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Schlaflos im DLR: Übermüdet für eine Forschungsstudie

Schlaflos im DLR: Übermüdet für eine Forschungsstudie

Schlafmangel ist ein alltägliches Problem. Die Risiken: das Reaktionsvermögen ist eingeschränkt, die Konzentration lässt nach. In einer Langzeitstudie gehen Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) den medizinischen Ursachen dieser Phänomene auf den Grund.

Der Wecker klingelt um Punkt 07:00 Uhr. Aufstehen, duschen, frühstücken. Halb schlaftrunken bewegt man sich dann, nach einer viel zu kurzen Nacht, durch den Berufsverkehr zur Arbeit – so richtig wach fühlt man sich erst nach der zweiten Tasse Kaffee. Wer kennt das nicht? 

Übermüdete Verkehrsteilnehmer stellen ein erhebliches Risiko dar, ganz gleich, ob es sich um die Fahrer von LKW und PKW, Piloten oder Astronauten handelt. Doch nicht nur im Verkehr birgt Schlafmangel eine Gefahr: Neben dem Unfallrisiko besteht auch eine erhöhte Anfälligkeit für Stoffwechselerkrankungen und verminderte Insulinsenibilität wie etwa bei Typ-2-Diabetes.

Wie viel Schlaf braucht der Körper?

Wie lange sollte man also schlafen, um Schlafmangel zu vermeiden? Studien über das Schlafverhalten von Astronauten auf der ISS belegen, dass die effektive Schlafperiode trotz einer Bettruhe von achteinhalb Stunden lediglich zwischen fünf und sechs Stunden liegt.
 
Kürzere Schlafzeiten sowie eine niedrige Schlafqualität werden mit Leistungsabfall, einem vermehrten Schlafbedürfnis, einem erhöhten subjektiven Stressempfinden und mit körperlicher Erschöpfung in Verbindung gebracht. Der Schlafmangel wird also deutlich wahrgenommen und kann auch der Grund für die Einnahme von Medikamenten sein. 

Rund um den Schlaf

So wie im Weltall ist der chronische Schlafmangel auch ein irdisches Thema. Auf der Erde versucht man oft den Schlafmangel, der sich unter der Woche ansammelt, am Wochenende zu kompensieren, was allerdings nur bedingt effektiv ist.
Der Rhythmus von Wach- und Schlafphasen ist abhängig von der Tageszeit (zirkadianer Prozess) und dem Schlafdruck (homöostatischer Prozess), also der Müdigkeit. Während der Schlafphase sind Dauer und Qualität des Schlafes von Bedeutung.
 
Wie gut oder schlecht ein Mensch auf Schlafmangel reagiert, ist individuell unterschiedlich. Bezüglich individueller Unterschiede scheint der Botenstoff Adenosin ein wichtiger Einflussfaktor zu sein, der im Rahmen der “SomnoSafe”-Studie des DLR-Instituts für Luft- und Raumfahrtmedizin genauer untersucht werden soll.
 
Das Ziel der Studie ist die Erforschung des Zusammenhangs der Adenosinrezeptor-Dichte und Störungen des Schlafs sowie der kognitiven Leistung aufgrund von Schlafmangel und dem “Nachholen” von Schlaf. Um den Beginn eines Leistungsabfalles in frühen Stadien festzustellen, werden zusätzlich sogenannte Ermüdungsbiomarker bezüglich ihrer Vorhersagekraft überprüft.

Aus dem Takt

Die 36 Probanden verbringen je elf Tage und Nächte im Schlaflabor der Forschungsanlage :envihab. In den ersten drei Nächten sollen die Probanden acht Stunden schlafen. Danach erfolgt die Aufteilung in zwei Gruppen à 18 Personen. Während die erste Gruppe fünf Nächte lang wiederum acht Stunden schlafen kann, wird die Nachtruhe der zweiten Gruppe in diesem Zeitraum auf fünf Stunden reduziert. Anschließend folgt für beide Gruppen eine Nacht mit acht Stunden Schlaf. Darauf folgt für alle eine Phase von 38 Stunden ohne jeglichen Schlaf und abschließend eine Nacht mit neun Stunden Ruhe.
 
Im Verlauf der Studie wird eine Vielzahl von Untersuchungen durchgeführt, um die kognitiven Fähigkeiten zu messen, die Qualität des Schlafes zu bestimmen und die Aktivität des Gehirns zu dokumentieren. Zusätzlich wird die Stoffwechselfunktion mittels eines Tests zur Bestimmung des Blutzuckerspiegels überprüft.
 
Die erste Phase der SomnoSafe-Studie ist abgeschlossen, weitere Phasen folgen bis Februar 2017. Die Ergebnisse der Studie fließen dabei nicht nur in die Raumfahrtmedizin ein, sondern dienen auch dem Erkennen und Vermeiden von irdischen Risiken, die durch Schlafmangel verursacht werden.

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