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Geheimbünde

Wer waren die Assassinen? Die Wahrheit hinter „Assassin´s Creed“

Wer waren die Assassinen? Die Wahrheit hinter „Assassin´s Creed“

„Assassin´s Creed“ zählt zu den erfolgreichsten und teuersten Videospielreihen aller Zeiten. In der fiktiven Rahmenhandlung führen die Geheimbünde der Assassinen und der Templer einen Kampf um die Weltherrschaft, der sich wie ein blutroter Faden durch die Jahrhunderte zieht. Die Handlung mag frei erfunden sein, doch die Existenz der Assassinen ist historisch belegt. Wer waren die von ihren Feinden gefürchteten Männer wirklich?
  • Fiktion oder Fakten?

    Sreenshot „Assassin´s Creed Unity“, Ubisoft

    "Unity" nennt sich der jüngste Teil der Videospielreihe “Assassin´s Creed“. Dank der fotorealistischen Grafik erlebt der Spieler die Französische Revolution hautnah. Auf der Zeitreise ins Paris des 18. Jahrhunderts schlüpfen Gamer in die digitale Haut eines jungen Mannes namens Arno Victor Dorian. Er schließt sich der geheimen Bruderschaft der Assassinen an. Seine Handlungen werden den Lauf der Welt verändern. Die Wurzeln der echten Assassinen sucht man in Europa vergeblich. Um die realen Ursprünge dieser Gruppierung zu erforschen, hilft ein Blick auf den Schauplatz des ersten Teils der Spielserie.

  • Wo lebten die Assassinen?

    Sreenshot „Assassin´s Creed“, Ubisoft

    Kein anderer Teil der Videospielreihe “Assassin´s Creed“ war näher an der historischen Wahrheit als der erste. Das gilt sowohl für den Ort als auch für die Zeit der Handlung. Wie im Spiel lebten die echten Assassinen im Mittelalter. Ihre Zentren lagen in den Bergen Syriens und Persiens. Überraschende Attentate auf hochrangige politische Persönlichkeiten versetzten die Machthaber in Angst und Schrecken. 1140 eroberten die Assassinen die nordsyrische Burg Masyaf (siehe Spielszene) und machten sie zu ihrem Hauptsitz.

  • Ihr Ruf eilte den Meuchelmördern voraus

    Screenshot „Assassin´s Creed“, Ubisoft

    Die Legenden, die sich um diese sagenumwobene Gruppe ranken, erreichten durch heimkehrende Kreuzritter sogar Europa. Schon bald breitete sich auch an den dortigen Höfen die Paranoia aus, hinter jedem politischen Attentat könnte ein Assassine stecken. Aus Angst vor den Meuchelmördern riet der deutsche Kleriker Brocardus König Philipp VI. von Frankreich: „Am Hofe sollte niemand zugelassen werden, dessen Heimatland, Wohnsitz, Familie, Stand und Person nicht zuverlässig, vollständig und eindeutig bekannt sind“.

  • Woher stammt das Wort?

    Filmszene „ La fabuleuse aventure de Marco Polo“, Imago/United Archives

    Den Titel Assassinen verliehen diese sich nicht selbst, denn er beruht auf einer Beleidigung – dem arabischen Wort „ḥaschīschī“. Die Assassinen wurden von ihren misstrauischen Nachbarn und politischen Gegnern wenig rühmlich als „Haschisch-Fresser“ bezeichnet. Zu diesem fragwürdigen Ruf trug auch Marco Polo (Filmszene oben) bei, der die Anekdoten über die Assassinen in seinen Reiseberichten ungeprüft nacherzählte. Mittlerweile gilt es als wahrscheinlicher, dass die Gerüchte über den Drogenkonsum der Assassinen lediglich auf der Propaganda ihrer Feinde basierten.

  • Das Paradies auf Erden?

    Imago/McPhoto

    Hasan-i Sabbah, der erste Führer der Assassinen, galt als versiert in allen wissenschaftlichen Disziplinen seiner Zeit – von der Geometrie und Arithmetik über die Astronomie bis zur Magie. Angeblich wandte er eine List an, um neue Mitarbeiter für seine Ziele zu rekrutieren: So ließ er junge Männer mit Hilfe von Opium einschläfern. Nach dem Aufwachen fanden sich diese schlaftrunken in seiner Gartenanlage wieder, wo sie von hübschen Damen umgarnt wurden. Der prunkvolle Garten und die „Jungfrauen“ darin sollten bewusst Assoziationen an die Beschreibung des Paradieses im Koran wecken...

  • Ein Dolch als Souvenir

    Screenshot „Assassin´s Creed“, Ubisoft

    Nach diesen angenehmen Eindrücken ließ Hasan-i Sabbah die Männer erneut betäuben. Als sie wieder bei Sinnen waren, erklärte der Assassinen-Meister, er habe sie ins Paradies geschickt. Um erneut dahin zurückkehren zu können, müssten die Männer eine Gegenleistung bringen. Sie bekamen einen goldenen Dolch überreicht und sollten jeweils einen Machthaber töten. So zumindest besagt es die Legende, die Marco Polo nach Europa überlieferte.

  • Waren die Assassinen religiöse Fanatiker?

    Szene aus „Assassin´s Creed“, Ubisoft

    Wären die Assassinen in der heutigen Zeit radikal-fundamentalistische Hassprediger? Ganz im Gegenteil: Sie waren aufgeklärter und fortschrittlicher als die religiösen Führer ihrer Zeit. Die Assassinen waren der Auffassung, dass Christentum, Islam und Judentum im Grunde ein und dieselbe Religion seien. Unglücklicherweise waren sie mit dieser Idee zur falschen Zeit am falschen Ort: Angesichts der Kreuzzüge stieß ihr radikaler Denkansatz auf erbitterte Ablehnung. Aufgrund einer gegen sie ausgesprochenen Fatwa mussten sie sogar um ihr Leben bangen.

  • Wie meuchelten die Mörder?

    Screenshot "Assassin´s Creed", Ubisoft

    Ein arabisches Sprichwort sagt: Tausend Feinde außerhalb des Hauses sind besser als einer darin. Die Assassinen machten genau das zu ihrer Taktik. Da sie keine Armee von Tausenden hatten, die das Haus des Feindes belagern konnte, mussten sie einen der ihren einschleusen. Zunächst lernten die Attentäter akribisch die Sprachen und Gepflogenheiten ihrer Feinde, damit diese unbemerkt in unmittelbarer Nähe des Opfers leben konnten. Als Diener, Pferdewirt oder in ähnlich niedriger Stellung infiltrierte ein Assassine bisweilen monatelang die Wirkungsstätte seines Opfers, bevor er unerwartet zuschlug. Die bevorzugte Tatwaffe war – wie auch im Videospiel „Assassin´s Creed“ – der Dolch. Praktisch, denn die kleine Klinge ließ sich im Gegensatz zu einem Schwert einfach verstecken.

  • Wen töteten die Assassinen?

    Szene aus „Assassin´s Creed“-Kurzfilm „Lineage“, Ubisoft

    Ziel der Assassinen war der Kopf und nicht der Arm der Macht. Anstatt Unschuldige in ihre Taten hineinzuziehen, versuchten sie, die Wurzel des Übels auszurotten und das waren in der Regel Machthaber aus der Region. Doch auch christliche Führer waren nicht vor den Assassinen sicher. Das populärste christliche Mordopfer war der Markgraf Konrad von Montferrat. Er sollte im Jahr 1192 die Krone von Jerusalem tragen – ein Dorn im Auge der Assassinen, die um die Stabilität der Region fürchteten.

  • Mafia-Methoden, lange vor der Mafia?

    Imago/United Archives International

    Selbst einer der wichtigsten Staatsmänner der damaligen Zeit, Saladin, war nicht sicher vor den Assassinen. Er war Sultan von Ägypten und versuchte, die Assassinen zu unterjochen. Diese wiesen ihn jedoch eindrucksvoll in seine Schranken. Eines Tages, so die Legende, erwachte der Sultan und fand neben seinem Bett einen Dolch vor. Die Warnung der Assassinen war unmissverständlich. Ohne Worte signalisierte dieser Denkzettel: „Wir haben jemanden eingeschleust, der Dir gefährlich nah ist. Überlege also gut, was du tust.“

  • Gibt es sympathische Meuchelmörder?

