Welt der Wunder

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Warum schwimmt „Philipp“ nicht einfach los?

Foto: KI-generiert / ChatGPT

Warum schwimmt „Philipp“ nicht einfach los?

Eine exklusive Kooperation mit unserem Partner „Welt der Buckelwale“.

Seit über einer Woche beobachte ich nun dieses faszinierende, wenn auch etwas verloren wirkende Geschöpf: einen Menschen. Es wurde von unserer wissenschaftlichen Gemeinde auf den Namen „Philipp“ getauft – in Anlehnung an seinen Aufenthaltsort, eine Insel östlich der Philippinen.

„Philipp“ ist eindeutig in einem desolaten Zustand. Er wirkt geschwächt und hat sichtbar an Masse verloren. Dazu wuchert ihm inzwischen eine struppige, tiefseekorallenartige Substanz im Gesicht. Ein interessantes Körpermerkmal, das der Walgemeinschaft bisher unbekannt gewesen ist. Vermutlich dient es der Strömungsanalyse oder als soziales Signal. Weitere Forschungen stehen noch aus.

Was mich jedoch als führenden (und bislang einzigen) Menschenexperten unserer wissenschaftlichen Gemeinschaft besonders beschäftigt, ist ein grundlegendes Problem: Warum schwimmt er nicht einfach weg? Bis Luzon sind es nur etwa 1000 Seemeilen! Ein Pappenstiel, wenn Sie mich fragen!

Warum bindet „Philipp“ Holzscheite zusammen?

Stattdessen konnte ich in den letzten Tagen eine Reihe zunehmend kreativer – und zunehmend erfolgloser – Versuche seitens „Philipp“ dokumentieren, die Insel zu verlassen, ohne seine Schwimmflossen einzusetzen.

Zunächst konstruierte „Philipp“ ein kleines Wasserfahrzeug aus Holzscheiten. Dieses hielt etwa so lange zusammen, wie ein durchschnittlicher Krillschwarm an einem Ort verweilt, also bestenfalls eine Mikrosekunde. Sein zweiter Versuch besaß eine größere Grundfläche und eine bessere Hydrodynamik, zeigte aber auch die bekannte Schwäche menschlicher Technik: die fehlende Flossenintegration.

Eventuell fehlt ihm einfach die notwendige Energie. Warum er sich immer noch keinen nahrhaften Krillschwarm zu Gemüte geführt hat, ist mir unergründlich. Jetzt, wo wir ständig über Krillschwärme reden, knurrt mir plötzlich der Magen. Entschuldigen Sie mich bitte einen Augenblick.

Können Menschen etwa nicht durch den Ozean schwimmen?

Beim dritten Versuch konnte ich ein besonders bemerkenswertes Verhalten feststellen: „Philipp“ setzte sich auf seine wackelige Konstruktion und begann, mit den Händen ins Wasser zu schlagen. Offenbar beabsichtigte er, auf diese Weise Vortrieb zu erzeugen. Kurios.

Ich habe daraufhin mehrfach demonstrativ meine Schwanzflosse eingesetzt – langsam, deutlich, didaktisch wertvoll. Seine Reaktion: Er winkte begeistert zurück. Ich beginne zu vermuten, dass Menschen nicht über genügend Intelligenz verfügen, um visuelle Demonstrationen korrekt zu interpretieren.

„Philipp“ verbringt außerdem viel Zeit damit, im Schneidersitz am Strand zu hocken, auf den Horizont zu starren und gelegentlich Laute von sich zu geben. Ich analysierte diese als möglichen Kommunikationsversuch mit seinem Schwarm – allerdings ohne erkennbare Antwort. Eine sehr ineffiziente Kommunikationsstrategie.

Meine bisherigen Hypothesen lauten:

  1. „Philipp“ fühlt sich von mir beobachtet und möchte nicht, dass ich seine Flossentechnik studiere.
  2. Menschen benötigen künstliche Hilfsmittel, um Auftrieb zu erzeugen – diese konstruieren sie jedoch konsequent falsch.
  3. Oder – und das ist meine aktuelle Arbeitsthese – „Philipp“ hat schlicht die offensichtlichste Lösung übersehen.

Ich möchte betonen, dass ich trotz dieser Schwierigkeiten großen Respekt vor „Philipp“s Durchhaltevermögen habe. Immer wieder begibt er sich auf seine Hinterflossen, sammelt Holz, baut neue Konstruktionen und scheitert erneut – mit bemerkenswerter Konsequenz.

Er hat wahrlich die Flosse auf dem rechten Fleck würde ich sagen – auch wenn er sie offensichtlich nicht korrekt einsetzen kann.

Die Walgemeinschaft verfolgt den Fall mit wachsendem Interesse. Einige jüngere Mitglieder meiner Schule haben bereits begonnen, Wetten abzuschließen. Wird „Philipp“ vor dem nächsten Vollmond schwimmen? Oder wird oder ein noch größeres, noch instabileres Boot bauen?

Ich persönlich bleibe optimistisch. Vielleicht wird „Philipp“ eines Tages den entscheidenden Schritt wagen: Sich in die türkisfarbenen Fluten begeben, seinen unflätigen Körper strecken, seine bizarren Gliedmaßen koordinieren – und endlich erkennen, was für alle Lebewesen der Weltmeere selbstverständlich ist.

Bis dahin beobachte ich ihn weiter. Für das kollektive Wissen unserer wissenschaftlichen Gemeinde. Und natürlich auch, weil es ein wenig Spaß macht. Schönen ersten April!

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