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Veganismus: Ethisch korrekt – aber auch gesund?

Veganismus: Ethisch korrekt – aber auch gesund?

Pflanzenfresser, Moralapostel, Spaßbremse – Veganer haben mit diversen Vorurteilen gegen ihre Lebensart zu kämpfen. Bei der Ernährung komplett auf Tierprodukte zu verzichten, ist in den vergangenen Jahren in die Mode gekommen. Aber kann diese Ernährung krank machen?
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    Während Vegetarier auf totes Fleisch in jeglicher Form verzichten – sowohl Steaks als auch Lederprodukte – gehen Veganer noch einen Schritt weiter. Sie verzichten nicht nur auf Seide, Wolle und Leder, sondern essen keinerlei tierische Produkte wie etwa Fleisch, Milch oder Eier. Das erfordert konsequente Disziplin und einen starken Willen. Doch noch wichtiger ist ein umfassendes Ernährungswissen, sonst läuft der Mensch Gefahr krank zu werden.

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    Bereits bis in die Griechische Antike reichen die ersten Spuren des Veganismus zurück. In dieser Zeit wurde eine solche Lebensweise als „Enthaltung vom Beseelten“ bezeichnet. Zu ihren Anhängern zählte die gebildete, philosophisch interessierte Oberschicht. Damals unterschied man noch nicht zwischen Vegetarismus und Veganismus. Als erster großer Vertreter der Bewegung gilt der griechische Gelehrte Pythagoras, der auf Fleisch, Eier und Wolle verzichtete. Die Anhänger – Pythagoräer genannt – waren der Meinung: „Alles, was der Mensch den Tieren antut, kommt auf den Menschen zurück“. Zu dieser Zeit wurde das Essen von Fleisch als „Leichenfressen“ bezeichnet.

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    Im Mittelalter konnte sich die vegetarische Ernährung wenig durchsetzen. Zumindest nicht mit ethischer Begründung, sondern nur um persönlich die Entbehrung von Begierden wie den Fleischverzehr zu kontrollieren. In der Neuzeit ging es dann wieder besonders um das Thema Tierleid, für welches die Bewegungsanhänger ihre Mitmenschen sensibilisieren wollten. Der Pionier der weiteren fleischlosen Entwicklung ist der Brite Joseph Brotherton. 1847 gründete er die erste vegetarische Gesellschaft namens Vegetarian Society of the UK. Nachdem bereits Anfang des 20. Jahrhunderts die Gründe für viele neue Krankheiten in der Ernährung mit Tierprodukten gesucht wurden, bildete sich 1944 bereits die erste vegane Gesellschaft. Elsie Shrigley und Donald Watson – ebenfalls Briten – gündeten die Vegan Society.

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    Das Wort „Veganismus“ wurde aus dem Begriff des Vegetarismus abgeleitet. Vegetarismus selbst stammt vom englischen Wort vegetation („Pflanzenwelt“) und vegetable („pflanzlich“) ab. Donald Watson ist für die Wortneuschöpfung „vegan“ verantwortlich, da er einen Begriff schaffen wollte, der dem Vegetarimus zwar nahe, aber dennoch davon differenziert ist. Hinter diesem Verzicht steht für den klassischen Veganer zunächst eine bewusste und sehr idealistische Lebenshaltung. Veganer gehen davon aus, dass zu viele Tiere für den Konsumhunger der westlichen Welt sterben müssen. Da echte Veganer auf wirklich alles Tierische verzichten, ist der Begriff einer reinen Ernährungsweise zu eng gefasst - es versteht sich als Lebenseinstellung. Jedoch gibt es unter ihnen auch schwarze Schafe: Sogenannte Flexi-Veganer essen zwar keine tierischen Produkte, doch verzichten sie nicht gänzlich auf alles Tierische, wie beispielsweise Wolle, Seide oder Leder.

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    Es gibt verschiedene Gründe für eine vegane Lebensweise. Am häufigsten aufgeführt werden Tierrechte, Tierethik, genauso wie Umweltschutz und die Welternährungsproblematik, die daraus resultiert, dass die Weltbevölkerung wächst und immer mehr Menschen Fleisch essen. Tatsächlich verbraucht die heutige Massentierhaltung sehr viel Trinkwasser. Laut der Tierrechtsorganisation Peta werden für die Herstellung von einem Kilogramm Rindersteak rund 15.000 Liter Wasser verbraucht, rechnet man hierfür die Tierhaltung, -ernährung und Futterbesorgung mit ein. Das Futter der Tiere führt zum nächsten Problem: die Entwaldung vieler Gebiete, die besonders für die Sauerstoffproduktion der Welt wichtig sind. Durch den enormen Einsatz von Antibiotika in der Fleischproduktion, können Menschen bei häufigem Verzehr eine Resistenz gegen das Arzneimittel entwickeln, welche dazu führt, dass das Antibiotikum nicht mehr anschlägt und somit seine Wirkung verliert.

