weltderwunder.tv

INHALTE

FOLGEN SIE WELT DER WUNDER

Sport im Alter

Wie sie im Sport länger als andere eine Top-Leistung abrufen

Zlatan und die Eiskönigin

Collage Fußballstadion und Schlittschuhe

Das Alter hat dem Leistungssport eine natürliche Grenze gesetzt. Dennoch schaffen es Profis wie Fußballer Zlatan Ibrahimovic oder Eisschnellläuferin Claudia Pechstein, auch im Alter von jenseits der 40 Jahre in der Weltspitze ein Wörtchen mitzureden. Wie schaffen die das?

Ein Zlatan Ibrahimovic ist anders als die Norm. Der Ausnahmekicker aus Schweden zaubert auch als 40-Jähriger in den Fußball-Tempeln dieser Welt. „Ich denke, ich bin wie Wein. Umso älter ich bin, desto besser werde ich.” So lapidar erklärt das Zlatan Ibrahimovic.

Claudia Pechstein ist auch so ein Phänomen. Bei Olympia 2022 in Peking startete die 50-jährige Eisschnelllauf-Legende zum achten Mal bei den Winterspielen. So oft wie keine andere Frau zuvor. „Das ist die perfekte Krönung meiner Laufbahn“, sagte die fünfmalige Olympiasiegerin aus Berlin im Vorfeld. Bei der Eröffnungsfeier in Peking durfte Claudia Pechstein mit dem Bob-Piloten Francesco Friedrich die Deutsche Fahne tragen.

Pechstein profitiert von „extrem viel Arbeit und Training“

Zlatan Ibrahimovic und Claudia Pechstein zählen im Leistungssport zu den großen Ausnahmen. Die meisten haben sich jenseits der 40 Jahre längst aufs Rententeil zurückgezogen. „In Sportarten wie Fußball ist unter anderem Schnell- bzw. Explosivkraft ein entscheidender Erfolgsfaktor. Unseren Höhepunkt haben wir in der Regel in einem Alter zwischen 23 und 25 Jahren“, sagt Prof. Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule (DSHS) in Köln. Claudia Pechstein sei eher in einer Ausdauersportart unterwegs und könne über „extrem viel Arbeit und Training“ diese Fähigkeit auf hohem Niveau halten.

DSHS

Prof. Dr. Ingo Froböse im Hörsaal der Deutschen Sporthochschule in Köln.

Entscheidender Leistungsknick kommt mit 60 Jahren

„Top-Marathonläufer erreichen Bestzeiten oft im Alter um 35 Jahre. Allerdings nimmt diese Leistung ab 40 Jahren etwas ab“, ergänzt Prof. Dr. med. Herbert Löllgen. Löllgen ist Kardiologe, Sportmediziner und Ehrenpräsident der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (DGSP). Der entscheidende Knick käme mit 60 Jahren. Aber: „Bis dahin können Ausdauersportler ihre Leistungen relativ gut halten“, sagt Prof. Dr. med. Herbert Löllgen.

Ernährung im Sport ein limitierender Faktor

Die meisten Spitzensportler wie auch der zweimalige Weltfußballer Robert Lewandowski ordnen ihr Leben komplett dem sportlichen Erfolg unter. Sie achten penibel darauf, was sie essen. „Ernährung ist immer ein limitierender Faktor bezogen auf die Leistungsfähigkeit“, sagt Prof. Ingo Froböse und erklärt: „Geben wir unserem Körper nicht die Nährstoffe, die er benötigt, kann er niemals die Leistung abrufen, die er eigentlich leisten könnte.“

Irgendwann müssen auch die Pechsteins und Lewandowskis dieser Welt ihre Karriere beenden. Sie sind nicht mehr so schnell, so leistungsfähig wie früher. Prof. Froböse weiß, warum: „Zum einen bauen wir unsere ,schnellkräftigen‘ Muskelfasern ab. Insbesondere aber leidet im Alter die Nervenleitgeschwindigkeit und somit die Innovationsfähigkeit der Muskulatur, was uns im Alter ausbremst.“ Das Zusammenspiel von Nerv und Muskel ist also ein limitierender Faktor. Prof. Dr. med. Löllgen verweist auch auf die Abnahme der Herzkreislauffunktion.

Beim Golfen auf den Caddy verzichten

Gibt es denn Sportarten, die uns im Alter jung halten, den Alterungsprozess stoppen oder wenigstens verlangsamen? Als „besonders wirkungsvoll gelten Ausdauersportarten wie Jogging oder Schwimmen, aber auch Kraftausdauertraining“, sagt Prof. Dr. med. Rüdiger Reer, Generalsekretär des Deutschen Sportärztebundes und Leiter des Arbeitsbereichs Sport- und Bewegungsmedizin der Universität Hamburg.

„Kraft- und ausdauerbetonte Sportarten sind für unseren Körper ein wahrer Jungbrunnen. Eine gute Mischung aus beidem ist in der Regel optimal“, ergänzt Prof. Froböse von der DSHS. Auch Turnen und regelmäßiges Golfspielen wirke sich laut Prof. Dr. med. Löllgen im Alter positiv aus. Auf Fahrhilfen und einen Caddy solle beim Golfen allerdings verzichtet werden, ergänzt er mit einem Augenzwinkern.

Privat

Prof. Dr. med. Rüdiger Reer ist Generalsekretär des Deutschen Sportärztebundes (DGSP) und Leiter des Arbeitsbereichs Sport- und Bewegungsmedizin der Universität Hamburg.

WHO empfiehlt Sport bis zu 300 Minuten pro Woche

Bei der Frage nach Umfang und Intensität verweist Prof. Dr. med. Rüdiger Reer auf die Aktivitätsempfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO):

  • Die neue Richtlinie empfiehlt allen Erwachsenen von 18 bis 64 Jahren, auch diejenigen mit einer chronischen Erkrankung oder Behinderung, jede Woche mindestens 150 bis 300 Minuten aktiv zu sein. Gemeint sind damit aerobe Aktivitäten von moderater bis hoher Intensität.
  • Alternativ seien auch 75 bis 150 Minuten aerober Aktivität von hoher Intensität ausrei­chend – oder eine gleichwertige Kombination der beiden Intensitätslevel – um „sub­stanzielle gesundheitliche Vorteile“ aus der Aktivität zu ziehen.
  • Für „zusätzliche gesundheitliche Vorteile“ empfiehlt die WHO an zwei oder mehr Tagen in der Woche ein alle wichtigen Muskelgruppen umfassendes Krafttraining von mindestens moderater Intensität.

Älter als 40 Jahre und trotzdem Weltklasse

Claudia Pechstein und Zlatan Ibrahimovic („Zlatan ist auch nur ein Mensch. So wie ein weißer Hai auch nur ein Fisch ist“) sind nicht die einzigen Über-40-Jährigen, die sich mit der jüngeren Konkurrenz in der Weltklasse messen. Welt der Wunder hat andere Weltklasse-Athleten gefunden, die die Grenze von 40 Jahren bereits geknackt haben.

Abonniere unseren Newsletter

Schön, dass du uns gefunden hast. Du möchtest weitere Nachrichten aus der Welt der Wunder? Dann trag‘ dich hier ein:

Abonniere unseren Newsletter

Schön, dass du uns gefunden hast. Du möchtest weitere Nachrichten aus der Welt der Wunder? Dann trag‘ dich hier ein: