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Gesellschaft

Schönheitsideale im Wandel der Zeit

Schönheitsideale im Wandel der Zeit

Schönheit ist offenbar doch keine Geschmacksfrage, sondern eine Frage der Zeit. Ein Blick auf die Geschichte der Attraktivität zeigt: Was als schön gilt, kann sich von Epoche zu Epoche völlig unterscheiden.
  • Liegt Schönheit im Auge des Betrachters?

    Szenenfoto „Lucy“, Imago/Unimedia Images

    Schönheit liegt im Auge des Betrachters, heißt es gern. Ein Blick in die Geschichte der Ästhetik bestätigt diesen Eindruck: Was in der Steinzeit als sexy galt, wirkt heute moppelig. Für die Magermodels von heute dagegen hätte ein Maler wie Rubens nicht zum Pinsel gegriffen. Und die zur schönsten Frau des Planeten gekürte Schauspielerin Scarlett Johansson (Bild)? Ihre markanten Gesichtszüge fesseln moderne Kinobesucher, doch im antiken Griechenland hätte sich vermutlich kein Mann nach ihr umgedreht…

  • Die Steinzeit

    Imago/Kolvenbach

    Ein dicker Bauch, pralle Oberschenkel und Hängebrüste – bei „Germany´s Next Topmodel“ würde diese Dame sicher kein Foto von Heidi Klum bekommen. Ganz anders sahen das die Menschen vor 25.000 Jahren: Die Dame, die in der Kunstwelt als die „Venus von Willendorf“ bekannt ist, demonstriert eindrucksvoll, wie stark die Definition von Schönheit eine Frage der Zeit ist. In der Steinzeit war die Sterblichkeitsrate hoch, entsprechend anziehend wirkte das gebärfreudige Becken und der fruchtbarkeitsversprechende Körperbau der Figur.

  • Das alte Ägypten

    Filmszene „Due Notti Di Cleopatra“, Imago/Entertainment Pictures

    Die ägyptische Königin Kleopatra gilt bis heute als Inbegriff der attraktiven Frau. Dafür soll sie auch einiges getan haben. Zu den Beauty- und Wellness-Treatments zählten 51 v. Chr. das Baden in Eselsmilch sowie Kosmetik zum Schutz vor Sonne und Sand. Der Make-up-Trend der Zeit: grüne und schwarze Farbe zum Betonen der Augen. Mit ihrem Charisma soll Kleopatra sogar von ihrem einzigen kleinen Schönheitsfehler abgelenkt haben: ihrer großen Nase.

  • Die Griechen

    Imago/Imagebroker

    Der griechische Dichter Homer beschäftigte sich nicht nur mit den Heldentaten des Odysseus, sondern auch mit der weiblichen Schönheit. Die perfekte Damenhaut sollte seiner Meinung nach „weißer als Elfenbein" sein. Schönheit war in der griechischen Antike ein wichtiger Anspruch an beide Geschlechter. Als bedeutendes Kriterium galt dabei die Ausgewogenheit der Proportionen. Innere Werte und äußerliche Makellosigkeit gingen in den Idealvorstellungen miteinander einher, wie der Grundsatz „Mens sana in corpore sano“ („ein gesunder Geist in einem gesunden Körper“) bezeugt.

  • Die alten Römer

    Filmszene „Quo Vadis“, Imago/United Archives

    Ganz Rom war zur Blütezeit der alten Römer eine Art Wellness-Tempel. Zumindest für die Römer, die es sich leisten konnten. Diese ließen sich in Thermen und Bädern von Sklaven verwöhnen, die für das gepflegte Äußere der Besucher zu sorgen hatten. Auch Make-up gab es schon damals. Das bezeugt unter anderem Neros Frau Poppäa (links im Bild). In ihrem Grab fand man Lippenstift aus Zinnober, Wimperntusche aus gebranntem Kork und grüne Schminke aus Malachit.

  • Die alten Römer

    Imago/Imagebroker

    Das Schminken war seinerzeit bei allen Gesellschaftsschichten gleichermaßen beliebt. Frisurentrends wechselten schnell, doch eine Regel blieb konstant: Frauen trugen lange Haare. Schon damals etablierte sich auch die Anziehungskraft blonder Haare. „Sowohl bei Männern wie Frauen waren sie ein absolutes Schönheitsideal“, so Ulrich Renz (Autor von ´Schönheit – Eine Wissenschaft für sich´). „Vielleicht lag das am Reiz des Besonderen, denn in südländischen Gefilden kamen Blonde seltener vor.“

  • Mittelalter

    Kaltenberger Ritterturnier, Michael Eichhammer

    Das Mittelalter war eine Hochphase der natürlichen Schönheit. Das lag nicht zuletzt an der zunehmenden Bedeutung des Christentums, denn eine zu intensive Körperpflege und viel Schminke galten als heidnisch oder zu weltlich. Es kam sogar vor, dass die damalige Bevölkerung besonders attraktiven Frauen misstrauten – schließlich erinnerten sie sich an die erste Femme Fatale Eva, die laut Bibel mit der Kunst der Verführung für die Vertreibung aus dem Paradies verantwortlich war.

