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Wie intelligent sind eigentlich Wale?

Foto: Envato / wirestock

Wie intelligent sind eigentlich Wale?

Das Fiebern um das Überleben des in der Ostsee gestrandeten Buckelwals reißt nicht ab. Nach etlichen Tagen schien sich das geschwächte Tier befreit zu haben. Nun sitzt es laut Medienberichten erneut fest, diesmal auf einer Sandbank vor Wismar. Da Wale als sehr intelligente Tiere gelten, müsste „Timmy“, wie ihn die Medien inzwischen nennen, sich doch selbst befreien können?

Wie konnte ein intelligentes Tier in eine solche Situation geraten?

Nach aktuellen Berichten gibt es mehrere mögliche Ursachen für die Situation des zuerst vor dem Timmendorfer Strand gesichteten Buckelwals: Der Wal könnte einem Heringsschwarm gefolgt sein und sich dabei verirrt haben. Zudem könnte er durch Unterwasserlärm in seiner Orientierung gestört worden sein.

Auch ein generell geschwächter Zustand des Tiers, etwa durch Verheddern in Fischernetzen, ist denkbar. Zudem gilt die Ostsee für Buckelwale als besonders schwierig: Sie ist zu flach und enthält wenig passende Nahrung. Zudem stört der niedrige Salzgehalt der Ostsee – nur etwa 7-15 Promille statt der 35 Promille im offenen Meer – das osmotische Gleichgewicht von Walen. Wasser dringt dadurch durch die Haut in die Zellen ein und schädigt diese.

Wie intelligent sind Wale?

Wale zeigen vor allem nachgewiesene Fähigkeiten in drei Bereichen: soziales Lernen, Kommunikation und flexible Problemlösungen.

Wale können lernen

Forschende wissen inzwischen, dass in Walgruppen (in der Fachsprache Schulen genannt) ältere Tiere Kenntnisse an jüngere Tiere weitergeben. Dies betrifft die Jagd, die Orientierung und generelles Verhalten. Bei Schwertwalen ist bekannt, dass Gruppen eigene Jagdtechniken und Verhaltensmuster weitergeben. Dies spricht für eine Form von Kultur, die das Zusammenleben der Wale prägt.

Wie kommunizieren Wale?

Wale nutzen Klicks, Pfiffe, Rufe und Gesänge. Diese Laute dienen der Orientierung, der Kontaktaufnahme und der sozialen Abstimmung. Inzwischen ist sogar bekannt, dass manche Walgruppen eigene Lautmuster besitzen. Bei Schwertwalen und Pottwalen sprechen Forschende von Dialekten oder clan-typischen Signalen.

Sind Rufe und Gesänge schon Sprache?

Das Wort „Sprache“ wird in der Forschung in diesem Zusammenhang noch bewusst zurückgehalten. Trotzdem zeigen Wale eine strukturierte Kommunikation, die Regeln befolgt, Wiederholungen aufweist und sozialen Nutzen besitzt.

Wale beherrschen kulturelle Weitergabe

Zudem beobachten Forschende bei Walen soziale Lernprozesse, also das Übernehmen von Verhalten aus Beobachtung und Erfahrung. Dies betrifft auch die Kommunikation in Wal-Clans. Ein bekanntes Beispiel sind Pottwale. Ihre Klickmuster, sogenannte Codas, unterscheiden sich je nach Clan und werden offenbar gelernt, nicht angeboren. Das ähnelt menschlichen Dialekten. Auch bei Buckelwalen gibt es Hinweise auf kulturelle Weitergabe. So verändern sich ihre Gesänge mit der Zeit und verbreiten sich zwischen Populationen.

Inzwischen arbeitet die Wissenschaft daran, KI einzusetzen, um Walgesänge und Klickmuster zu analysieren. Projekte wie „Whale-SETI“ sollen dabei helfen, die komplexe Kommunikation der intelligenten Tiere besser zu verstehen.

Wale sind extrem kluge Jäger

Bei der Nahrungssuche zeigen Wale oft eine erstaunliche Fähigkeit zur Planung. Ein Beispiel ist die Blasennetz-Jagdtechnik von Buckelwalen. Dabei erzeugen diese einen Ring aus Luftblasen, der Beute zusammentreibt. Forscher haben festgestellt, dass diese Technik die Menge der aufgenommenen Beute deutlich steigern kann.

Solches Verhalten spricht für kontrolliertes Vorgehen, exakte Zeiteinschätzung und die Fähigkeit zur Problemlösung unter wechselnden Bedingungen. Wale passen ihr Verhalten somit an die Situation und das von ihnen verfolgte Ziel an.

Wie groß ist ein Walgehirn?

Das Gehirn eines Pottwals wiegt bis zu 9,5 Kilogramm. Es ist damit etwa sechsmal so schwer wie ein menschliches Gehirn, das rund 1,5 Kilogramm wiegt. Der Pottwal gilt generell als Besitzer des größten Gehirns aller lebenden Tiere. Andere Wale wie etwa der Blauwal besitzen mit etwa 6,9 Kilogramm im Verhältnis zu ihrer Körpergröße deutlich kleinere Gehirne.

Die hochkomplexen Aufgaben eines Pottwalgehirns

Der Pottwal benötigt sein großes, schweres Gehirn unter anderem für die komplexe Echo-Ortung in der Tiefsee. Pottwale tauchen bis zu drei Kilometer tief in die lichtlose Tiefsee, wo sie ausschließlich auf Echo-Ortung angewiesen sind, um Beute wie Riesenkalmare zu lokalisieren. Sie erzeugen dafür extrem laute Klicksignale (bis zu 230 Dezibel) in einer speziellen Nasenresonanzkammer (Spermaceti-Organ genannt). Diese Signale werden von Objekten reflektiert und kehren als Echo zurück.

