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Kugelblitze: Gibt es die geheimnisvollen Lichterscheinungen wirklich?

Eine leuchtend gelbe Kugel schwebt lautlos über dem Boden. Dann ein Knall, und schon die rätselhafte Lichterscheinung wieder verschwunden. Kugelblitze stellen Forscher auch heute noch vor ein Rätsel.

Mann sieht kugelblitzartige Lichterscheinung in der Nacht

© imago/biky

Eine leuchtend gelbe Kugel schwebt lautlos über dem Boden. Dann ein Knall, und schon die rätselhafte Lichterscheinung wieder verschwunden. So werden Kugelblitze beschrieben – doch wie entstehen sie? Bis heute ist es der Wissenschaft nicht gelungen, eine eindeutige Erklärung für die geheimnisvollen und extrem seltenen Lichter zu finden – und Beweisfotos existieren nicht.

Der Kugelblitz von Neuruppin

Im Januar 1994 beobachteten zahlreiche Augenzeugen in Neuruppin bei Berlin einen dieser Kugelblitze. Auch der lokalen Station des Deutschen Wetterdienstes fiel das Ereignis während eines außergewöhnlich heftigen Wintergewitters auf. Ihre Berichte ähnelten sich: Der Kugelblitz erscheint als leuchtend gelbe Kugel, etwas kleiner als ein Fußball, bewegt sich rollend oder springend mit einer Geschwindigkeit von wenigen Metern pro Sekunde bodennah vorwärts und löst sich nach wenigen Sekunden schon wieder auf.

Einer der ersten Forscher, der mit einem Kugelblitz im wahrsten Sinne des Wortes in Berührung kam, war der Petersburger Professor Georg Wilhelm Richman. Einer seiner Versuche im Jahre 1753 führte der Welt vor Augen, wie gefährlich es sein kann, mit Blitzen zu experimentieren. Mit Hilfe eines in sein Arbeitszimmer reichenden Blitzableiters und des ersten elektrischen Kondensators, der Leidener Flasche, erbrachte Richman den Beweis, dass sich die an der Metallstange eingefangene Luftelektrizität verstärken ließ. Das Experiment hatte jedoch einen tragischen Ausgang: Richman kam der Stange zu nahe, dabei löste sich aus dieser eine bläuliche, faustgroße Kugel, die ihn an der Stirn traf und tötete. Mit diesem Unglück rückte der Kugelblitz vermutlich das erste Mal in das Zentrum wissenschaftlichen Interesses.

Forschung mit modernster Technik

Seither hat sich viel getan. Im Rahmen einer Materialprüfung gelang es israelischen Forschern, einen künstlichen Kugelblitz herzustellen. Während des Experiments, bei dem Materialien Mikrowellen ausgesetzt wurden, entdeckten sie einen Feuerball, der fast eine Minute durch den Versuchskasten wanderte. Die Forscher ahnten erst später, dass es sich um einen Kugelblitz handeln könnte. Die sensationelle Entdeckung ging weltweit durch die Wissenschaftspresse. Aber könnten Mikrowellen auch in der Natur Auslöser für Kugelblitze sein?

Eine ebenfalls aussichtsreiche Theorie dazu wurde vom russischen Physiker Pjotr Kapiza im Jahre 1955 aufgestellt. Er glaubte, dass sich während eines Gewitters stehende elektromagnetische Wellen zwischen Himmel und Erde bilden, in deren Schwingungsbäuchen Kugelblitze beziehungsweise Plasmakugeln entstehen. Die Größe des Kugelblitzes sei dabei abhängig vom Abstand der Schwingungskurve innerhalb der Welle. Sofern Baustoffe für Mikrowellen durchlässig sind, was bei den meisten Baustoffen der Fall ist, könnten Kugelblitze diese durchdringen. Seine Theorie wurden von Anfang der neunziger Jahre durchgeführten Experimenten bestätigt, bei denen sich Plasmabälle mit vergleichbarer Dimension und Lebensdauer gegen den Wind bewegten und eine drei Zentimeter dicke Keramikplatte durchdringen konnten.

Chemisch oder physikalisch?

Und schließlich sorgten die Neuseeländer Abrahamson und Dinniss mit einer weiteren Theorie für Gesprächsstoff: Ihrer Meinung nach handelt es sich beim Kugelblitz eher um einen chemischen als einen physikalischen Prozess. Sie erklären den Kugelblitz durch die Oxidation von reinem Silizium. Ein normaler Blitz schlägt dann in einen sandigen, siliziumoxidhaltigen Boden ein und spaltet mit seiner enormen Energie das Oxid in Silizium und Sauerstoff auf. Die nur wenige Millionstel Millimeter großen Siliziumpartikel werden aus dem Boden geschleudert, kondensieren in der Luft, verbinden sich zu Ketten und schließen sich zu kleinen, leichten Bällen zusammen. Diese Silizium-Bälle reagieren mit dem Luftsauerstoff, wodurch sich wieder Siliziumoxid bildet. Und dabei kommt es zum lichten Augenblick: Die durch die Reaktion freigesetzte Wärme erscheint dem Beobachter als heller Lichtblitz. Der Kugelblitz verschwindet, sobald das Silizium verbraucht ist, der Spuk ist vorbei. Das Problem hierbei ist nur, dass das Silizium in siebzig Prozent der Fälle explosionsartig oxidiert und es gar nicht erst zu einem Kugelblitz kommt.

Wer nun Recht hat und was wirklich hinter den Kugelblitzen steckt, konnte bis heute nicht abschließend geklärt werden. Das Rätsel bleibt ungelöst – und die Wissenschaft weiterhin gefordert, dieses Naturereignis eindeutig beweisen und zufriedenstellend erklären zu können.

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