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Ein Leben ohne Lesen und Schreiben

Ein Leben ohne Lesen und Schreiben

Laut UNESCO-Weltbildungsbericht können etwa 781 Millionen Menschen nicht lesen und schreiben. Viele Betroffene schweigen aus Scham über ihre „Bildungskrankheit“…
  • Analphabetismus

    imago/epd

    Es sind traurige Zahlen, die die UNESCO im Weltbildungsbericht 2015 präsentierte – auch wenn sie sich im Vergleich zu den Vorjahren leicht verbessert haben. So gibt es weltweit noch immer Millionen Erwachsene, Jugendliche und Kinder, die nicht richtig lesen oder schreiben können. Regelmäßig scheitern sie schon an kleinen Herausforderungen im Alltag: sei es beim Ausfüllen eines Formulars oder beim Lesen einer Packungsbeilage. Besonders in afrikanischen oder asiatischen Ländern ist die Analphabetisierungsrate hoch. Doch auch hierzulande ist es nicht selbstverständlich, dass jeder Einwohner lesen und schreiben kann …

  • Analphabetismus in Deutschland

    imago/Marco Stepniak

    Im Jahr 2011 schockierten Hamburger Wissenschaftler Deutschland mit der Leo-Studie: 7,5 Millionen erwachsene Deutsche können nicht richtig lesen und schreiben. Sie werden als funktionale Analphabeten bezeichnet, sprich sie erkennen zwar einzelne Buchstaben und können oftmals auch ihren eigenen Namen schreiben, manche Wörter oder sogar kurze Sätze lesen. Doch darüber hinaus längere Texte selbst zu produzieren oder zu lesen, ist für sie nahezu unmöglich.

  • Viele Betroffene schweigen aus Scham

    imago/Manja Elsässer

    Wer in Deutschland gar nicht oder nicht richtig lesen und schreiben kann, galt lange Zeit als Einzelfall. Immerhin bietet das deutsche Schulsystem doch eine kostenfreie Bildung für alle Gesellschaftsschichten. Demnach hätte derjenige versagt, der unter diesen Bedingungen nicht mal das grundlegendste Bildungsniveau erreicht, so das allgemeine Urteil der Öffentlichkeit. Dieser falsche Rückschluss führt dazu, dass sich Betroffene dafür schämen, es versuchen geheim zu halten und sich folglich auch keine Hilfe holen.

  • Gründe für Analphabetismus

    imago/Christine Roth

    Die Gründe weshalb so viele Deutsche unter funktionalem Analphabetismus leiden sind ganz unterschiedlich. In manchen Fällen haben sie sich schlichtweg dem Lernen verweigert, kamen mit den Lehrern nicht zurecht, haben keine Hausaufgaben gemacht und auch die Eltern haben kein Auge auf die richtige Bildung ihres Kindes geworfen. Andere hatten mit Problemen im Elternhaus oder einer persönlichen Lernschwäche zu kämpfen, die nicht rechtzeitig erkannt wurde. Selbst eine langwierige Krankheit – und damit das Fernbleiben von der Schule – kann dazu führen, dass ein Kind nicht richtig lesen und schreiben lernt.

  • Mit Tricks durch den Alltag

    imago/McPHOTO

    Laut Leo-Studie sind nur 17 Prozent der Analphabeten arbeitslos. Der Rest ist erwerbstätig und sieht sich täglich mit Herausforderungen konfrontiert, sei es nun der auszufüllende Lieferschein oder die Arbeit am PC. Beide Gruppen entwickeln Strategien, mit denen sie es vermeiden können, in der Öffentlichkeit lesen oder schreiben zu müssen – sie hätten angeblich die Lesebrille vergessen oder verbinden sich die rechte Hand. Andere lassen sich von Familienmitgliedern helfen oder weihen teilweise auch Kollegen ein, damit diese ihnen bei Bedarf unter die Arme greifen.

  • Weltbildungsbericht der UNESCO

    imago/Hans Blossey

    Seit 2002 veröffentlich die Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur – kurz UNESCO – einmal im Jahr einen Weltbildungsbericht. Er ist gewissermaßen ein Zeugnis für die Bildungssysteme der Welt – und erhält meist die Note „ungenügend“. Zu Beginn des neuen Millenniums hat sich die globale Gemeinschaft, bestehend aus 160 Ländern, auf dem Weltbildungsforum in Dakar (Senegal) auf den Aktionsplan „Bildung für alle“ geeinigt. Dieser beinhaltet sechs Ziele, die sich besonders auf die frühkindliche und kostenfreie Förderung konzentrieren. Außerdem streben sie an, die Analphabetenrate bei Frauen drastisch zu senken.

