Holz ist ein lebendiger Baustoff
Holz besteht aus gewachsenen Zellstrukturen. Diese Zellen sind hygroskopisch, das heißt, sie nehmen Feuchtigkeit aus der Luft auf und geben sie wieder ab. Dies erlaubt dem Material, einen ausgewogenen Feuchtigkeitsgehalt beizubehalten. Dadurch verändert sich jedoch auch immer wieder das Volumen von Holz. Steigt die Luftfeuchtigkeit, quillt Holz. Sinkt sie, schrumpft es. In der Fachsprache ist daher der Ausdruck üblich, dass Holz „arbeitet“.
Die Raumluft verändert sich nachts
Nachts sinkt meist die Temperatur, da Heizungen die Temperatur herunterregeln oder sich ganz abschalten. Hierdurch verändert sich auch langsam, aber stetig die Luftfeuchtigkeit. Um seinen Feuchtigkeitsgehalt weiterhin zu halten, beginnt das Holz zu „arbeiten“. Verliert es an Feuchtigkeit, nimmt es neue Luftfeuchtigkeit auf. Hat es bereits zu viel Luftfeuchtigkeit aufgenommen, gibt es Feuchtigkeit ab.
Holz reagiert auf veränderte Raumluft mit Knackgeräuschen
Holz ist oft in bestimmten Bauteilen fest verbaut – wie etwa in Massivholzdielen, Türen, Stühlen Treppen und Geländern – und steht dadurch unter Spannung. Löst sich die Spannung, geschieht dies ruckartig. Das kann etwa geschehen, wenn ein Teil einer Holzkonstruktion dem Druck nachgibt und sich leicht bewegt. Dies erzeugt die bekannten Geräusche.
Da nachts die üblichen Alltagsgeräusche größtenteils wegfallen, sind solche Geräusche zudem zur Schlafenszeit auffälliger als tagsüber.
Welche Holzbauteile sind besonders betroffen?
Holzböden sind häufige Geräuschquellen, vor allem Parkett und Dielen. Sie haben eine große Auflagefläche und sind oft fest mit dem Untergrund verbunden. Auch Dachstühle, Deckenbalken und Möbel aus Massivholz können Geräusche erzeugen. Schränke, Betten oder Tische reagieren ebenso auf das Raumklima, besonders wenn sie nahe an Außenwänden stehen.
Bewegungsfugen in Gebäuden als Gegenmaßnahme
Bewegungsfugen sind bewusst eingebaute Zwischenräume in Bauwerken, die es Bauteilen ermöglichen, sich zu bewegen, ohne Schäden zu verursachen. Sie sollen Risse, Verformungen und Abplatzungen verhindern. Bewegungsfugen Sie entkoppeln Bauteile voneinander und sorgen dafür, dass Materialien spannungsfrei „arbeiten“ können. Besonders effektiv sind sie bei großen Bauteillängen, zwischen unterschiedlichen Baustoffen sowie bei Böden, Wänden, Decken und Fassaden.
Bewegungsfugen können sichtbar oder verdeckt ausgeführt sein und werden häufig mit elastischen Materialien wie Silikon oder Gummi gefüllt.
In modernen Gebäuden sind zahlreiche Bauteile straff montiert. Bewegungsfugen fehlen teilweise oder sind sehr knapp bemessen. Dadurch steigt die Spannung in den Materialien. Ältere Gebäude besitzen dagegen oft mehr Spielraum. Holz kann sich dort freier bewegen. Paradoxerweise erzeugen neue Gebäude daher manchmal lautere Geräusche als alte.
Wie lassen sich die störenden Geräusche reduzieren?
Um störende Geräusche durch sich bewegendes Holz zu minimieren, sollte die Luftfeuchtigkeit im Haus konstant zwischen 40 Prozent und 60 Prozent liegen. Luftbefeuchter oder -entfeuchter können hier helfen, ebenso wie regelmäßiges Stoßlüften. Besonders im Winter, wenn die Heizung läuft, sinkt die Luftfeuchtigkeit, was das Volumen von Holz schneller schwinden lässt und störende Geräusche erzeugt.
Für die Montage oder Nachbesserung von Holzkonstruktionen eignen sich Schrauben zudem besser als Nägel. Sie lassen sich bei Bedarf nachziehen und schädigen das Holz weniger stark. Auch die Wahl des Holzes ist wichtig. Harthölzer wie Eiche oder Buche arbeiten weniger als Weichhölzer wie Fichte oder Kiefer.
Bei quietschenden Dielenböden hilft es zudem, Graphitpulver oder Talkum in die Fugen zu streuen, um die Reibung zu verringern. Außerdem sollten lockere Schrauben an Möbeln oder Türen nachgezogen und Scharniere geölt werden. Durch regelmäßige Holzpflege, beispielsweise durch Ölen oder Wachsen, bleibt das Material geschmeidig, wodurch weniger Reibungsgeräusche entstehen. Bei Treppen oder Fußböden kann auch eine elastische Unterlage aus Kork die Geräusche dämpfen.
Die wichtigsten Fakten
- Holz nimmt Wasser aus der Luft auf und gibt es wieder ab. Dadurch passt es seinen Feuchtigkeitsgehalt ständig an die Umgebung an.
- Hierdurch ändert sich das Volumen des Materials. Weil Holz oft Bestandteil größerer Konstruktionen ist, die unter Spannung stehen, kann es sich dadurch ruckartig bewegen.
- Durch diese ruckartigen Bewegungen können die bekannten Geräusche entstehen.
- Diese Geräusche fallen bedingt durch die in den Abendstunden schwächer werdende Geräuschkulisse nachts stärker auf.
- Zudem ändert sich nachts oft die Luftfeuchtigkeit, etwa durch automatisch abgesenkte Heizungstemperaturen.
Häufig gestellte Fragen
Warum macht meine Wohnung vor allem im Winter Geräusche?
Im Winter ist die Raumluft trockener. Das Holz verliert Feuchtigkeit und zieht sich zusammen.
Erzeugen neue Gebäude mehr Geräusche als alte?
Oft ja, da moderne Bauweisen weniger Bewegungsspielraum für Holzbauteile lassen.
Welche Holzbauteile verursachen besonders häufig Geräusche?
Am häufigsten sind Holzböden wie Parkett und Dielen betroffen. Das liegt daran, dass sie großflächig verbaut und fest mit dem Untergrund verbunden sind.
