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Indiens heiliger Fluss: Wo ein Schluck Wasser tödlich ist

Indiens heiliger Fluss: Wo ein Schluck Wasser tödlich ist

  • Ganges

    Imago/Westend 61

    Dieses Wasser reinigt von Sünden: Wer in der indischen Stadt Varanasi stirbt, geht in die Ewigkeit ein. Das glauben die hinduistischen Mönche und Pilger, die den weiten Weg hierher auf sich nehmen.

  • Ganges

    Imago/Xinhua

    Wer im Ganges badet oder davon trinkt, verkürzt seine Lebenszeit, sagen dagegen die Ärzte und Umweltorganisationen. Allein zwei Millionen Kinder sterben pro Jahr durch das mit Keimen, Kadavern und Schwermetallen verseuchte Flusswasser.

  • Ganges

    Imago/Xinhua

    Ob diese Hindus wissen, worin sie baden? Hundert Milliliter des Wassers im Ganges – ein halbes Weinglas voll – enthalten bis zu hundert Millionen coliforme Bakterien, einen Hauptbestandteil menschlicher Exkremente. Zum Vergleich: In der Elbe sind es etwa 3.000 bis maximal 10.000, Trinkwasserqualität ist bei null oder knapp darüber erreicht. Den in Indien erlaubten Höchstwert überschreitet der Fluss damit um das Millionenfache.

  • Ganges

    Imago/Kamerapress

    Mehr als 100 Städte und Tausende Dörfer liegen am Ufer des Flusses. Jeder dreizehnte Erdenbürger lebt am und im Umland des Ganges.

  • Ganges

    Imago/alimdi

    Für zwei Drittel der etwa 500 Millionen Anwohner ist das Flusssystem die einzige Trinkwasserquelle. Trotzdem nutzen sie ihren „Brunnen“ auch als Müllkippe. Hinzu kommen religiöse Überbleibsel: Viele der Plastiktüten am Ufer von Varanasi enthalten Opfergaben der täglich 60.000 Pilger.

  • Varanasi

    Imago/PanoramiC

    Über Kilometer ziehen sich Treppenstufen den Ganges entlang. Die sogenannten Ghats dienen unter anderem als Toilette, Handelsplatz und Krematorium. Das Scindia-Ghat hier ist so schwer, dass es sogar den Tempel am Ufer nach unten drückt.

  • Kumbh Mela

    Imago/Invision

    Alle zwölf Jahre findet am Ganges ein Fest der Superlative statt – eine Kumbh Mela. In 55 Tagen kommen dann rund 90 Millionen Menschen zusammen, also etwa so viel wie alle Deutschen und Österreicher zusammen. Bei der letzten Kumbh Mela Anfang 2013 badeten innerhalb von 24 Stunden bis zu 30 Millionen Menschen im Wasser des Ganges.

  • Varanasi

    Imago/Gran Angular

    Drei Viertel der Einwohner der heiligen Stadt Varanasi leben vom Geschäft mit den Pilgern, den Leichen und dem Tod. Überall am kilometerlangen, mit Treppen gesäumten Ufer lodern Feuer: Tag und Nacht verbrennen Freiluft-Krematorien die Leichname. Umgerechnet rund 16 Euro kostet das All-Inclusive-Paket, drei Stunden Verbrennen mit Duftstoffen.

  • Bestattung

    Imago/Gran Angular

    Entweder übernehmen Angehörige die Bezahlung, oder die Bestatter behalten die Habseligkeiten der Toten. Besonders begehrt sind Edelmetalle in Form von Schmuck oder Goldzähnen. Je weniger Besitz, desto weniger Feuerholz …

  • Hundus

    Imago/Gran Angular

    Für die Arbeit mit Toten ist bei den Hindus traditionell die niedrigste soziale Klasse zuständig, Parias oder auch „Unberührbare“ genannt.

  • Ganges

    Imago/DeFodi

    Etwa 40.000 Leichen landen allein in Varanasi jedes Jahr im Ganges. In der Trockenzeit kommen viele Leichenteile wieder zum Vorschein.

  • Ganges

    Imago/Gran Angular

    Drei Stunden muss eine Leiche in der Regel brennen, bevor sie in den Fluss darf. Die Ärmsten der Armen sowie die Menschen, die aus religiösen Gründen als „unverbrennbar“ gelten, wie etwa Schwangere, Kinder oder Cholera-Kranke, werden direkt in den Fluss gelegt – ein gefundenes Fressen für Geier oder streunende Hunde, die sich über die im Wasser treibenden oder am Ufer angespülten Leichen oder Tierkadaver hermachen.

  • Ganges

    Imago/Kathrin Schubert

    Was als reiner Gebirgsfluss beginnt, ist wenige hundert Kilometer von der Quelle entfernt bereits eine Kloake: Mehr als vier Milliarden Liter Abwasser fließen pro Tag in den Ganges. Fast alle Versuche, die Verschmutzung zu bekämpfen, scheitern an Fehlplanungen und einer katastrophalen Infrastruktur.

  • Ganga Action Plan

    Imago/Bluegreen Pictures

    Die indische Regierung errichtete im Rahmen des „Ganga Action Plan“ in 25 Städten für 600 Millionen Euro Klärwerke. Genutzt hat es wenig: Viele der Anlagen sind zu klein konzipiert oder gegen einen Teil der Schadstoffe völlig wirkungslos.

  • Müll

    Imago/imagebroker

    Etwa 10.000 Müllsammler lesen allein in Allahabad täglich 50 Tonnen Verwertbares auf.

  • Gebirgsquelle

    Imago/Indiapicture

    Der Ganges entspringt auf 4.000 Metern Höhe im Himalaja, dort heißt er noch Bhagirathi. Auch wenn der Fluss für die Anwohner und Pilger die heilige „Mutter Ganga“ symbolisiert, leiten die Inder über vier Milliarden Liter ungeklärte Abwässer in den Ganges ein – pro Tag. Chemische Giftstoffe zahlloser Industriebetriebe fließen zuerst in die Nebenflüsse und später in den Ganges. Gelder für Kläranlagen oder Kontrollen fließen dagegen meist in die Taschen korrupter Beamter.

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