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Klaus Störtebeker – Wer war der deutsche Jack Sparrow wirklich?

Klaus Störtebeker – Wer war der deutsche Jack Sparrow wirklich?

Spätestens seit der „Fluch der Karibik“-Filmreihe denken die meisten beim Stichwort Piraten an ferne Gewässer. Dabei hat Deutschland seine eigene Freibeuter-Figur zu bieten: Klaus Störtebeker. Welt der Wunder blickt hinter die Kulissen einer Legende.
  • Klaus Störtebeker: Verbrecher und Volksheld

    Filmszene „Störtebeker“, Imago/Andre Poling

    Für die Kaufleute der Hanse war Klaus Störtebeker ein Verbrecher, der ihre Handelsschiffe ausraubte, für die anderen war er ein Volksheld. Die Wahrheit über Störtebeker lässt sich wohl nicht zweifelsfrei klären, da Historiker bis heute darüber streiten, welche Anekdoten um den Freibeuter tatsächlich passiert und welche der spektakulären Erzählungen reine Legenden sind. Fest steht: Klaus Störtebeker bietet eine mindestens ebenso filmreife Geschichte wie ein Captain Jack Sparrow aus dem Hollywood-Blockbuster Fluch der Karibik. Ein Blick hinter die Kulissen…

  • Woher hatte Störtebecker seinen Namen?

    Imago/Christian Ohde

    Klaus Störtebeker soll 1360 geboren worden sein. Wo genau, darüber streiten Historiker nach wie vor. Rund 20 Orte werden diskutiert, darunter das niedersächsische Rotenburg (Wümme), Wismar, Rügen und Danzig. Selbst über seinen Vornamen herrscht Unklarheit: Hieß er Klaus, Claus, Claas, Nicolao oder Johann? Leichter erklären lässt sich die Herkunft des Nachnamens. Der soll auf einem Spitznamen basieren, welchen der Piratenkapitän angeblich aufgrund seiner Trinkfestigkeit bekommen hatte: Störtebeker heißt im Niederdeutschen so viel wie „Stürz den Becher“. Der Sage nach soll er einen vier Liter fassenden Humpen in einem Zug leergetrunken haben. Ob dieser mit Wein oder Bier gefüllt war ist allerdings ebenso unklar wie der Wahrheitsgehalt der Geschichte – zumal der legendäre Trinkbecher angeblich beim Großen Hamburger Brand im Jahr 1842 vernichtet wurde. Immer noch zu sehen ist dagegen obige Bronzestatue im Hamburger Freihafen, die den Seeräuber zeigt. Auf dem Sockel liest man: „Gottes Freund und aller Welt Feind“.

  • Filmszene „Störtebeker“, Imago/Andre Poling

    Zusammen mit anderen Kapitänen war Störtebeker ein Anführer der sogenannten Vitalienbrüder (abgeleitet von „Viktualien“: Lebensmittel). Diese Freibeuter störten den Handelsverkehr in der Nord- und Ostsee, indem sie Schiffe kaperten. Ursprünglich unterstützten sie dabei den König von Schweden im Kampf gegen Dänemark, später kaperten sie auf eigene Faust . So griffen sie zunächst nur dänische Schiffe und Schiffe der mit den Dänen verbündeten Stadt Lübeck an, überfielen aber zunehmend auch andere Handelsschiffe des Wirtschaftsbundes Hanse.

  • Robin Hood der Meere?

    Imago/Thomas Zimmermann

    Eine andere Bezeichnung für die Vitalienbrüder ist Likedeeler. Dieses niederdeutsche Wort heißt übersetzt „Gleichteiler“. Piratenbrauch war es nämlich, die gekaperten Güter gerecht untereinander aufzuteilen. Auch mit den Küstenhäuptlingen der Friesen teilten die Vitalienbrüder angeblich ihre Beute. Letzteres erklärt, warum Störtebeker noch heute als Robin Hood der Meere gilt. Die Friesen, die Störtebeker als Helden verehrten, und die Vitalienbrüder hatten ein gemeinsames Feindbild: die übermächtige Hanse. Unterstützung bekam Störtebeker nicht nur in Ostfriesland, wo er die Tochter eines Häuptlings heiratete, sondern seit August 1400 auch von Herzog Albrecht I. von Bayern und Graf von Holland und Hennegau. Einem Vertrag zufolge stellte dieser 114 Vitalienbrüder unter seinen Schutz, um seine eigenen Interessen zu stärken.

  • Der Fluch der Hanse

    Imago/Imagebroker

    Wegen seines Bartes nannte man Störtebeker auch ehrfurchtsvoll den roten Teufel. Er und seine Gefolgsleute boykottierten mit ihren Kaperfahrten immer wieder das erklärte Ziel der Hanse: Der Zusammenschluss von niederdeutschen Kaufleuten sollte die sichere Überfahrt ihrer Schiffe (Hanse-Koggen) gewährleisten, um internationale Handelsbeziehungen ausbauen. Den Störenfried Störtebeker wollte das Bündnis der Handelsstädte der norddeutschen Küste von Hamburg und Bremen über Wismar bis Rostock mit allen Mitteln bekämpfen. Handelsschiffe wurden zunehmend von Kriegsschiffen eskortiert. Doch der Pirat und seine Crew scheinen die besseren Segler gewesen zu sein, denn sie entkamen immer wieder den technisch überlegenen Hanse-Koggen.

