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Exit-Strategien gegen Gewalt

Gewaltsituationen meistern: An erster Stelle steht die Vermeidung

Es gibt drei Stufen der Gewalt-Deeskalation: Vermeidung, Bereinigung, Selbstschutz. Die meisten Situationen lassen sich schon auf der ersten Stufe entschärfen – man bietet einem potenziellen Täter gar nicht erst die Angriffsfläche. Welt der Wunder zeigt, wie das geht.

© iStock-DeanDrobot

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Der erste Schritt, um nicht zu einem Opfer zu wer­den, ist, sich nicht von vornherein wie ein Opfer zu verhalten. Ein Faktor, der oft unterschätzt wird: Die meisten Täter suchen keine Gegner, sondern Opfer. Denn viele Aggressoren wollen mit ihrem Verhalten anderen imponieren oder sich selbst aufwerten. Sie alle teilen aber in der Regel den­noch das Bedürfnis, nicht verletzt zu werden oder sich nicht mit jemandem anzulegen, der sich ent­schlossen wehren wird. Anders gesagt: Solche Opfer versprechen zu wenig Profilierungsmög­lichkeiten – und tatsächlich gibt es einige Tricks, Tätern den Spaß noch weiter zu verderben.

Selbstsicherheit lässt sich vortäuschen

Körperliche, verbale und gestische Selbstsicher­heit ist ein sehr altes Kommunikationsmittel, eines bei dem man in der Regel davon ausgehen kann, dass es jeder Mensch (ganz gleich wie alt er ist, welchem Kulturkreis er angehört oder wie betrun­ken er ist) es verstehen wird. Und es wirkt aus den oben genannten Gründen abschreckend auf die meisten Aggressoren. Das Problem: Manche Men­schen fühlen sich nicht selbstsicher, obwohl sie es gerne wären. Die gute Nachricht: Für die Message „Vorsicht! Ich bin kein Opfer!“ ist es völlig irrele­vant, ob man sich tatsächlich selbstsicher fühlt oder nicht – es reicht meist vollkommen, es glaub­haft vorzutäuschen. Wenn die äußeren Signale stimmen, kann der Gegenüber in der Regel eine gespielte Selbstsicherheit nicht von einer echten unterscheiden. Zudem gilt: Wer eine Gefühlsregung vortäuscht, wird diese Emotion leichter annehmen können. 
 
Tipp: Der einfachste Weg, Selbstsicherheit vor­zutäuschen, ist, Selbstsicherheit zu kopieren. Beobachten Sie einfach einen Menschen, von dem Sie denken, dass er sehr selbstbewusst wirkt – und übernehmen Sie die dabei für Sie auffälligen Merkmale. Ebenso kann es helfen, vor dem Spiegel Ihr eigenes Verhalten auf Selbstsicherheits-Merkmale hin zu überprüfen. Sie werden überrascht sein, wie sensibel Ihre eige­nen Antennen sind, wenn es darum geht, Selbst­sicherheit zu identifizieren.

Angst ist nicht relativ

Ängste werden in unserer grundsätzlich sehr sicheren Lebenswelt gern relativiert. Die Gründe dafür sind sehr unterschiedlich. Die Folgen können allerdings dramatisch sein. Sätze wie: „Mir wird schon nichts passieren!“, „Ach, früher hat es das auch schon gegeben – und mir ist nie was pas­siert!“ sind aus professioneller Sicht ein ernsthaftes Sicherheitsproblem.
 
Eine weitere Gefährdung unserer Aufmerksamkeit nennen Experten „switched off“ – ein Phänomen, das sich paradoxerweise aus einem Gefühl der Sicherheit ergibt. Da wir uns in unserer Lebenswelt in der Regel sicher fühlen, rechnen wir nicht mit einem Angriff. Tatsächlich schließen wird ihn mit Blick auf unserer Verhalten sogar aus – laufen unaufmerksam (z. B. die Augen auf dem Handydisplay, Kopfhörer auf den Ohren) herum. Man könnte auch sagen: Wir vernachlässigen eine unse­rer ältesten Pflichten: Selbstschutz. Die Folge: Wir sind für jeden ein leichtes Ziel und auch als solches erkennbar! Worauf soll ich also achten? „In erster Linie auf andere Personen, die einen umgeben“, sagt der Deeskalations-Experte Stefan Reinisch.

Tipp: Drehen Sie sich ab und zu um oder blicken mithilfe von spie­gelnden Oberflächen zurück. Halten Sie nachts Abstand von dunklen Hauseingängen oder geparkten Autos. So lernt man, seine Umgebung bewusst wahrzunehmen. Tatsächlich warnen Experten davor, sich grundlos vollkommen sicher zu fühlen. Gefahren lauern nicht überall – aber sie können jederzeit überall entstehen.

© iStock-littleny

In der Praxis: Die meisten Konfrontationen beginnen verbal – und las­sen sich so auch beenden. Hierbei unterscheidet man zwischen drei Formen der Aggression:

  1. aus einer Gemütslage heraus. Der Täter ist einfach wütend. 
  2. um das Opfer auf seine Verteidigungsreaktion zu tes­ten (etwa vor einem Überfall)
  3. um das vermeintliche Opfer einzu­schüchtern oder abzulenken. Der Täter verfolgt hier zunächst ebenfalls und oft unterbewusst eine Vermeidungsstrategie – und das sollte man wiederum bewusst nutzen.

Aufmerksamkeit!

Einer Konfrontation aus dem Weg zu gehen, ist die definitiv einfachs­te Vermeidungsstrategie. In der Praxis heißt das natürlich, Personen aus dem Weg zu gehen, die auf Sie aggressiv wirken. Das ist nicht immer einfach. Manchmal ist es etwa in einer schlecht beleuchteten Straße nicht so einfach, aus 50 Metern Entfernung einzuschätzen, ob eine Person bedrohlich ist oder nicht.
 
Deshalb gilt: Lieber eine Person mehr zu Unrecht als bedrohlich einstufen und ihr aus dem Weg gehen als einmal zu wenig. Verlassen Sie sich auf Ihren Instinkt. Denn Fakt ist: Wenn man mit Opfern von Gewalttaten spricht, hört man einen Satz auffällig oft: „Ich hatte eigentlich sofort ein schlechtes Gefühl.“ Auf die inneren Alarmglo­cken zu hören, ist vor dem Hintergrund der Konfliktvermeidung sehr ratsam. Das Unterbewusstsein nimmt oft mehr wahr, als wir ahnen. Das heißt nicht, dass man sich im Alltag von Angst oder Vorurteilen leiten lassen sollte. Doch unterbewusste Warnungen sollte man nie ignorieren.

Schlägt die Vermeidung fehlt, ist die nächste Strategie gegen eine Gewalt-Deeskalation die Bereinigung danach folgt der Selbstschutz. .
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