Wetterphänomene

Starkregen, Orkane, Hitze: Wird das Wetter immer extremer?

Sie hießen „Burglind“, „Xaver“ und „Herwart“: Über Deutschland fegte im Jahr 2017 eine ganze Reihe von Orkanen hinweg und hinterließ Tod und Verwüstung. Im August 2017 überflutete Hurrikan „Harvey“ die Innenstadt von Houston, während in New York im Februar 2018 das Thermometer auf bis zu 24 Grad Celsius kletterte. Dreht das Wetter weltweit durch? Und wenn ja, warum?

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Hängen diese Extremwetterphänomene mit dem Klimawandel zusammen? Lange Zeit konnten Wissenschaftler keinen direkten Zusammenhang nachweisen. Neue, detailliertere Klimamodelle und die höhere Rechenleistung moderner Computer machen das jetzt aber möglich.

So ist laut Deutschem Wetterdienst (DWD) in Zukunft mit noch mehr Starkregen, Stürmen und Hitzewellen zu rechnen – allesamt Auswirkungen der Erderwärmung. Die Häufung vergleichbarer Phänomene im Jahr 2017 ist laut DWD ein Indiz dafür, dass steigende Temperaturen – wie von Klimaforschern angenommen – für mehr Extremwetter sorgen. Diese These sei noch wahrscheinlicher, wenn man auch weiter zurückliegende Jahre in die Analyse mit einbeziehe. Allerdings, so der DWD, bleibe ein statistischer Nachweis schwierig: Dafür seien die Beobachtungszeiträume zu kurz und die natürliche Variabilität beim Klima zu hoch.

Auch in Deutschland ändert sich das Wetter

Im Sommer 2017 wurde deutlich, wie extreme Wetterlagen das Leben in Deutschland fast zum Erliegen bringen können. Starkregen in Berlin ließ die Feuerwehr den Notstand ausrufen, in Niedersachsen mussten Wohngebiete evakuiert werden und in vielen Teilen Thüringens sorgten Überschwemmungen für Stillstand.

Forscher sehen den Klimawandel als einen entscheidenden Grund für derlei Ereignisse. So sei in den vergangenen knapp 140 Jahren die Durchschnittstemperatur um 1,4 Grad angestiegen. Eine Erwärmung von einem Grad sorge dafür, dass die Luft sieben Prozent mehr Wasser aufnehmen könne. Besonders das östliche Deutschland, Teile Bayerns und Osteuropa gerieten außerdem stärker unter Mittelmeereinfluss. Das bedeutet, so die Wissenschaftler, dass sich ein Tief über dem Mittelmeer wie ein Schwamm voll mit Wasser saugt, östlich an den Alpen vorbeizieht und sich dann in Mittel- und Osteuropa abregnet. Obwohl bereits jetzt die Versicherungen Rekordschäden verzeichnen, unterschätzen die Deutschen noch immer die Gefahren von Extremwetter – wie in der Umfrage von Swiss Life Select deutlich wird. 

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Internationale Untersuchungen zum Klimawandel

Auch der Blick über die deutschen Grenzen hinaus gibt Anlass zur Beunruhigung: Internationale Forscherteams haben 30 Extremwettereignisse aus dem Jahr 2014 untersucht. Darunter waren Hitzewellen in Europa und Argentinien, eine Dürre in Ostafrika, Blizzards in den USA und im Himalaya, starke Regenfälle in Großbritannien, Frankreich und Asien sowie Waldbrände in Kalifornien und ein tropischer Wirbelsturm über Hawaii. 

Die im Magazin der American Meteorological Society veröffentlichten Ergebnisse zeigen, dass die Hitzewellen und die afrikanische Dürre sehr wahrscheinlich eine Folge des Klimawandels waren. Die Beweislage für den Starkregen in Großbritannien war andererseits nicht eindeutig genug. Insgesamt aber würden die Daten nahelegen, dass der Klimawandel durchaus einen großen Einfluss auf Stärke und Häufigkeit extremer Wetterlagen habe. 

Dramatischer Anstieg der wetterbedingten Todesfälle

Ein Blick in die fernere Zukunft prognostiziert noch dramatischere Folgen: Wenn der Klimawandel nicht gebremst wird, drohen im Jahr 2100 in Europa 150.000 Menschen an den Folgen von Unwettern, Überschwemmungen und Hitzewellen zu sterben – dieser Auffassung sind zumindest Forscher der EU-Kommission. Das wäre das Fünfzigfache der heutigen Menge (3.000 Tote im Jahr). 

99 Prozent der Todesfälle wären laut diesem Modell auf extreme Hitzewellen zurückzuführen. Der Klimawandel sei zu 90 Prozent verantwortlich für den dramatischen Anstieg der Todesfälle, so die EU-Wissenschaftler weiter. Weitere Faktoren seien der Zuzug von Menschen in küstennahe (und somit risikobehaftete) Gebiete sowie das allgemeine Wachstum der Bevölkerung. 

Die Forscher basieren ihre Berechnungen auf der Annahme einer durchschnittlichen globalen Temperaturerhöhung von drei Grad Celsius bis zum Jahr 2100. Der Pariser Klimaabkommen will die menschengemachte Erderwärmung auf unter zwei Grad gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter beschränken. 

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