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Nur Fliegen ist schöner: Faszination Parkour

Nur Fliegen ist schöner: Faszination Parkour

Der Trendsport Parkour ist Fitnesstraining in der Vertikalen und erinnert eher an Videospiele und Actionfilme. So genannte Traceure wirbeln akrobatisch durch die Lüfte, springen scheinbar mühelos über Betonmauern und bewegen sich mit katzenhafter Eleganz über Häuserdächer hinweg.
  • Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg

    Imago/Zuma Press

    Die Fans von Parkour, Traceure genannt, gehen im wahrsten Sinne des Wortes neue Wege. Das Wort Traceur entstammt dem Französischen und bedeutet „der eine Linie zieht“. Wie bei allen anderen Menschen ist das Ziel, von einem zum anderen Ort zu gelangen. Der Unterschied liegt darin, dass Passanten vorgegebene Pfade benutzen, während sich ein Traceur die Marschroute nicht von angelegten Gehwegen und architektonischen Hindernissen vorschreiben lässt. Die Frage „Wie komme ich am schnellsten von A nach B?“ beantwortet er mit kreativen Lösungen. Das Ergebnis sieht für Außenstehende oft halsbrecherisch und immer spektakulär aus.

  • Kunstturnen in der Vertikalen?

    Red Bull

    Ist Parkour eine Sportart, Fitnesstraining, Akrobatik oder gar Körperkunst? Die Antwort lautet wohl in allen Fällen: ja. Traceure machen die ganze Stadt zu ihrem Spielplatz. An die Gesetze der Physik halten sie sich dabei ungern, ebenso wenig an die Grenzlinien für Fußgänger. Eine Grenze allerdings setzen sich die Parkour-Profis selbst: Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung sind tabu. Ihr turbulenter Aktionsradius beschränkt sich daher auf öffentliche Plätze. Juristisch begeben sie sich dank ihrer eigenen Regeln nur selten in Grauzonen, da es grundsätzlich nicht verboten ist, sich auf unkonventionelle Weise fortzubewegen.

  • Ist James Bond ein Parkour-Fan?

    Imago/Unimedia Images

    In einer Anfangsszene des 21. James Bond-Films, „Casino Royale“, finden sich halsbrecherische Parkour-Elemente: Agent 007 (Daniel Craig) verfolgt darin einen Bösewicht durch alle Höhen und Tiefen einer Baustelle – inklusive eines Krans. Dargestellt wird dieser von Sébastien Foucan, einem der Gründerväter des Parkour, der später die Variante „Freerunning“ erfand, welche neben der Effizienz auch die Ästhetik der Bewegung mit einbezieht. Was Parkour und Freerunning mit dem Actionkino vereint, sind die spektakulären Bewegungen. Kein Wunder also, dass Parkour-Profis immer öfter als filmreife Stuntmen eingesetzt werden.

  • Bauch, Beine, Hirn

    Amadei Weiland

    Der deutsche Parkour-Sportler Amadei Weiland ist dank YouTube bekannt für seine Parkour-Künste. „Die wichtigste Voraussetzung ist, dass man Spaß daran hat und motiviert genug ist, die Bewegungen am Anfang teilweise Monate lang zu trainieren, bevor sie dann endlich mal klappen“, sagt der 26-Jährige. „Kraft, Talent, Körperbeherrschung und eine gute Koordination und Reaktionsgeschwindigkeit sind natürlich auch sehr wichtig.“ Wichtiger als die Beine findet er allerdings den Kopf: „Den Unterschied zwischen einen Hobby-Traceur oder -Freerunner und einem Profi macht zu 90 Prozent die mentale Einstellung.“

  • Der Weg ist das Ziel

    Michael Eichhammer

    „Parkour ist der kürzeste Weg zum Ziel“, sagt Mike Thümmler. Während Amadei in Berlin für Aufsehen sorgt, ist Mike der Guru der Augsburger Parkour-Szene. Der Versuch, sich möglichst effizient im urbanen Raum oder der Natur fortzubewegen, ist nicht nur ein körperliches, sondern auch ein mentales Training: „Man lernt seine eigenen Stärken und Schwächen kennen“, erklärt der 32-Jährige. „Der springende Punkt ist, seine Schwächen nicht zu ignorieren, sondern sich damit zu beschäftigen und daran zu arbeiten.“

  • Hindernislauf durch den Alltag

    Michael Eichhammer

    Mike glaubt, dass Parkour auch dabei hilft, Alltagsprobleme zu meistern: „Wenn ich auf ein Hindernis treffe, sollte ich nicht davon laufen, sondern eine kreative Lösung für das Problem finden – darüber, darunter, seitlich vorbei oder mitten durch. Das gilt für Parkour genauso wie im wahren Leben.“

