Welt der Wunder

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Stürzen sich Lemminge wirklich in den Tod?

Foto: miezekieze / Pixabay

Stürzen sich Lemminge wirklich in den Tod?

Ein Heer von Lemmingen wandert auf eine Klippe – und stürzt sich kollektiv nach unten, in den (anscheinend) sicheren Tod. Angeblich kontrollieren die niedlichen Wühlmäuse damit ihre Population. Was ist dran an der modernen Legende?

Das hohe Wachstum von Lemming-Populationen macht den Tieren das Überleben schwer

Die Population von Lemmingen, einer Form der Wühlmäuse, steigt innerhalb weniger Jahre um ein Tausendfaches an – und schrumpft dann urplötzlich wieder auf einen Bruchteil zusammen. Der Hintergrund: Lemminge sind sehr fruchtbare Tiere. Ein Weibchen bringt nach nur drei Wochen Tragzeit im Schnitt fünf Junge zur Welt, die schon nach wenigen Monaten selbst geschlechtsreif sind.

Weil die Lemminge sich so rasant vermehren, wird das Nahrungsangebot schnell knapp. Die hohe Populationsdichte verursacht enormen Stress. Der einzige Ausweg aus der Misere: Ein Teil der Lemminge muss die Population verlassen. Sie machen sich auf die Suche nach einem Ort, wo es wieder Futter für alle gibt.

Doch die Wanderung ist gefährlich: Hermeline, Polarfüchse und Schnee-Eulen lauern den Lemmingen auf, reißende Flüsse versperren ihren Weg. Aber die Lemminge lassen sich auf ihrer Wanderung nicht aufhalten; zu groß ist ihr Überlebensdrang.

Die Lemming-Lüge aus den Disney-Filmstudios

Auch wenn viele der kleinen Nager unterwegs ihr Leben lassen: Selbstmord begehen sie nicht. Ihren Ursprung hat die international verbreitete Legende vom Massenselbstmord der Lemminge höchstwahrscheinlich in der Tierdokumentation „Weiße Wildnis (White Wilderness)“ von Walt Disney: In einer Szene des Films wird gezeigt, wie sich Lemminge auf eine Massenwanderung in der Arktis begeben, schließlich von einer Klippe in den kalten Ozean stürzen und dort offenbar ertrinken.

Doch die Tierfilmer hatten nachweislich nachgeholfen: Statt bei einer Wanderung wurden die eigens an den Drehort in Kanada geschafften Tiere auf einer schneebedeckten Drehscheibe gefilmt. Und selbstverständlich sprangen sie auch nicht freiwillig von der Klippe in den Abgrund: Für die spektakulären Bilder ließ das Filmteam die Tiere von Hunden den Abhang hinunterhetzen. Ob die kleinen Nager tatsächlich ertranken, ist allerdings fraglich: Entgegen der landläufigen Meinung sind Lemminge nämlich sehr gute Schwimmer.

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