Was geschah auf dem Flug LH1170 nach Lissabon?
Am vergangenen Samstagabend hob in Frankfurt ein Airbus A321 der Lufthansa ab. Das Ziel war Lissabon. Während des Flugs geriet die Powerbank eines Passagiers im Sitzbereich in Brand. Die Kabinencrew konnte das Gerät sichern, doch die Piloten brachen den Flug ab.
Um bei der Landung in Lyon Vorrang zu erhalten, erklärte die Crew eine Luftnotlage. Laut Lufthansa wurde niemand verletzt. Die 198 Passagiere und sechs Crew-Mitglieder wurden laut Medienberichten in Hotels untergebracht.
Wie kann eine Powerbank Feuer fangen?
In Powerbanks befinden sich Lithium-Ionen-Zellen. Wird eine davon instabil, kann eine gefährliche Kettenreaktion beginnen: Die Zelle erhitzt sich, setzt dabei weitere Wärme frei und heizt sich dadurch noch stärker auf. Fachleute verwenden den Begriff „thermisches Durchgehen“. Dabei können extreme Temperaturen und dichter Rauch entstehen, im schlimmsten Fall gerät die Zelle in Brand.
Die Auslöser sind vielfältig: Defekte, gefälschte, gequetschte, überhitzte oder falsch geladene Powerbanks bergen ein hohes Risiko. In einer Reisetasche, unter einem Sitz oder im Gepäckfach kommen mehrere dieser Risiken leicht zusammen.
Die Gefahr durch Lithium-Ionen-Zellen
Lithium-Ionen-Zellen speichern viel Energie auf kleinem Raum. Bei Beschädigung, Überhitzung oder Kurzschluss steigt die Temperatur innerhalb der Zelle stark an, was weitere chemische Reaktionen beschleunigt. Dabei entstehen brennbare Gase, die sich entzünden können.
Besonders gefährlich ist, dass Brände, die durch beschädigte Lithium-Ionen-Zellen entstehen, schwer zu kontrollieren sind. Es ist möglich, dass sich die Zellen auch nach dem scheinbaren Erlöschen erneut entzünden.
Wie erkennen Sie gefährliche Powerbanks?
Achten Sie beim Kauf auf ein sauber verarbeitetes Gehäuse, vollständige Hersteller- und Leistungsangaben sowie nachvollziehbare Sicherheits- und Prüfkennzeichnungen. Seien Sie vorsichtig bei auffällig günstigen Produkten, unrealistisch hohen Kapazitätsangaben und Angeboten unbekannter Hersteller. Fehlen Informationen zur Herkunft, zu den verwendeten Akkuzellen oder zu wichtigen Schutzfunktionen, sollten Sie das Produkt nicht kaufen.
Bei älteren Powerbanks sollten Sie besonders auf Aufblähungen, Verformungen, Risse und eine ungewöhnliche Erwärmung achten. Auch wenn das Gehäuse unbeschädigt aussieht, kann der Akku mit der Zeit an Leistung verlieren und instabil werden. Wenn die Powerbank sich plötzlich sehr stark erhitzt, ungewöhnlich lange zum Laden benötigt oder sich deutlich schneller entlädt als früher, sollten Sie sie nicht weiter benutzen. Gleiches gilt, wenn die Powerbank beschädigt wurde oder über einen längeren Zeitraum großer Hitze ausgesetzt war.
Aktuelle Artikel
Powerbanks als ernst zu nehmendes Risiko im Flugzeug
Die US-Luftfahrtbehörde FAA verzeichnete 2024 insgesamt 85 bestätigte Vorfälle mit Lithiumbatterien – ein Rekord, im Schnitt also mehr als einer pro Woche. Seit 2006 entfallen 39 Prozent aller gemeldeten Fälle auf Powerbanks; sie sind damit der häufigste Auslöser.
Der Trend geht weiter nach oben. Laut einer Auswertung der gemeinnützigen Sicherheitsorganisation UL Standards & Engagement stiegen die Powerbank-Vorfälle 2025 um 42 Prozent – auf durchschnittlich 2,36 Akku-Zwischenfälle pro Woche, nach 2,05 im Vorjahr. Damit haben Powerbanks E-Zigaretten als Hauptursache von Akkubränden abgelöst.