  • Parkour in Videospielen

    Szene aus „Assassin´s Creed: Syndicate“, Ubisoft

    Auch die Helden der „Assassin´s Creed“-Videospiele klettern Mauern rasant hinauf wie eine Spinne, balancieren in schwindelerregenden Höhen und springen mit katzenhafter Leichtigkeit über die Dächer. Die Bewegungen der digitalen Assassinen mögen inspiriert sein von Parkour, doch anders herum interessieren sich viele Jugendliche im wahren Leben für den Trendsport – Dank der imposanten Sprünge der Charaktere . Der jüngste Teil der „Assassin´s Creed“-Reihe erscheint noch im Herbst 2015 und trägt den Beinamen „Syndicate“. Bereits 2008 waren Parkour-artige Bewegungen Kernelement eines anderen Videospiels: „Mirror´s Edge“. Neben Lara Croft in Tomb Raider war die Heldin Faith eine der wenigen weiblichen Protagonisten der Videogame-Geschichte. Die Fortsetzung soll 2016 erscheinen.

  • Weniger gefährlich als Fußball?

    Michael Eichhammer

    Für Laien sieht der Trendsport nach gefährlichem Extremsport aus. „Parkour ist weniger riskant als Fußball und andere Sportarten“, findet Mike Thümmler. „Es ist kein Wettbewerb, deshalb wird man auch nicht von anderen unter Druck gesetzt, sondern behält die Kontrolle über die eigenen Grenzen und tastet sich langsam an neue Herausforderungen heran.“ So werden waghalsig aussehende Sprünge zunächst in geringer Höhe oder gar ebenerdig geübt. Was wir im Kino sehen, ist das Ergebnis jahrelangen Trainings.

  • Nur Fliegen ist schöner

    Red Bull

    Der Energy-Drink-Hersteller Red Bull bewies schon öfter ein sicheres Händchen für Trendsports und so tritt die Marke auch im Parkour-Bereich als Sponsor in Erscheinung. Der bekannte Werbeslogan „Red Bull verleiht Flügel“ wird hierbei sehr wörtlich genommen, wie das Beweisfoto zeigt.

  • Zimmer mit Aussicht – auf Extremsportler

    Red Bull

    Auf Santorin findet alljährlich das Event „The Art Of Movement“ statt. Die griechische Insel gilt mit ihren kleinen Häusern, den vielen Dächern und Terrassen und verwinkelten Gässchen als Paradies für Freerunner und Traceure. So mancher Sprung endet auch ohne offizielle Landeerlaubnis absichtlich in einem Pool. Während das Event bei manchen erholungssuchenden Touristen wenig beliebt ist, werben machen Hotels bewusst mit der Aussicht auf die Stuntshow vor malerischer mediterraner Kulisse.

  • Was hat der Indochina-Krieg mit Parkour zu tun?

    Imago/Zuma/Keystone

    Raymond Belle, geboren 1939 in Indochina, war Sohn eines französischen Arztes der Kolonialarmee und einer vietnamesischen Mutter. In den Wirren des Krieges geriet er 1946 in ein Waisenheim. Dort wurden die Kinder zu Soldaten ausgebildet – inklusive Kampftechniken und Belastungsmärschen. Misshandelt an Körper und Seele schwor sich Belle später, nie mehr Opfer zu sein. Er entwickelte aus dem militärischen Hindernislauf eine eigene Methode zur Stärkung seines Körpers und Geistes. Später wurde Belle Feuerwehrmann und seine unkonventionellen Trainingsmethoden wurden Teil des offiziellen Trainings der Pariser Feuerwehr. Die eigentliche Geschichte von Parkour aber beginnt mit Raymond Belles Sohn…

  • Tu Gutes und springe darüber!

    Red Bull

    Raymond Belle vermittelte auch seinem Sohn David seine speziellen Fortbewegungstechniken in den Wäldern Nordfrankreichs. Auch die Methode Naturelle spielte in der Familie Belle eine große Rolle. Der Grundgedanke dieses körperlichen und geistigen Trainings in der Natur ist die Idee: „Être fort pour être utile“ - stark sein, um nützlich zu sein. Ende der Achtziger Jahre übertrug David diese mit Freunden auf die urbane Architektur. Aus den verspielten Verfolgungsjagden der Kindheit wurden im Jugendalter immer waghalsigere Interaktionen - Parkour war geboren. Seitdem gehört neben der Bewegungskunst auch der moralische Anspruch für diejenigen Traceure dazu, die sich auf David Belle berufen.

