Wie häufig ist ein plötzlicher Herztod beim Marathon?
Auf den ersten Blick ist das Risiko eher gering. Laut einer großangelegten US-amerikanischen Analyse aus dem Jahr 2025 kam es zwischen 2010 und 2023 bei 29,3 Millionen Zieleinläufen zu 59 Todesfällen. Das entspricht etwa einem Todesfall pro 500.000 Läufer. Zum Vergleich: In den 2000er-Jahren lag das Risiko noch bei einem Todesfall pro 256.000 Teilnehmer.
Die Studienautoren führen die Verbesserung auf technische Neuerungen wie automatische Defibrillatoren und die Möglichkeit zu schnellerer Reanimation zurück. Die neue Studie aus Frankreich aus dem Jahr 2026 bestätigt diese Trends, gibt jedoch weitere Aufschlüsse über die Ursache.
Männer sind häufiger betroffen
Männer erleiden laut dem aktuellen Forschungsstand deutlich häufiger einen Herzstillstand als Frauen. Laut der Studie aus den USA waren 93 Prozent der Betroffenen männlich, mit einem Durchschnittsalter von 49,7 Jahren. Auch die französische Studie bestätigte dieses Muster: Von 17 plötzlichen Herzstillständen waren 15 Männer betroffen. Neun der Zwischenfälle ereigneten sich auf dem letzten Kilometer.
Die Ursachen hierfür sind nicht vollständig geklärt. Diskutiert werden biologische Unterschiede, wie die Herzstruktur oder die Anpassung des Körpers an intensives Training. Auch psychologische Faktoren wie das Wettkampfverhalten könnten eine Rolle spielen. Männer neigen etwa dazu, sich in der Schlussphase zu überfordern.
Was passiert beim Marathonlaufen im Körper?
Ein Marathon stellt den Körper vor extreme Herausforderungen. Das Herz schlägt über Stunden hin am Limit. Der Sauerstoffbedarf steigt massiv an, und der Körper produziert Stresshormone wie Adrenalin. Bei Vorerkrankungen kann eine solche hohe Belastung gefährlich werden.
Besonders riskant für Marathonläufer ist eine koronare Herzkrankheit. Dabei sind die Herzkranzgefäße verengt, oft ohne dass der Betroffene dies bemerkt. Unter Belastung kann das Herz in einem solchen Fall nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden. Dies kann zu Herzrhythmusstörungen und im schlimmsten Fall zum plötzlichen Herztod führen.
Ab wann wird Marathonlaufen besonders gefährlich?
Die letzten Kilometer gelten als besonders heikel. Experten gehen davon aus, dass übertriebener Ehrgeiz viele Läufer dazu motiviert, sich zu überanstrengen. Wer eine Herzerkrankung hat, geht in diesem Moment ein besonders hohes Risiko ein. Daher raten Experten dazu, sich mit konstanter Geschwindigkeit fortzubewegen und Sprints zu vermeiden.
Warum Sie nie mit einem Infekt laufen sollten
Ein oft unterschätzter Risikofaktor ist eine Herzmuskelentzündung. Sie kann durch Virusinfekte ausgelöst werden – auch durch das Coronavirus – und bleibt oft unbemerkt. Sportliche Belastung in dieser Phase kann jedoch zu schweren Rhythmusstörungen und sogar zum plötzlichen Herztod führen.
Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie warnt: Wer an Fieber, Gliederschmerzen, starkem Husten oder ungewöhnlicher Erschöpfung leidet, sollte auf sein Training verzichten – und schon gar keinen Marathon laufen. Auch nach einer überstandenen Infektion ist eine Pause von mindestens einer Woche empfehlenswert.
So minimieren sie das Risiko von Herzproblemen bei einem Marathon
Vorbereitung auf den Marathon
- Lassen Sie sich ärztlich untersuchen. Ein Ruhe-EKG und ein Belastungs-EKG können unentdeckte Risiken aufdecken.
- Trainieren Sie regelmäßig und steigern Sie die Belastung langsam.
Während des Marathons
- Laufen Sie mit konstanter Geschwindigkeit. Vermeiden Sie Sprintphasen, auch am Ende.
- Trinken Sie ausreichend und achten Sie auf Warnsignale wie Schwindel, Atemnot oder Brustschmerzen.
Nach dem Marathon
- Gönnen Sie Ihrem Körper eine Erholungsphase. Vermeiden Sie extreme Belastungen in den Tagen nach dem Marathon.
Was tun im Notfall?
Prüfen Sie, ob der Betroffene bei Bewusstsein ist. Ist er ansprechbar? Atmet er noch? Wählen Sie sofort den Notruf (112). In den meisten Fällen können Betroffene einen Herzstillstand durch schnelle Reanimation und den Einsatz eines Defibrillators überleben. Die Überlebenschancen sinken pro Minute ohne Hilfe um etwa 10 Prozent.