  • Mittelalter

    Imago/Peter Widmann

    Gemälde aus der Zeit zeigen eher androgyne Frauentypen, die sowohl männliche als auch weibliche Merkmale aufweisen. Ganz ohne Eitelkeit kam man aber auch im Mittelalter nicht aus. Helle Haut war das angestrebte Schönheitsmerkmal. „Hier spielt ein metaphysisches Konzept mit hinein“, erklärt Autor Ulrich Renz. „Im Mittelalter wurde mit Helligkeit auch Reinheit assoziiert.“ Um diesem Ideal, welches in asiatischen Ländern noch heute Bedeutung hat, zu entsprechen, wurde nicht nur die Sonne gemieden. Auch einen regelmäßigen Aderlass (also die Entnahme großer Blutmengen) ließen die Damen für einen blassen Teint über sich ergehen.

  • Renaissance

    Imago/Leemage

    Zu breite Hüften, zu kleine Brüste – dieses vernichtende Urteil könnte die Jury einer modernen Misswahl dieser Dame attestieren, doch die Venus von Sandro Botticelli stellt den Archetyp der perfekten Frau der Renaissance (15. und 16. Jahrhundert) dar. Gesäß und Taille durften seinerzeit durchaus voluminös sein, Hauptsache Arme und Beine wirkten grazil. Ebenso wichtig: ein heller, geradezu porzellanartiger Teint. „Wer schön sein will, muss leiden“, galt schon damals: Um das Ideal der hellen Gesichtsfarbe zu erlangen, schreckten Damen – allen Warnungen zum Trotz – nicht vor dem Einsatz von giftigen Inhaltsstoffen wie giftigem Bleiweiß und Quecksilber zurück.

  • Barock

    Imago/Leemage

    „Rubens-Figur“: Die schmeichelhafte Formulierung für Körperfülle nimmt Bezug auf den Barock-Maler Peter Paul Rubens, der bekannt war für seine Vorliebe für opulente weibliche Rundungen. Keine andere Epoche scheint in Sachen Schönheitsideal weiter entfernt von den modernen Magermodels als der Barock (ab 1575 bis ins 18. Jahrhundert): Den Eindruck zumindest bekommt der Betrachter beim Anblick von Rubens-Gemälden. Doch der Schein trügt, denn im wahren Leben versuchten Frauen, sich gewaltsam in eine schlanke Form zu pressen – ein Korsett sollte das Ideal von der künstlichen Wespentaille gewaltsam erzielen.

  • Rokoko

    Imago/Blickwinkel

    Wer denkt, der metrosexuelle Mann, der so viel Wert auf ein gepflegtes Äußeres legt wie die Damenwelt, sei eine moderne Erfindung, die wir ganz allein dem Körperbewusstsein des Fußballers David Beckhams verdanken, liegt daneben. Geschminkte Männer mit Perücken in Outfits, die Harald Glööckler entzückt hätten, waren im Rokoko (etwa 1730 bis 1770) angesagt. „Männer und Frauen waren in dieser Hinsicht kaum zu unterscheiden“, sagt Ulrich Renz. Damen lenkten den Blick zusätzlich auf ihre Haarpracht, indem sie diese mit Schleifen, Blumen und anderen Accessoires verzierten. Schmink-Trend der Epoche: bleiche Haut, dazu tiefschwarze Augenbrauen (dank Kohle) und Rouge-gerötete Wangen. Je näher das Ende der Rokoko-Epoche rückte, desto höher wuchsen die Frisurentürme der Damen.

  • 19. Jahrhundert

    Imago/United Archives

    Keine christlich-mythologische Frauengestalt wirkte in der Kunst des 19. Jahrhunderts stärker als Salome. Für die einen verkörperte sie weibliche Grausamkeit (sie soll den Kopf Johannes des Täufers als Belohnung für einen Tanz gefordert haben), für die anderen perfekte Schönheit und Erotik. Die Enkelin Herodes des Großen und Königin von Kleinarmenien (im nördlichen Anatolien) war – glaubt man dem Geschichtsschreiber Flavius Josephus - die „schönste Frau der damaligen Zeit“. Nach ihr benannt ist der „Salome-Komplex“, eine psychische Störung, die Menschen glauben lässt, nur liebenswert zu sein, wenn sie stets perfekt aussehen. Was die reale Damenwelt angeht, waren weiterhin Korsetts, opulente Kleider und ebensolche Frisuren sowie zeitintensives Make-up angesagt. Für das starke Geschlecht galt es mittlerweile allerdings wieder als unmännlich, sich allzu modisch zu kleiden oder zu schminken.