Was tun Airlines und Behörden gegen Zwischenfälle mit Powerbanks?
Bei der Lufthansa gilt seit Januar 2016: Pro Fluggast sind maximal zwei Powerbanks erlaubt, die ausschließlich im Handgepäck transportiert werden dürfen.
Powerbanks im Handgepäck mitführen, aber nicht benutzen
Während des Fluges müssen Powerbanks in der Sitztasche, am Körper oder unter dem Sitz aufbewahrt werden. Sie dürfen während des Fluges jedoch nicht benutzt werden. Das bedeutet, dass sie während des Fluges weder zum Laden eines Smartphones oder anderer Geräte verwendet noch selbst geladen werden darf. Eine Ausnahme besteht nur für die Nutzung mit zugelassenen medizinischen Geräten.
Für Powerbanks mit einer Kapazität zwischen 100 und 160 Wattstunden ist vorab eine Genehmigung der Airline erforderlich. Die Lufthansa beruft sich dabei auf Empfehlungen der EASA und der FAA.
Inzwischen stehen auch die Hersteller in der Kritik: In China entzog die Marktregulierungsbehörde mehreren Powerbank- und Zellenherstellern die 3C-Zertifizierung oder setzte sie aus. Ein Prüfsiegel schützt nur so lange, wie es etwas bedeutet.
Die FAA rät dazu, Lithiumbatterien und batteriebetriebene Geräte während des Fluges in der Kabine in Sichtweite zu behalten und sie niemals im eingecheckten Gepäck zu transportieren. Geräte mit Dellen, Schwellungen oder einer starken Erwärmung beim Laden müssen sofort entsorgt werden.
Die Kapazität einer Powerbank in Wattstunden können Sie selbst berechnen:
- Wattstunden (Wh) ergeben sich aus Spannung (Volt) mal Amperestunden (Ah).
- Eine Batterie mit einer Spannung von 5 Volt und 20 Amperestunden (Ah) hat 100 Wattstunden (Wh).
- Eine 20.000-mAh-Powerbank dem üblichen Wert von 3,7 Volt hat 74 Wh und liegt damit unter der 100-Wh-Grenze.
Definitionen und Begriffserklärungen zu Powerbanks im Flugzeug
Thermisches Durchgehen
Eine Kettenreaktion in einer Lithium-Ionen-Zelle, bei der sich der Akku selbst immer weiter aufheizt – bis Rauch, Hitze und Feuer entstehen.
Wattstunde (Wh)
Einheit für die in einem Akku gespeicherte Energie (Volt mal Amperestunden). Die Höhe entscheidet, ob eine Airline die Mitnahme erlaubt.
Luftnotlage
Funkspruch der Piloten an die Flugsicherung mit der Bitte um Priorität. Ermöglicht eine bevorzugte Landung – die Lage muss dafür nicht zwingend lebensbedrohlich sein.
Häufig gestellte Fragen zu Powerbanks im Flugzeug
Was ist auf Flug LH1170 passiert?
Eine Powerbank geriet im Sitzbereich in Brand. Die Crew sicherte das Gerät, die Piloten erklärten eine Luftnotlage und landeten in Lyon. Es gab keine Verletzten.
Warum können Powerbanks Feuer fangen?
Eine Beschädigung, ein Defekt, eine Fälschung oder ein falsches Laden können ein „thermisches Durchgehen“ auslösen. Dabei heizt sich der Akku selbst auf und fängt Feuer.
Wie häufig kommen solche Zwischenfälle vor?
Die FAA verzeichnete 2024 einen Rekordwert von 85 Vorfällen. UL zählte 2025 im Schnitt 2,36 Akku-Zwischenfälle pro Woche – Powerbanks sind die häufigste Ursache.
Welche Regeln gelten bei der Lufthansa?
Maximal zwei Powerbanks im Handgepäck, keine Nutzung, kein Laden an Bord. Zwischen 100 und 160 Wh ist eine Genehmigung der Airline nötig.
Wie erkenne ich, dass eine Powerbank in Brand geraten könnte?
Zu den Warnzeichen zählen Schwellungen, Dellen, eine starke Erwärmung oder ein ungewöhnlicher Geruch. Im Flugzeug gilt: Sofort die Crew rufen!