Welt der Wunder

Nicht glauben, sondern wissen

Steigende Ejiao-Verkaufszahlen: Esel-Schlachthäuser in Kenia haben wieder Hochbetrieb

Mit Eseln verbinden die meisten von uns angenehme Geschichten. Die gutmütigen Lastenträger haben vor allem unter den Kindern weltweit viele Fans. In armen Regionen wie etwa Ostafrika sind Esel zudem wichtige Arbeitstiere in der Landwirtschaft. Aber auf sie wird auch auf grausame Art und Weise Jagd gemacht. Denn ihre Haut ist ein begehrter Rohstoff für die Produktion von Ejiao, einem vermeintlichen Wundermittel der traditionellen chinesischen Medizin.

Noch vor kurzem war die Hoffnung groß, dass die vier Esel-Schlachthäuser in Kenia dauerhaft schließen würden, nachdem ihnen Landwirtschaftsminister Peter Munya 2020 die Lizenz entzogen hatte. Viele Eselhalter*innen im Land konnten aufatmen: Das Leid ihrer Tiere durch Diebstähle, lange Transporte und die Bedingungen in den Schlachthäusern – wie von der Welttierschutzgesellschaft dokumentiert – war scheinbar beendet. Doch schon kurz nach dieser Entscheidung deutete sich an, dass die Schlachthausbetreiber auf dem Rechtsweg die Verordnung umzukehren suchten. Leider mit Erfolg.
Kaum mehr als 12 Monate nach Inkrafttreten der Verordnung des Landwirtschaftsministeriums, die die Nöte der Esel und ihrer Halter*innen bereits merklich gelindert hatte, gab das Obergericht in Naivasha einer Klage des dortigen Schlachthauses recht. Die Verordnung zum Schutz von Kenias schwindenden Eselpopulationen ist somit aufgehoben. Damit ist nun zu erwarten, dass die Schlachthäuser im Land ihren Betrieb wiederaufnehmen werden – mit den bekannten gravierenden Folgen für die Esel und ihre Halter*innen.
Ejiao – vermeintliches Heilmittel aus Eselshaut
Kenia hat sich in den letzten Jahren zum Zentrum der Eselhautexporte in Ostafrika entwickelt: 2019 wurden hier 380.000 Esel für den Handel nach China geschlachtet, wo die Haut zu Ejiao, dem vermeintlichen Heilmittel, das in der traditionellen chinesischen Medizin Einsatz findet, weiterverarbeitet wird. Ejiao wird bei Leiden wie Schlafstörungen oder Schwindel verabreicht. Darüber hinaus soll es auch die Leber reinigen. Aber den Haupt-Kaufanreiz liefert der Glaube an die Ant-Aging-Wirkung der schwarzen Gelatine aus Eselshaut. Keine dieser Wirkungen wurde wissenschaftlich je bestätigt. Doch längst nicht alle Tiere stammen aus Kenia – auch aus Nachbarstaaten wie Äthiopien und Tansania werden Esel – zum Teil illegal – beschafft. Gemeinsam mit dem African Network for Animal Welfare (ANAW) setzt die Welttierschutzgesellschaft ein Projekt um, das den Eselhandel in den Grenzregionen Kenias mit Äthiopien und Tansania untersucht.
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