  • Anfang des 20. Jahrhundert

    Imago/United Archives

    Betont weibliche Formen mit schmaler Taille, voluminöse Locken: Was das Gibson Girl 1910 verkörperte, findet man in der heutigen Promi-Welt bei Sängerin Beyoncé Knowles wieder. Der Name ist keine Anspielung auf die Gitarrenform der 1902 gegründeten Marke Gibson, sondern auf den Illustrator Charles Dana Gibson, der gern diesen Frauenkörper-Typus zeichnete. Um den beliebten Körperbau, der an eine „8“ erinnert, zu betonen, trugen Damen Korsetts.

  • Die Dreißiger Jahre

    Imago ZUMA/Keystone

    Kleiner Kopf, ausdrucksstarke Augen, wellige, auf Kinnhöhe geschnittene Haare: Schauspielerin Jean Harlow verkörpert das Schönheitsideal der 1930er Jahre. Ihr Spitzname: „blonde bombshell“ - blonde Sexbombe. Nicht zuletzt dank innovativer BHs wurde die Oberweite zusätzlich betont.

  • Die Ära der Leinwand-Legenden

    Imago/AGD

    Eine Figur wie eine Sanduhr – das war das Ideal in den Fünfziger Jahren. Das Schönheitsideal wurde zunehmend durch die Leinwand-Heldinnen geprägt. Vor allem die Schauspielerinnen Elizabeth Taylor und Jayne Mansfield verkörpern den kurvenreichen Körperbau ebenso wie Marylin Monroe (Bild). Letztere gilt als Sexsymbol des 20. Jahrhunderts und besaß die bis heute magischen Maße 90-60-90. Um die schmale Taille und die weiblichen Rundungen zu betonen, wurden Einlagen für Hüften und Hintern zum Verkaufsschlager unter den Tricks der Frauen. Das Frauenbild prägte zudem die Erfindung zweier Marken, die das Schönheitsideal bis heute mit bestimmen: die Barbie-Puppe und die Zeitschrift Playboy.

  • Die Sechziger Jahre

    Imago/United Archives

    Böse Zungen würden behaupten, diese Dame ist schuld am Magermodel-Trend: Die 41 Kilogramm leichte Twiggy war das Gegenmodell zur drallen Weiblichkeit des vorhergehenden Jahrzehnts. Schmalbrüstig, klein, hager und mit burschikoser Frisur wurde sie dennoch zum Supermodel ihrer Generation. Die Folge für die weibliche Normalbevölkerung: Ein dauerhaft schlechtes Gewissen hinsichtlich der eigenen Körperfülle. Vielleicht kein Zufall, dass genau in dieser Ära das Diät-Unternehmen Weight Watchers gegründet wurde…

  • Generation Supermodel

    Imago/Teutopress

    Twiggy war nur der Anfang: In den Achtziger Jahren waren es nicht mehr die Schauspielerinnen, die das Idealbild von der Traumfrau prägten, sondern die Models. Groß, schlank, fit und dennoch feminin: Von Elle MacPherson (Spitzname „The Body“) über Cindy Crawford bis Claudia Schiffer dominierten überirdisch makellose Körper und Gesichter das öffentliche Bild von Weiblichkeit. Dafür mussten die Damen allerdings etwas tun: Jane Fonda trat mit Aerobic in die Fußstapfen von Turnvater Jahn, zwang ihre Gefolgschaft zu schweißtreibendem Sport – und in grelle, hautenge Klamotten. Ebenso grell: die Kosmetiktrends der Zeit. Der narzisstische Körperkult avancierte zum Mainstream.

  • Zu wenig des Guten?

    Imago/Granata Images

    Dass nicht nur zu viel Leibesfülle nicht perfekt ist, sondern auch zu wenig, zeigen Magermodels. Trauriger Trendsetter war hierbei Kate Moss, die mit ihrem zweifelhaften „Heroin Chic“ das Bild von Weiblichkeit auf den Kopf stellte. Die übertriebene Fixierung auf das Ziel vom Fliegengewicht führt – nicht nur bei Models, sondern auch bei normalen Frauen - im schlimmsten Fall zur lebensbedrohlichen Magersucht. Um auf diese Gefahr hinzuweisen, startete die Betroffene Isabelle Caro (Bild) eine Kampagne gegen Anorexie. 2010 verstarb sie dennoch an den Folgen ihrer Krankheit.