  • Seine beste Rolle? Die Rolle rückwärts

    Christian Thiel/Imago

    Der bereits erwähnte Sébastien Foucan zählte in jungen Jahren zu David Belles (Foto) Freunden und zur Kerngruppe der Parkour-Gründer. Mittlerweile gehen sie – zumindest sportlich – getrennte Wege. Wie Foucan war auch David Belle aufgrund seiner agilen Bewegungen bereits auf der großen Leinwand zu sehen – und das eher mit der Rolle rückwärts als in der Hauptrolle, beispielsweise in „Die purpurnen Flüsse 2“, „Prince of Persia“ und „Transporter – The Mission“.

  • Der Unterschied zwischen Parkour und Freerunning

    Amadei Weiland

    Dass Parkour und Freerunning oft verwechselt werden, verwundert kaum, wenn man bedenkt, dass beide von der gleichen Gruppe Jugendlicher aus Pariser Vororten ins Leben gerufen wurden. Dennoch gibt es kleine, aber für Insider wichtige, Unterscheidungsmerkmale: „Beim Freerunning setzt man größtenteils dieselben Bewegungen an wie beim Parkour“, so der Berliner Profi Amadei Weiland. „Dabei geht es jedoch nicht allein um Geschwindigkeit und das Überwinden einer geradlinigen Strecke, sondern eher darum, seine Umgebung und die Hindernisse darin möglichst kreativ zu nutzen. Dabei gibt es keine wirklichen Regeln, man kann alles machen was einem gefällt, wie etwa Salti oder Elemente aus dem Breakdance.“

  • Einer für alle und alle für einen

    Michael Eichhammer

    Als Geschäftsführer von ParkourOne Augsburg bringt Mike (2.v.r.) auch anderen bei, wie man sich kreativ und effizient fortbewegt. Das Netzwerk ParkourOne reicht von deutschen Metropolen bis in die Schweiz und nach Holland. Erfahrene Traceure helfen den Jüngeren, große Sprünge zu machen. Wie schon beim Erfinder David Belle ist auch bei ParkourOne die Vermittlung von moralischen Werten wie Vertrauen, Freundschaft, Ehrlichkeit, Hilfsbereitschaft und Respekt ein wichtiger Teil des Konzepts.

  • Höher als die Polizei erlaubt?

    Imago/Ralph Peters

    Das Polizei-Präsidium München bestätigt, dass sich Parkour seit 2006 zunehmend zum Trend entwickelt. Unfälle kommen zwar vor, enden aber meist glimpflich. Doch sind derartige Mutproben erlaubt? „Grundsätzlich ist das Parkouring nicht verboten, wenn die Teilnehmer das Umfeld nicht beeinträchtigen und Bürger oder Passanten nicht behindern“, sagt Constanze Spitzweck von der Pressestelle der Polizei in München. Natürlich gibt es dabei Grenzen, was die Legalität der Routenauswahl der Traceure angeht. „Wer widerrechtlich in das befriedete Besitztum anderer eindringt, begeht Hausfriedensbruch gemäß § 123 StGB.“ Wenn bei den Aktionen zudem fremde Objekte wie Hausfassaden oder Parkbänke beschädigt werden, wird der Tatbestand der Sachbeschädigung nach § 303 erfüllt.

  • Parkour in der Hauptrolle

    Filmszene aus „Tracers“, Senator Film

    Der Film „Tracers“ macht Parkour zum Hauptdarsteller. „Twilight-Star“ Taylor Lautner spielt den Fahrradkuriers Cam, der zufällig mit der Sportart Parkour in Berührung kommt. Er wird in eine Gruppe junger Sportler aufgenommen, doch nach dem ersten Höhenrausch begreift er, dass die Gang ihr akrobatisches Talent für fragwürdige Zwecke einsetzt…

  • Lauf, Taylor, lauf!

    Filmszene aus „Tracers“, Senator Film

    Schauspieler Taylor Lautner ist für seine Sportbegeisterung bekannt und bestand darauf, so viele seiner Stunts wie möglich selbst zu machen. So machte er den eigentlich für den Film engagierten Stuntman fast arbeitslos: „Wir hatten für Taylor einen fantastischen Stuntman, doch der hatte es bei diesem Film wirklich einfach“, verrät Stunt-Coordinator Gary Powell. Üblicherweise übernimmt ein Stuntman die gefährlichen Szenen bzw. werden Choreografien so vereinfacht, dass ein Schauspieler sie hinbekommt. „Das war bei Taylor kein bisschen nötig. Wir konnten das komplette Programm mit ihm umsetzen.“ „Tracers“ erscheint im Herbst auf DVD.

Der Trendsport Parkour ist Fitnesstraining in der Vertikalen. So genannte Traceure wirbeln durch die Lüfte, springen über Betonmauern und bewegen sich mit katzenhafter Eleganz über Häuserdächer hinweg.

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