  • Analphabetismus unter Kindern

    imago/Xinhua

    Genau diese zwei Gesellschaftsgruppen – Frauen und Kinder – stellen unter den Analphabeten einen Knackpunkt dar: 250 Millionen Kinder auf der Welt können nicht richtig lesen und schreiben. Zwar sind manche von ihnen sogar vier Jahre lang zur Schule gegangen – doch mangelt es in den Lehranstalten in vielen Fällen am Grundlegendsten. So gibt es oftmals viel zu wenige Grundschullehrer. Und viele von denen, die es gibt, sind schlecht ausgebildet, es mangelt an Qualität. Diese zu erhöhen, gehört ebenfalls zu einem der sechs Ziele des Plans „Bildung für alle“. Auch müssen einige Kinder zu Hause ihrer Familie bei der Arbeit helfen und haben somit keine Zeit, regelmäßig zur Schule zu gehen.

  • Hoher Frauenanteil, der nicht lesen und schreiben kann

    imago/Xinhua

    Immer noch ist die Mehrheit – zwei Drittel – der erwachsenen Analphabeten weiblich. Auch nach jahrelangen Bemühungen und Initiativen konnte dieser Anteil bislang nicht verringert werden. Das liegt nicht nur daran, dass die finanziellen Mittel fehlen: Meist sind die konventionellen Strukturen der jeweiligen Länder zu stark in den Köpfen der Menschen verankert. Vielen Frauen sind traditionell für den Haushalt und die Erziehung der Kinder zuständig. Sie werden in afrikanischen wie auch in asiatischen Ländern schon im Kindesalter verheiratet – ihre Chancen auf Bildung streben von da an gegen Null.

  • Betroffene Länder

    imago/Xinhua

    72 Prozent – sprich 557 Millionen – aller erwachsener Analphabeten leben in nur zehn Ländern dieser Welt: Indien belegt dabei mit 287 Millionen unangefochten den ersten Platz. Danach folgen China, Pakistan, Bangladesch, Nigeria, Äthiopien, Ägypten, Brasilien, Indonesien und die Demokratische Republik Kongo.

  • Armut und schlechte Bildung

    imago/Mario Aurich

    Wie die Top-Ten-Liste zeigt, haben besonders Entwicklungsländer mit der Bildungsschwäche zu kämpfen. Es ist ein Teufelskreis, in dem die Menschen in diesen Ländern gefangen sind. Ohne eine ausreichende schulische Bildung haben sie kaum eine Chance ihr eigentliches Potential auszuschöpfen. Sie müssen sich mit schlecht bezahlten Jobs zufriedengeben, können ihre Familie nicht unterstützen und haben ohne Hilfsprojekte von außen keine Chance, ihr Leben und das ihrer Familie zu verändern.

  • Bildung für alle

    imago/Xinhua

    Die düsteren Prognosen für „Bildung für alle“ haben sich zum Ende des weltweiten Aktionsprogramms 2015 bestätigt: Nur ein Drittel der Weltgemeinschaft hat die sechs Bildungsziele erreicht. In der Hälfte der Länder besuchen Kinder immernoch keine Grundschule. Eine kleine positive Entwicklung: Im Vergleich zu 1999 gehen heute dennoch etwa 50 Millionen mehr Kinder in die Schule. Doch auch wenn diese harten Fakten wenig Optimismus verbreiten, wäre es jetzt falsch, den Kopf in den Sand zu stecken. In der heutigen Zeit ist Bildung weltweit ein hohes Gut, das wir aufbauen, pflegen und kultivieren müssen. Nicht nur in Deutschland gilt es, das Thema zu enttabuisieren und die Motivation zu schaffen, Alphabetisierungskurse anzubieten - die Betroffene auch annehmen müssen …

Über 750 Millionen Erwachsene weltweit können nicht lesen und schreiben, so die Zahlen der UNESCO. Der Welttag der Alphabetisierung erinnert jedes Jahr am 8. September daran und möchte damit das Thema enttabuisieren. Denn viele Betroffene schweigen aus Scham über ihre „Bildungskrankheit“…

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