Bis zu welchem Alter ist Marathonlaufen gesund?
Ab etwa 40 Jahren empfehlen Sportmediziner, vor intensiven Wettkämpfen ärztliche Untersuchungen durchführen zu lassen, insbesondere zur Kontrolle von Herz, Blutdruck und Stoffwechsel. Zudem gewinnen ausreichende Erholungsphasen, Krafttraining zur Stabilisierung von Muskeln und Gelenken sowie eine angepasste Trainingsintensität zunehmend an Bedeutung.
Wer auf Warnsignale wie Brustschmerzen, Atemnot, anhaltende Erschöpfung oder Gelenkbeschwerden achtet und sein Training entsprechend anpasst, kann Marathonlaufen häufig auch im höheren Alter sicher und gesund ausüben. Eine starre Altersgrenze, ab der Marathonlaufen grundsätzlich ungesund wäre, gibt es nach aktuellem wissenschaftlichem Kenntnisstand nicht.
Definitionen und Begriffserklärungen zum plötzlichen Herztod durch Marathonlaufen
Plötzlicher Herztod
Der plötzliche Herztod ist ein unerwarteter Tod durch Herzversagen, der innerhalb von einer Stunde nach Beginn der ersten Symptome eintritt. Häufigste Ursache sind Rhythmusstörungen, die zu einem Herzstillstand führen. Bei Sportlern sind oft unentdeckte Herzerkrankungen wie die koronare Herzkrankheit oder eine hypertrophe Kardiomyopathie die Auslöser.
Koronare Herzkrankheit
Die koronare Herzkrankheit (KHK) ist eine Verengung oder Verhärtung der Herzkranzgefäße durch Ablagerungen. Dadurch wird die Durchblutung des Herzmuskels beeinträchtigt, was zu Brustschmerzen, Atemnot oder im schlimmsten Fall zum Herzinfarkt führen kann. Besonders unter Belastung kann diese Krankheit gefährlich werden.
Herzmuskelentzündung
Eine Herzmuskelentzündung (Myokarditis) ist eine Entzündung des Herzmuskelgewebes, die oft durch Virusinfekte ausgelöst wird. Sie kann zu Rhythmusstörungen, Herzschwäche oder im Extremfall zum plötzlichen Herztod führen. Sportliche Belastung während einer Myokarditis gilt als riskant.
Häufig gestellte Fragen zum plötzlichen Herztod durch Marathonlaufen
Wie hoch ist das Risiko für einen plötzlichen Herztod beim Marathon?
Statistisch gesehen liegt das Risiko bei einem Todesfall pro 500.000 Läufer. Es ist damit extrem niedrig, aber nicht ausgeschlossen.
Wer ist besonders gefährdet?
Männer über 40 mit unentdeckten Herzerkrankungen wie koronarer Herzkrankheit oder hypertropher Kardiomyopathie.
Wann passieren die meisten Zwischenfälle bei einem Marathon?
Die meisten Herzstillstände ereignen sich im letzten Viertel des Rennens, insbesondere auf dem letzten Kilometer.
Ist Marathonlaufen gefährlich für das Herz?
Für die meisten Menschen ist Marathonlaufen ungefährlich. Regelmäßiges Ausdauertraining stärkt sogar das Herz. Das Risiko für einen plötzlichen Herztod ist extrem niedrig, wenn Sie gesund sind und sich gut vorbereiten.
Sollte ich mich vor einem Marathon ärztlich untersuchen lassen?
Ja, besonders wenn Sie über 40 Jahre alt sind oder Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes oder eine familiäre Vorbelastung für Herzerkrankungen haben. Ein Check-up mit Ruhe-EKG und gegebenenfalls Belastungs-EKG wird empfohlen.
Darf ich mit einem leichten Infekt laufen?
Bei Fieber, Gliederschmerzen oder ungewöhnlicher Erschöpfung sollten Sie auf Sport verzichten. Eine Herzmuskelentzündung kann sonst zu schweren Komplikationen führen.
Warum sind Männer häufiger betroffen?
Männer haben ein höheres Risiko für koronare Herzkrankheit und hypertrophe Kardiomyopathie. Zudem neigen sie eher zu riskantem Wettkampfverhalten wie Sprinten in der Schlussphase.
Was tun, wenn jemand auf der Strecke zusammenbricht?
Prüfen Sie, ob der Betroffene bei Bewusstsein ist und ob er atmet. Rufen Sie so schnell wie möglich den Notruf (112) und beschreiben Sie die Situation.