgt sich hinter dem „Goldenen Windbeutel“?

Seit 2009 verleiht die Verbraucherorganisation Foodwatch jährlich einen Negativpreis für die dreisteste Werbelüge des Jahres im Lebensmittelbereich.

Die Preisträger werden durch eine öffentliche Online-Abstimmung ermittelt. Jedes Jahr nominiert Foodwatch fünf Produkte, die durch besonders dreiste Werbeversprechen auffallen. Die Abstimmung dauert in der Regel vier Wochen.

Foodwatch wurde 2002 von dem Manager Thilo Bode mit dem Ziel gegründet, die Interessen von Verbrauchern im Lebensmittelbereich zu stärken. Die Idee für den „Goldenen Windbeutel“ entstand aus seiner Beobachtung, dass Lebensmittelhersteller immer wieder mit fragwürdigen Gesundheitsversprechen werben, die sich bei genauerem Hinsehen als haltlos erweisen. Bode war davor unter anderem für den deutschen Zweig von Greenpeace tätig.

Der „Goldene Windbeutel“ zielt darauf ab, Verbraucher zu informieren und gleichzeitig politischen Druck aufzubauen. Foodwatch fordert regelmäßig strengere Kontrollen und klarere Kennzeichnungspflichten, um Verbrauchertäuschung effektiver zu bekämpfen. Die Organisation finanziert sich ausschließlich durch Spenden und Förderbeiträge, um Unabhängigkeit von wirtschaftlichen Interessen zu wahren.

Von der Jury zur Verbraucherentscheidung

In den ersten beiden Jahren (2009 und 2010) wählte eine prominente Jury die Preisträger aus. Dazu zählten Persönlichkeiten wie die Fernsehköchin Sarah Wiener oder der Spiegel-Reporter Ullrich Fichtner. Seit 2011 liegt die Entscheidung allein bei den Verbrauchern, die aus fünf nominierten Produkten ihren Favoriten für die dreisteste Werbelüge küren.

Die Bedeutung des „Goldenen Windbeutels“ wächst

Die Abstimmungszahlen steigen kontinuierlich: Während 2009 noch rund 35.000 Menschen teilnahmen, waren es 2026 bereits über 66.000. Dies zeigt das wachsende Interesse der Öffentlichkeit an Verbraucherschutzthemen.

Der „Goldene Windbeutel“ hat sich als fester Bestandteil der deutschen Verbraucherkultur etabliert und wird jährlich mit großer Medienresonanz begleitet. Mit seinem Negativpreis will Foodwatch deutlich machen, dass die ausgezeichneten Produkte symptomatisch für strukturelle Probleme in der Lebensmittelbranche sind. Dazu gehören irreführende Gesundheitsversprechen, versteckte Preiserhöhungen, Greenwashing und pseudowissenschaftliche Werbung.

Quelle: YouTube / foodwatch_de

Kritik an Foodwatch

Kritiker werfen Foodwatch vor, komplexe ernährungs- und verbraucherpolitische Themen zu vereinfachen und mit zugespitzten Kampagnen öffentliche Empörung zu erzeugen.

Der Negativpreis „Goldener Windbeutel“ wird ebenso als einseitige Darstellung kritisiert. Einzelne Produkte würden öffentlich an den Pranger gestellt, ohne alle Hintergründe wie gesetzliche Vorgaben, Portionsgrößen oder Herstellungsbedingungen ausreichend einzubeziehen. Auch der Vorwurf der Skandalisierung als Mittel der Öffentlichkeitsarbeit wurde gegenüber der Organisation geäußert.

Wie erkennen Verbraucher Werbelügen von Nahrungsmittelherstellern?

Hinterfragen Sie Begriffe wie „natürlich“, „klimafreundlich“, „zuckerfrei“ oder „ohne Zusatzstoffe“. Lesen Sie die Zutatenliste, die Nährwerttabelle und die Herkunftsangaben genau. Auch bei Siegeln und Zertifikaten lohnt sich ein genauer Blick, denn nicht jede Kennzeichnung garantiert eine unabhängige Kontrolle. Unabhängige Quellen wie Verbraucherzentralen, die Stiftung Warentest oder wissenschaftliche Empfehlungen helfen dabei, Werbeversprechen einzuordnen.

Besonders skeptisch sollten Sie bei Aussagen sein, die große gesundheitliche Vorteile versprechen, aber keine konkreten Belege oder nachvollziehbare Angaben liefern.

Die dreistesten Preisträger des „Goldenen Windbeutels“

Actimel

Der erste Preisträger des „Goldenen Windbeutels“ im Jahr 2009. Der Hersteller Danone warb damit, dass der Trinkjoghurt das Immunsystem stärke. Foodwatch widerlegte diese Behauptung: Die Wirkung sei nicht höher als bei herkömmlichem Joghurt. Zudem enthalte Actimel mehr Zucker und sei teurer. Der Fall Actimel zeigte, wie leicht Verbraucher durch pseudowissenschaftliche Werbung getäuscht werden können.