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    Eine Sache steht fest: Veganismus ist nichts für Anfänger. Wer sich vegan ernähren möchte, braucht ein großes Ernährungswissen. Denn wer nicht weiß, wodurch gewisse tierische Nährstoffe ersetzt werden können, läuft Gefahr Mangelerscheinungen zu erleiden. Veganern fehlt es häufig an genügend Calcium, Jod, Kreatin und – besonders tragisch – am Vitamin B12 (Cobalamin). Dieses Vitamin braucht der Körper dringend für die Blutbildung, Zellteilung und Funktion von Nerven. Der Mensch kann den Stoff selbst nicht herstellen. Eine natürliche Quelle sind Eier – diese landen jedoch nicht auf dem Speiseplan eines Veganers. Daher muss das lebenswichtige Vitamin separat in purer Form eingenommen werden. Bei starken Mangelerscheinungen können Apathie, Gehirnschwund und Herz-Kreislauf-Beschwerden eintreten.

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    Wer sich dauerhaft vegan ernähren möchte, sollte sich gut informieren - am besten bei einem Arzt oder Ernährungsexperten. Nur dann kann sichergestellt werden, dass man alle wichtigen tierischen Nährstoffe durch pflanzliche ersetzt. Wer das schafft, lebt nicht nur gesund, sondern senkt auch das Risiko an verschiedenen Zivilisationskrankheiten wie Bluthochdruck, Diabetes, hohe Cholesterinwerte, Herzerkrankungen oder Adipositas zu erkranken. Auch die durch Milchkonsum verursachten Beschwerden, wie eine Laktose-Intoleranz, tritt bei Veganern naturgemäß nicht auf. Experten der veganen Ernährung raten jedoch davon ab, den gewünschten Gewichtsverlust als Grund für eine vegane Lebensweise heranzuziehen, da Veganismus nicht damit gleichzusetzen ist. Oftmals weichen schlecht informierte Veganer kohlenhydratreiches Essen auf, was dann eher zum gegenteiligen Effekt führt.

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    Obwohl eine vegane Ernährungsweise viele Vorteile bringen kann, ist sie nicht für alle Menschen geeignet. Ernährungsexperten raten Schwangeren, stillenden Müttern und Kindern vom Veganismus ab. Säuglinge, die vegan ernährt werden, haben häufig Mangelerscheinungen. Besonders das wichtige B12-Vitamin fehlt ihnen. Da Kleinkinder keinen so großen Speicher des Stoffes haben wie Erwachsene, kommt es bei ihnen schneller zu Problemen im Organismus. Auch schlecht verarbeitete Ersatzprodukte, wie gewisse Tofu- und Sojaprodukte, schaden dem Körper besonders in jungen Jahren stärker. Vor allem der beliebte Fleischersatz aus Weizenprotein, bekannt als Seitan, besteht aus minderwertigem Eiweiß. Durch den aufwendigen Herstellungsprozess gehen zudem fast alle Mineralstoffe und Vitamine verloren.

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    Die Hauptstädte der veganen Bewegung befinden sich auf der anderen Seite des Atlantiks: in den USA. Los Angeles und Portland sind vegane Hochburgen. Doch auch in Deutschland setzt sich der Trend immer weiter durch. Gerade in den Großstädten gibt es immer mehr fleischlose Alternativen in Form von veganen Restaurants und Imbissbuden, so dass Veganer nicht auf Döner, Curry-Wurst und Burger verzichten müssen. Bekannte Anhänger des Veganismus sind Schauspieler wie Joaquin Phoenix, Natalie Portman oder Johnny Depp. Auch Politiker wie der ehemalige amerikanische Präsident Bill Clinton schwören auf die pflanzliche Ernährung. Sogar Albert Einstein soll seinerzeit Veganer gewesen sein.

  • imago/CTK/CandyBox

    Laut dem Deutschen Vegetarierbund (VEBU) leben in Deutschland rund sieben Millionen Vegetarier und über eine Million Veganer. Auch der Umsatz von veganen Lebensmitteln, in erster Linie Ersatzprodukte, stieg von 2012 auf 2014 um 40 Prozent. Selbst in der Politik ist das Thema der fleischlosen Ernährung bereits angekommen. Im vergangenen Jahr versuchten Die Grünen einen vegetarischen Tag in der Woche in allen Kantinen und Mensen durchzusetzen. Zwar scheiterte ihr Vorhaben, doch haben sie damit das Thema des Vegetarismus und Veganismus auf die politische Bühne gebracht.