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Heiratsrituale: Wie in verschiedenen Kulturen „Ja“ gesagt wird

Heiratsrituale: Wie in verschiedenen Kulturen „Ja“ gesagt wird

Egal in welcher Kultur: Hochzeiten sind Zeremonien voller Symbole und Rituale – vom Brautkleid über die Trauung bis hin zum rauschenden Fest. Der Zweck von Heiratsritualen: Sie sollen den Übergang in den neuen Lebensabschnitt leichter machen.
  • Ringtausch

    iStock/narongcp

    Heirat bedeutet für jeden Menschen einen radikalen Lebenseinschnitt. Deshalb haben alle Kulturen so genannte Heiratsrituale entwickelt: über Generationen gewachsene symbolische Handlungen, die den Übergang in die Ehe erleichtern und die Angst vor dem Neuen nehmen sollen. Mittelpunkt einer jeden Hochzeit ist die Trauung: In unserem Kulturkreis wechseln die Brautleute Ringe, um sich ewige Liebe zu versprechen. Auf Bali balanciert der Bräutigam auf einer Stange eine Kokosnuss – zum Zeichen, dass er immer für seine Frau sorgen will.

  • Braut

    iStock/IPGGutenbergUKLtd

    Dass zwei Menschen heiraten, weil sie sich lieben, erscheint uns heute selbstverständlich. Doch zu anderen Zeiten war die Ehe meist eine Zweckgemeinschaft, um durch Arbeitsteilung das gemeinsame Überleben zu sichern. Oder um Familien, Clans oder Dynastien miteinander zu verbinden. Den künftigen Ehepartner suchten nicht die Kinder selbst, sondern ihre Eltern aus. In vielen Kulturen ist das noch heute so – zum Beispiel in Indien oder bei den Nomaden des tibetischen Hochlands. In dieser Gesellschaft sind die Bedürfnisse der Familien wichtiger als die des Paares. Die Kinder werden nur dann verheiratet, wenn die Familien geprüft haben, ob sie selbst gut miteinander auskommen. Dazu treffen sich die Männer beider Seiten auf neutralem Boden. Während der Verhandlungen schenken sie sich immer wieder gegenseitig Bier in die Tassen, um es in hohem Bogen wegzuschütten. Sind sie sich einig geworden, reiten beide Parteien zum Zelt der Brautfamilie. Dort findet die Hochzeit statt. Bei der Trauung sitzen Braut und Bräutigam getrennt: Er in der Reihe der Männer, sie bei den Frauen. Üblicherweise leitet ein buddhistischer Priester die Zeremonie. Die Vermählung ist rechtskräftig, wenn der Bräutigam seinen Finger dreimal hintereinander in eine Tasse mit Bier getaucht und das Bier anschließend nach oben weggeschnippt hat. Die Braut wiederholt dieses Ritual – und sie sind Mann und Frau.

  • Tibet

    iStock/1971yes

    Auch bei den Nyinba, einem Volk im Himalaya-Gebirge, werden die Ehen von den Eltern arrangiert. Bei den Nyinba ist Polygamie weit verbreitet: In der Regel teilen sich mehrere Brüder eine Frau. Die Hochzeit läuft nach einem traditionellen Ritus ab: Die Männer der Bräutigamsfamilie holen die Braut in ihrem Zuhause ab. Bevor die Brautfamilie das Mädchen herausgibt, muss die Delegation der Familie des Bräutigams Rätsel lösen. Die Antworten werden singend vorgetragen. Da die Rätselfragen jedoch schon im vornherein bekannt sind, kann nichts mehr schief gehen. Die Bräutigamsfamilie darf die Braut mitnehmen. Ihr zukünftiger Schwiegervater trägt das verschleierte Mädchen auf dem Rücken in ihr neues Zuhause, wo die Vermählung stattfindet.

  • Brautkleid

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    Bei kaum einem Ereignis spielt die Kleidung eine derartig wichtige Rolle wie bei Hochzeiten. Die alten Römer heirateten in Gelb, unsere mittelalterlichen Vorfahren in tiefroter Farbe. Später trugen die Bräute dann schwarz. Erst seit ungefähr 200 Jahren ist es üblich, dass Frauen in Weiß heiraten. Die Farbe hatte ursprünglich eine ganz konkrete Bedeutung: Sie sollte die Unschuld und Reinheit der Braut zum Ausdruck bringen.

  • Henna

    iStock/belocerman

    Wann der Bräutigam das Hochzeitskleid seiner Braut zu Gesicht bekommt, ist je nach Land oder Religion verschieden. Nach jüdischer und christlicher Sitte zum Beispiel darf er die weiße Pracht erst bei der Hochzeit bewundern. Würde der Bräutigam das Brautkleid vorher sehen, wäre das ein schlechtes Zeichen für die Ehe. Anders im Jemen: Hier sieht der Bräutigam seine künftige Frau bereits am Abend vor der Vermählung im traditionellen Brautkleid. Beide feiern zusammen mit ihren Familien und Freunden den so genannten Henna-Abend. Die Brautmutter bestreicht bei dieser Zeremonie die Handflächen des Paares mit dem alten orientalischen Färbemittel Henna – ein Ritual, das Freude und Glück bringen soll.

  • Indische Hochzeit

    iStock/CastaldoStudio

    Ähnlich wie in vielen islamischen Ländern spielt das natürliche Färbemittel Henna auch bei indischen Hochzeiten eine wichtige Rolle: Hände und Füße der Braut werden mit Mustern und Ornamenten verziert. Noch auffallender ist der Goldschmuck: Die Familie hat ihn seit der Geburt der Tochter gesammelt. Bei der Hochzeit trägt die Braut dann alles Gold, das sie besitzt. Es soll ihr Fruchtbarkeit schenken und eine Hilfe für schwere Zeiten sein, etwa wenn ihr Ehemann stirbt. In kaum einem anderen Land werden Hochzeiten so prachtvoll gefeiert wie in Indien: Die Festlichkeiten dauern bis zu neun Tage. 1.500 Gäste und mehr sind keine Seltenheit. Die Familien der Braut verschulden sich häufig auf Jahre: Sie bezahlen nicht nur die Hochzeit, sondern auch die Mitgift.

  • Braut

    iStock/bodnarchuk

    Das Gesicht der Braut hinter einem Schleier verborgen: Dieses Bild ist nicht nur typisch für christliche Hochzeiten, sondern auch für die fremder Kulturen – wie der Nyinba in der Himalaya-Region. Der Brauch, das Gesicht eines Menschen zu verhüllen, geht auf Bestattungsriten zurück. Die Braut erscheint, nachdem sie ihr altes Leben zurückgelassen hat, im Ritual als Tote. In dem Moment, in dem ihr frisch angetrauter Ehemann den Schleier zurückschlägt, weckt er sie gleichsam von den Toten auf – in ein neues, andersartiges Leben.

  • Trauungszeremonie

    iStock/Pilin_Petunyia

    Neugeboren zu werden ist auch der Sinn der christlichen Taufe. Und in ähnlicher Weise der Trauungszeremonien, wie sie auf der indonesischen Insel Bali üblich sind. Denn zu Beginn wäscht der Priester das Brautpaar mit gesegnetem Wasser. Er reinigt sie dadurch von allen Sünden, so dass sie als neue reine Menschen den Lebensabschnitt „Ehe“ beginnen können.

Egal in welcher Kultur: Hochzeiten sind Zeremonien voller Symbole und Rituale – vom Brautkleid über die Trauung bis hin zum rauschenden Fest. Der Zweck von Heiratsritualen: Sie sollen den Übergang in den neuen Lebensabschnitt leichter machen.

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