    Stefan Hermanns, Privatarchiv

    „Die Assassinen waren Freiheitskämpfer“, sagt der Staatswissenschaftler Stefan Hermanns. Während andere Armeen gegeneinander antreten ließen, bei denen Tausende starben, töteten die Assassinen lediglich die Schlüsselpersonen. „Aus einer Verteidigungssituation heraus haben sie ihre Überlebensstrategie entwickelt, weil sie selbst nicht genug Armeen hatten“, so Hermanns.

  • Wären die Assassinen heute Terroristen?

    Imago/Gran Agular

    Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 rückten auch die Assassinen in die Aufmerksamkeit westlicher Islamkritiker, die versuchten, eine Tradition des islamistischen Terrors abzuleiten. „Das ist Unsinn“, sagt Stefan Hermanns. „Während Terroristen darauf setzen, die normale Bevölkerung in Angst zu versetzen, um eine Gegend zu destabilisieren und Unschuldige zu Opfern machen, haben die Assassinen versucht, möglichst wenig Schaden anzurichten.“ Hermanns Bücher „Das Reich der Nizari-Ismailiten unter Hasan-i Sabbah“ und „Politischer Mord im Islam“ (Grin Verlag) geben tiefere Einblicke in die Welt der Assassinen.

  • Feindbild Templer?

    Szene aus „Assassin´s Creed: Unity”, Ubisoft

    In der Videospielreihe „Assassin´s Creed” führen die Nachfahren der Templer und der Assassinen im Verborgenen einen jahrhundertelangen Machtkampf um die Weltherrschaft. Im wahren Leben dagegen müssten sich Assassinen und Templer eigentlich bestens verstehen: Als gelehrte Freigeister missfielen beide den Machthabern ihrer Zeit, denn diese wussten: Wissen ist Macht. Entsprechend wurden diese frühen Aufklärer geächtet, gejagt und ermordet. Insofern sind beide eher Brüder im Geiste anstatt – wie im Videospiel dargestellt – erbitterte Feinde. Dieser Aspekt klingt im jüngsten Teil von „Assassin´s Creed“ zum ersten Mal an: In „Unity“ geht der Assassine Arno eine Allianz mit der Templerin Elise ein.

  • Stoff für Verschwörungstheorien

    Screenshot „Assassin´s Creed: Unity“, Ubisoft

    Lenken noch heute die Nachfolger der Assassinen und Templer als unsichtbare Strippenzieher der Macht die Geschicke der Welt? Diese Frage stellt nicht nur „Assassin´s Creed“, sondern auch Bestseller-Autor Dan Brown (rechts im Bild, daneben Schauspieler Tom Hanks bei der Premiere von „Illuminati“). Geheimbünde wie die Illuminaten oder Freimaurer sind der Stoff für zahllose Verschwörungstheorien. Manche sind überzeugt, dass alle sich ihr Geheimwissen von den alten Assassinen abgeschaut haben.

  • Gibt es heute noch Assassinen?

    Screenshot „Assassin´s Creed”, Ubisoft

    Bei der Volksgruppe, die im Mittelalter als Assassinen bezeichnet wurde, handelt es sich um die Nizariten. Diese stellen heute die größte Gruppe der zu den Schiiten gehörenden Ismailiten dar. Sie leben vor allem in Syrien, Indien, Pakistan, Tadschikistan, Ostafrika, aber auch in westlichen Ländern. Außer der ursprünglichen geographischen Heimat haben sie mit den Meuchelmördern von einst natürlich nichts gemein.

  • Wer ist Aga Khan?

    Imago/Jens Jeske

    Die modernen Nizariten glauben noch immer an das lebendige Imamat – also daran, dass der Prophet Mohammed die Rolle des religiösen Führers bis zum heutigen Tag weitergegeben hat. Aktueller Imam ist Karim Aga Khan IV. Anfang Februar 2014 empfing Bundesaußenminister Frank Walter Steinmeier ihn in Berlin. Der in der Schweiz geborene Aga Khan gilt als einer der reichsten Männer der Welt. Sein Vermögen wird auf mindestens zehn Milliarden Euro geschätzt. Die Aga-Khan-Stiftung ist die größte private Entwicklungshilfsorganisation der Welt. Aga Khans Hauptwohnsitz ist ein Château nahe Paris – der Stadt, in der auch der jüngste Teil von „Assassin´s Creed“ spielt...

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