  • Heute

    Imago/Cityfiles

    Es scheint so, als wäre die Definition von Schönheit heute offener als in der Vergangenheit. Schließlich reicht die Bandbreite von Size Zero-Models bis zu Damen, die stolz auf ihre weiblichen Hintern sind - von Jennifer Lopez bis Kim Kardashian. „Die Zeit von einheitlichen Schönheitsidealen ist in einer globalisierten Welt vorbei“, bestätigt Autor Ulrich Renz. „Die Vielfalt dessen, was als attraktiv empfunden wird, wird größer und bunter.“ Doch lag Schönheit wirklich jemals im Auge des Betrachters? Wurde sie tatsächlich zu unterschiedlichen Epochen jeweils anders definiert? Nein, lautet die Antwort von Ulrich Renz…

  • Schönheit als historische Konstante?

    Ulrich Renz/Privatarchiv

    Glaubt man daran, dass Schönheit ein evolutionstechnischer Vorteil ist, müsste diese eigentlich keinen Modeerscheinungen unterliegen, sondern kulturübergreifend und zeitlich konstant bleiben. „Das ist auch so“, sagt Ulrich Renz. „Zumindest, wenn es um schöne Gesichter geht. Was in dieser Hinsicht als schön empfunden wird, bleibt über die Zeit erstaunlich konstant. Die Gesichtszüge der Nofretete entsprechen auch Jahrtausende später noch dem gängigen Schönheitsideal. Gleiches gilt beispielsweise auch für Raffaels Madonnenbilder und unzählige andere Beispiele.“ Was dagegen einem ständigen Wandel unterliegt, sind – wie diese Galerie zeigt – also lediglich die Idealvorstellungen von der Traumfigur.

  • Die Zukunft der Schönheit

    Imago/UPI Photo

    Schön sein und jung wirken – das scheint das Diktat unserer Zeit. Der medizinische Fortschritt gestattet es zunehmend, Attraktivität zu erkaufen. Wird es also bald Alltag sein, sich zugunsten der Makellosigkeit unters Messer zu legen oder wird es irgendwann einen Gegentrend geben, zurück zur Natürlichkeit und Vielfalt? „Was soll noch kommen nach der Intimchirugie? Man könnte sich noch die inneren Organe verschönern lassen“, sagt Ulrich Renz augenzwinkernd. „Es stellt sich also die Frage, ob sich der Megatrend Schönheitswahn fortentwickeln wird oder nicht.“

  • Schönheitsoperationen - Fluch oder Segen?

    Imago/Emil Umdorf

    „Dank Botox oder schönheitschirurchischer Maßnahmen auszusehen wie mit 30, mag individuell eine schöne Erfahrung für eine fünfzigjährige Frau sein, aber auf gesellschaftlicher Ebene sehe ich diese Entwicklung eher als Fluch denn als Segen“, glaubt Renz. „Weil er die ganze Gesellschaft unter Konkurrenzdruck und Zugzwang setzt.“ Wenn sich da nichts ändere, werde irgendwann jeder, der sich den technischen Möglichkeiten verweigert, mit einem Stigma durch die Welt gehen und sich die Frage anhören müssen: „Warum tust du nichts für dich, warum lässt du dich hängen?“

  • Ist Schönheit nur ein falscher Alarm?

    Ist Schönheit nur ein falscher Alarm?

    „Schöne Menschen haben es leichter, man traut ihnen mehr zu“, sagt Ulrich Renz. Lange Zeit ging die Wissenschaft davon aus, dass Schönheit ein Signal für gute Gene sei, doch lassen sich Thesen, attraktive Menschen seien intelligenter oder gesünder als der Durchschnitt, nicht statistisch belegen. Deshalb wird unsere Besessenheit von Schönheit zunehmend mit einer Verwechslung erklärt: Evolutionstechnisch hat es sich bewährt, Gesichter in Sekundenbruchteilen zu deuten. Ist das Gegenüber uns freundlich gesonnen oder führt es Böses im Schilde? Allerdings verwechseln wir offenbar einen vertrauenswürdigen und positiven Gesichtsausdruck gern mit Attraktivität. „Schönheit ist also oft ein falscher Alarm“, erklärt Ulrich Renz. Mehr über die Attraktivitätsforschung erfährt man in seinem Buch „Schönheit – Eine Wissenschaft für sich“, als E-Book bestellbar bei schoenheitsformel.de.

Schönheit ist offenbar doch keine Geschmacksfrage, sondern eine Frage der Zeit. Ein Blick auf die Geschichte der Attraktivität zeigt: Was als schön gilt, kann sich von Epoche zu Epoche völlig unterscheiden.

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