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Nicht nur Putins Krieg: die Hintermänner des russischen Präsidenten

Foto: Envato / Grey_Coast_Media

Nicht nur Putins Krieg: die Hintermänner des russischen Präsidenten

Über einen möglichen Nachfolger Wladimir Putins wurde immer wieder spekuliert. Laut diversen Quellen aus der Ukraine gilt im Fall eines Putsches Alexander Wassiljewitsch Bortnikow als erster Kandidat. Er ist Leiter des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB, der Nachfolge-Organisation des KGB.
Ein weiterer möglicher Nachfolger Putins wäre Michail Wladimirowitsch Mischustin. Er ist derzeit russischer Premierminister und Putins Stellvertreter. Allerdings zählt er nicht zum innerem Kreis von Vertrauten, mit dem Putin den russischen Staat steuert. Wie setzt sich dieser elitäre Kreis zusammen? Wer sind Putins Hintermänner?

Putins Politbüro 2.0

Putins innerer Kreis wird häufig Politbüro 2.0 genannt. Ein Politbüro ist das höchste Komitee einer kommunistischen Partei. Putins informeller Kreis von Entscheidern besteht größtenteils aus Sicherheits- und Militärberatern, auch genannt Silowiki oder aus dem Russischen übersetzt „Männer der Macht“. Das sind die wichtigsten seiner Vertrauten, über die in der Öffentlichkeit am meisten bekannt ist:

1. Sergei Wiktorowitsch Lawrow

Minister für Auswärtige Angelegenheiten
Putins Hintermänner: Sergei Wiktorowitsch Lawrow
Foto: kremlin.ru/CC-BY 4.0

Durch seine markanten Medienauftritte ist Lawrow der wohl bekannteste unter Putins Hintermännern. Der 71-Jährige gehört seit Jahren zum inneren Kreis Putins. Er ist bereits seit 18 Jahren russischer Außenminister. Lawrow ist der zweitälteste Außenminister nach Andrei Andrejewitsch Gromyko, der in der ehemaligen Sowjetunion 28 Jahre lang im Amt war – von 1957 bis 1985.

Lawrow ist als harter Verhandlungspartner bekannt und ist während der Ukraine-Krise das primäre Sprachrohr von Putins Propaganda in den westlichen Medien. Der oft als Anti-Diplomat bezeichnete Lawrow ist für seine oft vulgäre Ausdrucksweise bekannt – und dafür, dass ihm oft in der Öffentlichkeit der Kragen platzt. Er wird als Autor der Hymne des Moskauer Instituts für Internationale Beziehungen angegeben.

2. Wladimir Rostislawowitsch Medinski

Putins Assistent
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Foto: kremlin.ru/CC-BY 4.0

Medinski war von 2012 bis 2020 russischer Kulturminister. Er leitet die russische Delegation bei den Gesprächen mit der Ukraine in Belarus.

2017 regte ein russischer akademischer Rat an, ihm den Doktortitel aus dem Jahr 2011 abzuerkennen, weil es in seiner Doktorarbeit „Probleme bezüglich der Objektivität“ bei der Behandlung der russischen Geschichte vom 15. bis zum 17. Jahrhundert gab.

Als Kulturminister hat sich Medinsky aktiv gegen Kunst eingesetzt, die „Schwulenpropaganda“ enthält – wie etwa die Realverfilmung von Disneys „Die Schöne und das Biest“. Seine Nachfolgerin im Amt des russischen Kulturministers ist die Politikerin Olga Ljubimowa – die laut eigenen Aussagen „klassische Musik, Theater und Museen nicht leiden kann“.

3. Sergei Kuschugetowitsch Schoigu

Verteidigungsminister der Russischen Föderation
Putins Hintermänner: Sergei Kuschugetowitsch

4. Nikolai Platonowitsch Patruschew

Leiter des russischen Sicherheitsrates

Nikolai Platonowitsch Patruschew ist ein bekennender Putin-Loyalist und arbeitet seit den 1970er Jahren mit ihm in St. Petersburg zusammen.

Patruschew diente im KGB an der Seite Putins und war von 1999 bis 2008 auch Chef der Nachfolgeorganisation FSB. In einem Interview mit der russischen Zeitung Kommersant im Jahr 2015 war er der Meinung, dass „die USA es vorziehen würden, wenn Russland nicht existiere“.

Der Giftmord des FSB-Whistleblowers Alexander Litwinenko im Jahr 2006 wurde höchstwahrscheinlich von Putin und Patruschew in Auftrag gegeben.

5. Alexander Wassiljewitsch Bortnikow

Direktor des Föderalen Sicherheitsdienstes (FSB)

Alexander Wassiljewitsch Bortnikow gilt als einer der loyalsten und vertrauenswürdigsten Helfer Putins – und wird deswegen in den Medien als potenzieller Nachfolger Putins gehandelt. Er leitet den einflussreichen Inlandssicherheitsdienst bereits seit Mai 2008.

Gemäß Medienberichten ist Bortnikov für die Zehntausenden von Verhaftungen und die zunehmende Verschärfung der Beschränkungen für die Zivilgesellschaft verantwortlich. Er ist Computerspezialist, Systemtechniker und promovierter Wirtschaftswissenschaftler. Zudem ist er Mitglied des Verwaltungsrats von Sovkomflot, der größten russischen Reederei.

6. Waleri Wassiljewitsch Gerassimow

Chef des Generalstabs der russischen Streitkräfte

Waleri Wassiljewitsch Gerassimow wurde nach der Entlassung von Verteidigungsminister Anatoliy Serdyukov am 6. November 2012 zum Chef des Generalstabs ernannt.

Seit er im Tschetschenien-Krieg im Jahr 1999 eine Armee befehligte, spielt er eine wichtige Rolle in Putins militärischen Kampagnen. Auch bei der militärischen Planung für den Ukraine-Krieg stand er an vorderster Front und beaufsichtigte im vergangenen Monat Militärübungen in Belarus.

Ihm wird auch die Entwicklung der Gerasimow-Doktrin zugeschrieben, einer Mischung aus von den Sowjets entwickelten Taktiken und militärstrategischen Konzepten eines totalen Krieges. Diese führte zu einer neuen Theorie der modernen Kriegsführung. Diese zielt eher darauf ab, die sozialen Strukturen des Feindes zu beeinflussen, anstatt ihn frontal anzugreifen.

7. Sergei Jewgenjewitsch Naryschkin

Direktor des Auslandsgeheimdienstes (SVR)

Sergei Jewgenjewitsch Naryschkin ist seit 2016 Direktor des Auslandsgeheimdienstes. Zudem ist er Vorsitzender im Verwaltungsrat des ersten Kanals des russischen Staatsfernsehens.

Er verbrachte den Großteil seiner Karriere an Putins Seite. Er lernte Putin während seiner Spionageausbildung kennen und wurde zur selben Zeit als Diplomat nach Brüssel geschickt, als Putin als junger KGB-Spion nach Dresden entsandt wurde.

Wie lange hat Putins Führungsriege noch Bestand?

Ein Großteil von Putins Vertrauten hat somit auch die Ränge des KGB und seines Nachfolgers FSB durchlaufen und begleitet ihn bereits mehrere Jahrzehnte. Das lässt vermuten, dass Putin vor allem eines wichtig ist: Loyalität. Doch diese scheint laut Mediengerüchten inzwischen ins Wanken zu geraten.

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