Das große Gehirn von Pottwalen verarbeitet diese vielschichtigen, schnell wechselnden Schallmuster in Echtzeit, um Entfernung, Größe, Richtung, Geschwindigkeit und sogar die Beschaffenheit der Beute präzise zu berechnen. Gleichzeitig analysiert es soziale Klickmuster für die Gruppenkommunikation über Kilometer hinweg.

Was wissen wir über die Selbstwahrnehmung von Walen?

Die Fähigkeit zur Selbstwahrnehmung gilt allgemein als ein Baustein höherer Kognition. Wenn ein Tier zwischen sich selbst und anderen unterscheiden kann, ermöglicht dies hochentwickeltes Sozialverhalten und komplexe Lernvorgänge. Bei Schwertwalen haben Forschende bereits Verhaltensweisen entdeckt, die sich als mögliche Selbsterkennung deuten ließen.  

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler warnen jedoch generell davor, solchen einzelnen Befunden zu viel Gewicht beizumessen. Sie decken sich dennoch mit dem erwiesenermaßen komplexen Gruppenleben von Walen. Wer in dauerhaften sozialen Verbänden lebt, benötigt gute Fähigkeiten zur Erinnerung, Differenzierung und Abstimmung.

Warum wir Wale so faszinierend finden

Wale gehören zu den beliebtesten Beispielen für nichtmenschliche Intelligenz. Sie zeigen, dass sich Intelligenz auch in einer Umwelt entwickeln kann, die sich drastisch von der unseren unterscheidet. Dazu stellen Wale immer wieder althergebrachte Vorstellungen von Tierintelligenz infrage. Die große Medienresonanz rund um „Timmy“ ist ein deutlicher Beweis.

Sind Wale intelligenter als Delfine?

Der aktuelle Forschungsstand besagt, dass beide Tierarten über vergleichbar hohe kognitive Fähigkeiten verfügen. Dies umfasst sowohl soziales Lernen als auch komplexe Kommunikation und Problemlösefähigkeiten.

Diese Fähigkeiten sind bei beiden Arten, die beide zur Gattung der Wale gehören, jedoch unterschiedlich gewichtet. Delfine, wie etwa der Große Tümmler, beeindrucken mit ihrer Fähigkeit zur Selbsterkennung im Spiegel und ihren geschickten Darbietungen in Aquarien. Wale wie Schwertwale oder Pottwale beherrschen komplexe kulturelle Jagdstrategien und weisen besonders große Gehirne auf.

Generell besitzen Delfine ein besseres Gehirn-Körper-Verhältnis, Wale hingegen mehr absolute Hirnmasse. Letzteres kommt ihnen bei der Bildung der für ihr Zusammenleben wichtigen sozialen Netzwerke zugute.

Warum können sich Wale nur schwer von Sandbänken befreien?

Sandbänke können für Wale zum Verhängnis werden, da ihr enormes Gewicht – bis zu 30 Tonnen bei einem Buckelwal – sie bei ablaufendem Wasser tief in den Sand drückt. Im Wasser trägt der Auftrieb ihr Gewicht. Auf trockenem Grund lastet die Masse auf ihrer Fettschicht unter der Haut – in der Fachsprache Blubber genannt – und den Organen. Dadurch werden Bewegungen nahezu unmöglich.

Zusätzlich fehlt oft genug Wasser, um mit der Flosse Schwung zu holen. Mit jedem Ebbestand sinkt der Wasserpegel weiter, der gestrandete Wal rutscht tiefer ein und verliert durch Druck, Dehydration und Stress an Kraft. Oft können nur ein höherer Wasserstand und menschliche Hilfe in Form von Baggerrinnen ihnen helfen, wieder freizukommen.

Definitionen und Begriffserklärungen

Soziales Lernen

Ein Tier übernimmt ein Verhalten, das es bei anderen beobachtet. Bei Walen erklärt das zum Beispiel die Weitergabe von Jagdtechniken und Lautmustern.

Kulturelle Weitergabe

Wissen bleibt nicht bei einem Tier, sondern wird in einer Gruppe weitergegeben. Der Beweis sind Dialekte und überlieferte Jagdformen in verschiedenen Walgruppen.

Vokalisation

Das Einsetzen von Lauten zur Kommunikation. Bei Walen gehören dazu Klicks, Pfiffe, Rufe und Gesänge.

Häufig gestellte Fragen

Wie intelligent sind Wale?

Wale gelten als generell sehr intelligent, weil sie lernfähig sind, kommunizieren und ihr Verhalten an verschiedene Situationen anpassen.

Nutzen Wale Werkzeuge?

Buckelwale formen Blasennetze, um zu jagen. Dazu blasen sie unter Wasser gezielt Luft aus und erzeugen damit einen Vorhang aus Blasen. Diese wirken wie ein Netz, das Fische oder Krill zusammentreibt, sodass der Wal seine Beute leichter fressen kann.

Woher wissen Forschende, dass Wale intelligent sind?

Forscherinnen und Forscher haben die Fähigkeiten der Tiere zur Kommunikation und zum sozialen Lernen beobachtet. Dazu analysierten sie ihre Jagdtechniken sowie ihr Gruppenverhalten.

Welche Walart gilt als besonders sozial?

Das Sozialverhalten von Pottwalen und Buckelwalen ist aufgrund ihrer Lautsysteme und Gesänge besonders gut untersucht.

Sind Wale klüger als Delfine?

Wale und Delfine gelten generell als gleich intelligent.

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