Milka Alpenmilch  

Im Jahr 2025 erhielt die bekannte Schokolade Milka Alpenmilch den „Goldenen Windbeutel”. Diese wird inzwischen von dem US-amerikanischen Mondelez-Konzern produziert. Foodwatch kritisierte eine versteckte Preiserhöhung: Die Verpackung wurde verkleinert, der Preis aber kaum reduziert. Dies ist ein klassisches Beispiel für „Shrinkflation“. „Shrinkflation“ ist eine Strategie, bei der Hersteller die Füllmenge reduzieren, ohne den Preis entsprechend anzupassen. Das Landgericht Bremen bestätigte im Jahr 2026, dass die neue Milka-Tafel eine Mogelpackung ist.

Klimaneutrales Hähnchenfleisch von Rewe

Im Jahr 2021 erhielt die Supermarktkette Rewe den Negativpreis für die Bewerbung von Hähnchenfleisch als „klimaneutral“. Foodwatch deckte auf, dass Rewe die Klimaneutralität durch den Kauf von CO²-Zertifikaten erreicht hatte. Diese Praxis gilt inzwischen als „Greenwashing“ – der Versuch von Unternehmen oder Organisationen, sich durch Werbung als umweltfreundlicher darzustellen, als sie tatsächlich sind. Nach der Kritik stoppte Rewe die irreführende Werbung.

Pom-Bär-Ofen Minis

2023 machte ein Produkt aus der „Pom-Bär“-Serie das Rennen. Intersnack bewarb „Pom-Bär Ofen Minis“ mit dem Slogan „50 Prozent weniger Fett“ und richtete sich damit offensichtlich an ernährungsbewusste Eltern. Allerdings enthalten die Mini-Kartoffelsnacks deutlich mehr Zucker als das Original. Laut den Empfehlungen der WHO kommen sie dadurch für an Kinder gerichtete Werbung nicht infrage.

Zott Monte Drink

Das stark gezuckerte Milchprodukt „Monte Drink“ von Zott wurde als „wertvolle Zwischenmahlzeit für Kinder“ mit „wertvollem Traubenzucker“ beworben. Foodwatch kritisierte dies im Jahr 2010 als unverantwortlich – das Produkt sei lediglich eine flüssige Süßigkeit. Foodwatch stellte außerdem fest, dass das Produkt mehr Zucker als Coca-Cola und doppelt so viele Kalorien wie Fanta enthält.

LaVita Mikronährstoffkonzentrat

Das als Mikronährstoffkonzentrat beworbene Produkt kostet umgerechnet 100 Euro pro Liter und besteht zu rund 70 Prozent aus Fruchtsaftkonzentrat. Foodwatch kritisiert, dass der Hersteller mit irreführenden Gesundheitsversprechen einen überhöhten Preis rechtfertigt. Die Organisation sieht darin ein Beispiel für Abzocke mit irreführenden Gesundheitsversprechen im boomenden Markt für Nahrungsergänzungsmittel.

Definitionen und Begriffserklärungen

Der Goldene Windbeutel

Der Goldene Windbeutel ist ein Negativpreis, den die Verbraucherorganisation Foodwatch seit 2009 jährlich vergibt. Er zeichnet die dreisteste Werbelüge im Lebensmittelbereich aus und soll auf die Diskrepanz zwischen beworbenen Versprechen und der tatsächlichen Produktqualität aufmerksam machen. Die Preisträger werden durch eine öffentliche Online-Abstimmung ermittelt.

„Shrinkflation“

„Shrinkflation“ beschreibt die Praxis von Herstellern, die Produktmenge zu reduzieren, während der Preis gleich bleibt oder nur leicht sinkt. Ein bekanntes Beispiel ist die „Milka Alpenmilch“-Schokolade, die 2025 die als Mogelpackung mit dem Goldenen Windbeutel ausgezeichnet wurde.

Greenwashing

Greenwashing bezeichnet die irreführende Bewerbung von Produkten als umweltfreundlich oder klimaneutral, ohne dass dies tatsächlich zutrifft.

Häufig gestellte Fragen zum „Goldenen Windbeutel“

Wer vergibt den „Goldenen Windbeutel“?

Die Verbraucherorganisation Foodwatch vergibt den Negativpreis seit 2009.

Was ist das Ziel des „Goldenen Windbeutels“?

Der Preis soll auf irreführende Werbeversprechen und Verbrauchertäuschung bei Lebensmitteln aufmerksam machen.

Wie wird der Preisträger bestimmt?

Durch eine öffentliche Online-Abstimmung unter fünf nominierten Produkten.

Wer kann am Goldenen Windbeutel teilnehmen? 

An den Abstimmungen kann jeder teilnehmen. Foodwatch nominiert fünf Produkte, die Öffentlichkeit kann danach online ihre Stimme abgeben.

Welche Produkte wurden bereits ausgezeichnet?

Antwort: Zu den bekanntesten Preisträgern zählen Actimel (2009), Zott Monte Drink (2010), Rewe Hähnchenfleisch (2021), Pom-Bär Ofen Minis (2023) Milka Alpenmilch (2025) und LaVita (2026).

Was kann ich als Verbraucher gegen Werbelügen tun?

Antwort: Hinterfragen Sie Werbeversprechen, überprüfen Sie die Inhaltsstoffe, informieren Sie sich auf Verbraucherportalen und engagieren Sie sich für strengere Kontrollen.

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