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Feiertag am 1. Mai

Tag der Arbeit am 1. Mai: Die politischen Ursprünge des Feiertags

Keine Arbeit am Tag der Arbeit

Zwei Fäuste, die aus Protest in die Luft gestreckt sind, symbolisieren Kundgebungen zum Tag der Arbeit am 1. Mai

Der Tag der Arbeit ist ein Feiertag in Deutschland: Jedes Jahr am 1. Mai sollen Arbeiterinnen und Arbeiter für gerechtere Bedingungen einstehen können. Ausschreitungen kommen immer wieder vor. 

Zwei Fäuste, die aus Protest in die Luft gestreckt sind, symbolisieren Kundgebungen zum Tag der Arbeit am 1. Mai
Twenty20Photos / Envato Elements

Der Tag der Arbeit am 1. Mai ist in vielen Ländern ein Feiertag, an dem Erwerbstätige für ihre Rechte demonstrieren.

Den Wonnemonat Mai beginnen Menschen sehr unterschiedlich: Es wird in der Walpurgisnacht in den Mai getanzt und Dorfgemeinden stehlen sich gegenseitig ihre Maibäume. Andere besuchen politische Kundgebungen und die nächsten zünden bei traditionellen Randalen Mülltonnen an. Was hat es mit dem Feiertag am ersten Mai auf sich? 

Tag der Arbeit: Der politische 1. Mai und sein Ursprung

Der 1. Mai ist in Deutschland, Österreich sowie Teilen der Schweiz und in weiteren Staaten ein gesetzlicher Feiertag. Am Tag der Arbeit oder auch Internationalen Kampftag der Arbeiterklasse geht es um Arbeitsbedingungen, fairen Lohn und Gerechtigkeit. 

Seinen Ursprung hat der Feiertag in den USA. Am 1. Mai 1886 protestierten Arbeitskräfte unter anderem in Chicago und forderten einen Acht-Stunden-Tag. 30 Jahre zuvor hatte eine Bewegung in Australien bereits eine Senkung der Arbeitszeit von zwölf auf acht Stunden gefordert. In Folge der Arbeitsniederlegung 1886 in Chicago kam es nach zwei Tagen zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Streikenden und Polizei. Es starben zwei Demonstranten. Einen Tag später eskalierte eine weitere Kundgebung: Die Polizei stürmte eine Versammlung, eine Bombe wurde gezündet. Es starben weitere Menschen und mehrere Hundert wurden verletzt. Acht Personen werden daraufhin ohne Beweise für den Anschlag verantwortlich gemacht, zum Tode verurteilt und öffentlich gehängt. Diese Ereignisse gingen – benannt nach dem Platz des Geschehens – als Haymarket Affair oder Haymarket Riot in die Geschichte ein.

Den Opfern der Ausschreitungen wird seither am 1. Mai gedacht – mit den Jahren auch in weiteren Teilen der Erde. Der Acht-Stunden-Tag wurde in den USA im Jahr 1938 gesetzlich festgelegt. 

Demonstrationen für gerechte Arbeitsbedingungen am 1. Mai

Auf dem zweiten internationalen Arbeiterkongress 1889 in Paris beschlossen Arbeiterparteien und Gewerkschaften, an jedem 1. Mai international zu Demonstrationen aufzurufen und den Opfern von 1886 zu Gedenken. Die Forderungen damals: Fairer Lohn, verbesserte Arbeitsbedingungen und der Acht-Stunden-Tag. Es fanden Streiks und sogenannte Maispaziergänge statt. Die Folge: Entlassungen und Aussperrungen. So entwickelte sich der 1. Mai zunehmend auch in Deutschland zu einem Symboltag der Arbeiterbewegung. 

Ab 1933 nutzten die Nazis in Deutschland den symbolträchtigen Tag für ihre Zwecke als Feiertag für Paraden und Aufmärsche. Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich der Tag im geteilten Deutschland unterschiedlich: Die Alliierten bestätigten den arbeitsfreien Tag. Daraufhin veranstalteten Gewerkschaften in der Bundesrepublik Deutschland (BRD) Kundgebungen und kulturelle Veranstaltungen. In der DDR (Deutsche Demokratische Republik) fanden militärische Paraden statt.  

Heute ist der 1. Mai ein Feiertag, an dem Erwerbstätige weiterhin für ihre Rechte als Arbeitleistende demonstrieren können. Gewerkschaften und Parteien veranstalten Demonstrationen und Kundgebungen. Zwar haben sich die Bedingungen hierzulande im Vergleich zum 19. Jahrhundert deutlich verbessert, Ungerechtigkeit herrscht jedoch bis heute. Mit Ausbruch der Corona-Pandemie im Jahr 2020 bekamen Missstände in sogenannten systemrelevanten Berufen vermehrt Aufmerksamkeit.

Erster-Mai-Demos: Traditionelle Krawalle

Im West-Berliner Stadtteil Kreuzberg entwickelte sich der 1. Mai 1987 zur Revolte. Über die Ereignisse berichtete die Presse international. Das Magazin Der Spiegel schrieb kurz darauf von der „Schwarzen Nacht“ in Kreuzberg. Am Rande von traditionellen Straßenfesten zum 1. Mai eskalierten Ausschreitungen zwischen Autonomen und der Polizei. Brennende Barrikaden wurden errichtet und von linksradikalen Gruppen mit Steinen und Molotowcocktails verteidigt. Es fanden zahlreiche Plünderungen und Brandstiftungen statt. Auch der U-Bahnhof Görlitzer Straße in Berlin brannte. Von dieser Nacht meldete die Feuerwehr Berlin insgesamt 43 Einsätze und gab an: „55 Einsatzstellen können nicht erreicht werden. Ein Löschfahrzeug wird durch Brandstiftung vernichtet, 16 andere Fahrzeuge, darunter auch zwei Rettungswagen der Hilfsorganisationen, sind wegen beschädigter Windschutz- oder Seitenscheiben nicht mehr einsatzfähig.“ 

In Jahren nach 1987 wiederholten sich sogenannte Revolutionäre Erste-Mai-Demonstrationen. Sie verfolgen neben den Zielen der Arbeiterbewegung ebenso linkspolitische Ziele und setzen sich für soziale Gerechtigkeit, den Kampf gegen Faschismus, Rassismus und Anti-Semitismus ein. Es kommt immer wieder zu Ausschreitungen. Polizei und Demonstrierende beschuldigen sich gegenseitig, die Eskalationen zu provozieren. Gewalt und brutale Auseinandersetzungen kommen unter anderem im Berlin und Hamburg bei Veranstaltungen zum 1. Mai immer wieder vor.