  • Maulwurf an Bord?

    Imago/Jens Köhler

    Nur durch die List eines Verräters konnte dem dreisten Treiben Störtebekers ein Ende gesetzt werden: Ein Maulwurf an Bord soll flüssiges Blei in das Ruder des Piratenschiffes gegossen haben, um das Schiff manövrierunfähig zu machen. Vor Helgoland wurde er von Kriegsschiffe der Hanse, sogenannten Friedeschiffen, gestellt. Störtebeker kämpfte um sein Leben, da er wusste, was ihm blühte. Dennoch wurde er schließlich gefangen genommen und ein Hanse-Schiff namens Bunte Kuh lieferte ihn nach Hamburg aus.

  • Kein Happy End wie im Kino

    Imago/Reinhard Balzerek

    Als in Hamburg das Todesurteil verkündet wurde, soll Störtebeker dem Senat eine goldene Kette angeboten haben, um sich frei zu kaufen. Er versprach, diese solle groß genug sein, um die ganze Stadt zu umspannen. Der Senat ging nicht auf den Bestechungsversuch ein und Störtebeker wurde 1401 vor Hamburgs Hafeneinfahrt enthauptet. Einer Legende nach soll der Bürgermeister ihm zuvor versprochen haben, denjenigen seiner Männer das Leben zu schenken, an denen der Pirat nach der Enthauptung noch kopflos vorbeigeht. Der geköpfte Störtebeker soll so elf seiner Gefährten das Leben gerettet haben, bevor ihm der Henker den Richtblock vor die Beine warf und ihn stoppte. Der Bürgermeister hielt sein Wort jedoch nicht: Die 72 Gefährten fanden denselben Tod wie Störtebecker; ihre Köpfe wurden längs der Elbe aufgespießt.

  • Schatzkammern auf dem Wasser

    Filmszene „Störtebeker“, Imago/Andre Poling

    Mit Aufkommen des Seehandels wurden Nord- und Ostsee bereits im Mittelalter zu einem Eldorado für Seeräuber. Zu Störtebekers Zeit verkehrten rund 1.000 Handelsschiffe zwischen Deutschland und den Handelspartnern der Hanse wie Norwegen, Schweden, Russland und England. Die Fracht wirkt heute wenig spektakulär, doch damals waren Waren wie Bier, Wein, Salz und Getreide damals so wertvoll wie ein Schatz.

  • Wo hat Störtebeker seinen Schatz versteckt?

    Imago/Hans Blossey

    Was wäre ein Pirat ohne seine Schatzinsel? Natürlich darf auch bei der Legende um Klaus Störtebeker ein solches angebliches Versteck nicht fehlen. Störtebeker soll seine Reichtümer auf der Insel Rügen hinterlassen haben. Die sogenannte Stubbenkammer, also die Umgebung des Kreidefelsens Königsstuhl im Nationalpark Jasmund, soll den Schatz beherbergen. Eine andere Variante führt Schatzsucher in die Nähe von Heringsdorf, denn in der dortigen Störtebeker-Kuhle verorten manche Piraten-Fans ebenfalls den Schatz.

  • Schwebt Störtebekers Schatz noch heute über Hamburg?

    Imago/Jens Köhler

    Eine weitere Sage um Störtebekers Schatz besagt, dass diesen bereits ein Zimmermann zufällig auffand. Dieser hatte das legendäre Schiff gekauft. Als er das Schiff des Piraten zerlegen wollte, scheiterte seine Säge an den Masten. Der Grund: Je einer der drei Masten war mit Gold, einer mit Silber und einer mit Kupfer angefüllt. Aus dem Gold wurde angeblich die Krone für den Turm der Hamburger St.-Katharinen-Kirche angefertigt. Die Krone ziert noch heute das sakrale Bauwerk, welches als Kirche der Seeleute gilt.

  • Freiheitssymbol Störtebecker

    Imago/Sven Simon

    So spannend sie auch klingen: Historisch belegt sind die Geschichten von den Taten des deutschen Piraten nicht. Ob der Freibeuter also in Wahrheit ein Robin Hood der Meere war, bleibt ungeklärt. Fest steht: Sein Mythos lebt bis heute – wie beispielsweise der Schriftzug auf diesem besetzten Haus in Hamburg zeigt. Noch immer steht der Name Störtebeker für die einen als Symbol für Freiheit und Gerechtigkeit, für andere als Zeichen des Rebellentums oder des Widerstandes gegen die Obrigkeit.

Die meisten denken beim Stichwort Piraten an ferne Gewässer. Dabei hat Deutschland seine eigene Freibeuter-Figur zu bieten: Klaus Störtebeker.

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