Lese- und Rechtschreibschwäche

Wer kann das lesen? Legastheniker entwickelt spezielle Schriftart

Der Engländer Daniel Britton hat eine Schriftart entwickelt, die lesefähigen Menschen vermitteln soll, was es bedeutet, Legastheniker zu sein.

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Unsere zivilisierte Welt ist dahingehend konzipiert, von ihren Bewohnern gelesen zu werden. Informationen jeglicher Art werden zu großen Teilen durch Buchstaben, Wörter und Sätze verbreitet. Wer in dieser Welt nicht richtig lesen und schreiben kann, ist täglich mit neuen Anstrengungen und unangenehmen Situationen konfrontiert. So auch der Brite Daniel Britton.


Eine missverstandene Störung

Bis zu seinem 22. Lebensjahr hat Britton kein einziges Buch zu Ende gelesen. Dabei ist der Student weder faul noch ein langsamer Lerner. Er ist Legastheniker und beschreibt den Zustand in seinem Gehirn so: „Es ist nicht so, dass die Buchstaben und Zahlen wild auf den Seiten herumspringen und ihre Farbe ändern. Es versagt einfach die Kommunikation zwischen Auge und Gehirn. Die meisten Legastheniker sehen alle Informationen – und damit jeden einzelnen Buchstaben – klar und deutlich, aber irgendwas im Kopf stoppt oder verlangsamt den Prozess, diese Infos zu verarbeiten.“

Britton kritisiert, dass Legasthenie zu großen Teilen missverstanden und damit einhergehend falsch kommuniziert wird. Oftmals erkennen Lehrer nicht, wenn ein Schüler die Schwäche aufweist, sondern vermuten Faulheit oder mangelnde Begabung als Ursache. „Da ich selbst mit einer Lese- und Rechtschreibschwäche lebe, wollte ich eine Illustration designen, die eine sensibilisierende Brücke zwischen Legasthenikern und lesefähigen Menschen schlagen soll.“ Je mehr Menschen Einfühlungsvermögen für die Störung entwickeln, desto schneller könne man sie diagnostizieren und in der Folge auch besser behandeln – das zumindest hofft Dan Britton.
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Die Lesegeschwindigkeit wird gedrosselt

In seinem Projekt arbeitet er mit einer speziell entwickelten Schriftart, die die Geschwindigkeit von normal lesenden Menschen um ein Vielfaches verlangsamt. Dabei hat er zwei unterschiedliche Versionen designt: In der 2D-Version der Schrift hat Britton 50 Prozent der Buchstaben entfernt. Die 3D-Version beinhaltet zwar alle Bestandteile der Buchstaben, diese sind aber mit etwas Abstand übereinander gelegt. Steht man direkt vor der 3D-Version, kann man die Wörter ohne Probleme lesen. Bewegt man sich jedoch leicht nach links oder rechts, bricht die Schrift auf, sodass sie nur mit viel Anstrengung gerade so noch lesbar ist (siehe Bildergalerie).

Um seinem Projekt die nötigen finanziellen Mittel zukommen zu lassen, hat Britton eine Crowdfunding-Kampagne gestartet. Bis zum 12. Juli will er sein selbst gestecktes Ziel von 2.000 Pfund erreichen, mit dem er plant, Lernpakete für Schüler zusammenzustellen. Diese bestehen aus Postern und Heften und sollen in Schulen das Bewusstsein für Legasthenie schärfen – von Schülern, Lehrern und Eltern zugleich.

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